🇨🇱 Weinabfälle als Plastikersatz: Chilenische Forscher verwandeln Trester in Verpackung der Zukunft

Was übrig bleibt wenn Wein gepresst wird, landet meist im Müll. Ein Team aus Chile hat daraus etwas Erstaunliches gemacht – Verpackungen die sich zersetzen, kompostieren und die Welt ein bisschen sauberer hinterlassen.

Das Problem: Plastik das 600 Jahre bleibt

Chile verbraucht jedes Jahr rund 3,4 Milliarden Plastiktüten – und 90 Prozent davon landen nicht im Recycling, sondern in Parks, Flüssen und Ozeanen (CORFO, 2024). Plastik braucht über 600 Jahre um sich zu zersetzen. Weltweit landen jährlich mehr als 8 Millionen Tonnen im Meer (UNEP, 2023).

Genau dieses Problem wollte Juan Carlos Carrasco Prado lösen. Der Forscher und Direktor von ZEAplast arbeitet seit Jahren an einer Lösung – und fand sie ausgerechnet in den Überresten der chilenischen Weinindustrie (Universidad de Concepción, 2025).

Die Idee: Trester statt Erdöl

Orujo – so nennt man auf Spanisch den Trester, also die festen Rückstände aus Weintrauben nach der Pressung. Normalerweise ein Abfallprodukt. Für Carrasco Prado und sein Team der Universidad de Concepción ist es wertvoller Rohstoff (Cooperativa Ciencia, 2025).

Aus der Gemeinde Quillón in der Region Ñuble kommt der Trester – eine Region die für ihren Weinanbau bekannt ist. Was dort als Abfall endet, wird in Concepción zur Innovation.

Das Verfahren ist elegant: Der feuchte Trester wird getrocknet, gemahlen und zu einem feinen Pulver verarbeitet. Dieses Pulver wird dann mit Bioplastik gemischt – ein Kilogramm des neuen Werkstoffs enthält 30 Prozent Trester und 70 Prozent biologisch abbaubares Kunststoff (Miranda & Carrasco Prado, 2025).

Was dabei entsteht

Die neuen Verpackungen sind ideal für Sandwiches, Burger und andere Speisen die zwischen 40 und 50 Grad warm serviert werden. Sie sehen natürlicher aus, fühlen sich anders an – und zersetzen sich vollständig im Kompost (Universidad de Concepción, 2025).

Projektingenieur Dr. Cristian Miranda beschreibt das Prinzip: Das Bioplastik bleibt die Basis – aber durch den organischen Trester-Anteil wird die Verpackung nicht nur kompostierbar, sondern bekommt auch einen natürlichen, warmen Look der bei Verbrauchern gut ankommt (Cooperativa Ciencia, 2025).

Finanziert wurde das Projekt durch CORFO – Chiles staatliche Förderagentur für Innovation. Ein gutes Zeichen: Der Staat investiert in echte Lösungen von kleinen Teams.

Der nächste Schritt: Produktion in der Region

Bisher müssen die Materialien noch nach Santiago transportiert werden – das macht die Produktion teurer. Das Team arbeitet daran die gesamte Produktion in der Region Ñuble zu halten, wo auch die Rohstoffe herkommen (Miranda & Carrasco Prado, 2025).

Das Ziel: Lokale Weingüter liefern Trester, lokale Fabriken produzieren Verpackungen, lokale Restaurants verwenden sie. Ein geschlossener Kreislauf – von der Traube bis zur kompostierbaren Verpackung.

Warum diese Geschichte wichtig ist

Es ist nicht das größte Startup der Welt. Kein Milliarden-Investment, kein Silicon Valley. Sondern ein Forscher, ein kleines Unternehmen und eine Universität in Chile – die gemeinsam zeigen dass echte Lösungen oft aus den unwahrscheinlichsten Orten kommen.

Und das Schönste: Der Rohstoff ist ein Abfallprodukt. Kein neues Land, kein neuer Anbau. Einfach das nutzen was schon da ist.

Literaturverzeichnis

→ Carrasco Prado, J.C. & Miranda, C. (2025). Proyecto ZEAplast: Envases biodegradables a base de orujo de uva. Universidad de Concepción

→ Cooperativa Ciencia (2025). Buscan sustituir plásticos de un solo uso con envases a base de orujo de uva

→ CORFO (2024). Innovación sostenible en Chile. Corporación de Fomento de la Producción

→ UNEP (2023). Plastic Waste. United Nations Environment Programme