Bienen können gesund leben – sagte Torben Schiffer und zeigt wie.
(Hamburg/Deutschland) – Es fing alles mit einer Frage an. Was braucht eine Biene wirklich, um gesund zu leben? Torben Schiffer, Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter im HOBOS-Team von Prof. Jürgen Tautz an der Universität Würzburg, wurde genau damit beauftragt: die natürlichen Lebensbedingungen der Bienen zu erforschen. Was er herausfand, war unbequem – und gleichzeitig der Beginn einer Lösung, die heute jeder in seinen Garten stellen kann.
„Was an sich sehr traurig ist: Wir leben seit 1000 Jahren mit Bienen und wissen nicht, wie sie leben – was ihr artgerechter Lebensraum ist.“ So beschreibt Schiffer selbst den Ausgangspunkt seiner Forschung. Das Ergebnis nach Jahren intensiver Untersuchung: Die rechteckigen Bienenstöcke, die weltweit in der Imkerei Standard sind, entsprechen in keiner Weise dem natürlichen Lebensraum der Biene. Sie sind, wie Schiffer es formuliert, Massentierhaltung.
Das Problem mit der Form – und der Wärme

In der Natur besetzt ein Bienenvolk einen einzigen Hohlraum, dessen Form und Grösse dem Wärmefeld des Volkes entspricht – ungefähr so gross wie ein 20-Zentimeter-Luftballon. In diesem Raum sind die Bienen vollständig eingefüllt, kaum Wärme geht verloren.
Rechteckige Bienenstöcke funktionieren anders. An den Ecken entstehen kalte Lufträume, in denen sich Kondenswasser absetzt und Schimmel bildet. Diese Temperaturunterschiede belasten die Gesundheit der Bienen – genau wie beim Menschen. Und sie erzwingen permanente Wärmeausgleichsarbeit, die an den Kräften der Tiere zehrt.
In Zahlen ist das dramatisch: Ein rechteckiger Bienenstock verbraucht bis zu 300 Kilogramm Honig allein, um das Volk am Leben zu halten – entspricht rund 600 Litern Nektar. Wildbienen in artgerechten Baumhöhlen brauchen nur 30 bis 50 Kilogramm Honig – rund 100 Liter Nektar. Der Rest der Energie, die in der konventionellen Imkerei in Wärmearbeit fliesst, fehlt den Bienen für alles andere: für Gesundheit, für Brut, für das Immunsystem.
Das Hitzesommer-Phänomen von 2018 illustriert das eindrücklich. Trotz extremer Trockenheit und wenig Nektar waren viele Bienenstöcke ungewöhnlich gut gefüllt. Der Grund: Die warme Aussenluft reduzierte den Wärmeverlust im Stock – und damit den Honigbedarf der Bienen. Weniger Wärmearbeit, mehr Überschuss.
Wusstest du? Ein SchifferTree ist keine Bienenbeute, sondern eine Baumhöhlensimulation. Er simuliert eine ökologische Infrastruktur, die wegen des Mangels an altem Baumbestand in unserer Natur nur noch spärlich existiert – und bietet neben Bienen auch Fledermäusen, Hornissen, Wespen und Vögeln einen Lebensraum. (FreeTheBees 2020)
Der kleine Helfer: Der Bücherskorpion

Bei Wildbienen in Baumhöhlen ist die Varroa-Milbe zwar vorhanden – aber kein ernstes Problem. Einer der Gründe dafür ist ein Tier, das kaum jemand kennt: der Bücherskorpion. Schiffer entdeckte 2006 den Bücherskorpion als Symbionten der Bienen und bewies 2007 in Versuchen, dass Bücherskorpione Varroa-Milben gerne und in grosser Anzahl fressen. (Beenature-Project 2025) Bei einer Felduntersuchung fand er den Bücherskorpion sogar in einem Wildvolk, das erst wenige Wochen in einen hohlen Baumstamm eingezogen war. Eine natürliche Symbiose, die im rechteckigen Bienenstock schlicht keinen Platz findet.
Hinzu kommt: Das kleinere Volumen der Baumhöhle bedeutet weniger Brutwaben – und damit weniger Nahrungsraum für die Varroa. Ein wilder Bienenbau hat 20 bis 40 Liter Volumen, ein konventioneller Bienenstock 80 bis 150 Liter. Mehr Volumen, mehr Brut, mehr Milben.
Bei drei Völkern eines Demeter-Imkers wurde zudem festgestellt: Bienen, denen kein Honig entnommen wurde, entwickelten im Volk die Fähigkeit, die Varroa-Milbe selbst zu bekämpfen. Auch das ein Hinweis darauf, was möglich ist, wenn man der Biene lässt, was ihr gehört.
Der Schiffer-Tree: Das Energiesparhaus für Bienen
Aus seiner Forschung entwickelte Torben Schiffer den SchifferTree – eine Baumstamm-ähnliche Baumhöhlensimulation, die das Wärmefeld des Bienenvolkes exakt nachahmt. Schiffer selbst nennt ihn liebevoll sein „Energiesparhaus“: Die Biene verliert kaum Wärme, muss kaum ausgleichen, verbraucht kaum Ressourcen. Statt bis zu 20 Kilogramm Winterfutter im konventionellen Bienenstock braucht ein Volk im SchifferTree nur rund 2 bis 3 Kilogramm. Weniger Arbeit, weniger Stress, längeres Leben.

Der SchifferTree Plus mit 10 Zentimeter Wandstärke aus massivem Vollholz ist mittlerweile in Deutschland erhältlich, gefertigt unter anderem in der Caritas-Werkstatt Pocking – ein gemeinnütziges Produktionsmodell, das den sozialen Gedanken direkt mit dem Artenschutz verbindet. (Beenature-Project 2025)
Dem Volk wird maximal 5 Kilogramm Honig entnommen – so bleibt genug für die Bienen selbst. Was zählt, ist nicht die Ausbeute. Es ist das Überleben.
Wusstest du? Immer mehr SchifferTrees werden in Deutschland aktiv von wilden Bienenschwärmen besiedelt – oft schon wenige Wochen nach der Aufstellung, ohne dass jemand nachgeholfen hat. Die Bienen finden den artgerechten Raum und ziehen von sich aus ein. (De Immen e.V. 2025)
Eine Idee für alle – Imker und Laien
Den SchifferTree kann jeder in seinen Garten stellen – ob erfahrener Imker oder Laie, der einfach etwas für die Bienen tun möchte. Auf beenature-project.com findet man aktuelle Informationen, Forschungsergebnisse und den Zugang zum Schiffer-Tree-Projekt. Torben sucht zudem regelmässig Praktikantinnen und Praktikanten, die bei Milben-Auszählungen und Feldforschungen mithelfen – eine aussergewöhnliche Möglichkeit für alle, die sich zu Bienen und Forschung hingezogen fühlen.
Dass 70 bis 80 Prozent der Imkerinnen und Imker bei Torbens Vorträgen seine Arbeit gut finden, zeigt: Es geht nicht darum, die Imkerei abzuschaffen. Es geht darum, sie wieder mit dem Leben der Bienen in Einklang zu bringen.
Quellen
Beenature-Project 2025. „Über uns / Der Schiffer-Tree“. [online] Verfügbar unter: https://beenature-project.com
De Immen e.V. 2025. „Schiffer-Tree“. [online] Verfügbar unter: https://de-immen.de/schiffer-tree/
FreeTheBees 2020. „Die ersten SchifferTrees sind besiedelt“. [online] Verfügbar unter: https://freethebees.ch/die-ersten-schiffer-trees-sind-besiedelt/
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