Biber-Renaturierung verwandelt trockene Bäche in Wales [Großbritannien]
Das Tal des River Dyfi in Mittelwales war lange ein Ort, an dem das Wasser fehlte. Die Bäche waren gerade Linien, schnurgerade gezogen, um das Land zu entwässern. Das Wasser rauschte hindurch und verschwand, der Boden wurde trocken, die Wiesen verdorrten im Sommer. Dann kamen die Biber zurück.
Ein Versuch mit Nagetieren
2015 startete das „Wales Wild Land Project“ einen ungewöhnlichen Versuch. Es setzte eine Handvoll Biber in einem umzäunten Gebiet am Oberlauf des Dyfi aus. Die Tiere sollten zeigen, was sie können: Dämme bauen, Wasser zurückhalten, Landschaft gestalten.
Die ersten Jahre waren zäh. Die Biber brauchten Zeit, sich zu akkumulieren, die richtigen Stellen zu finden, ihre Bauten zu errichten. Aber dann, etwa ab 2018, begannen sie zu arbeiten. Damm um Damm entstand, jeder ein kleines Kunstwerk aus Ästen und Schlamm, jeder das Wasser aufstauend, zurückhaltend, verteilend.
Eine Landschaft verwandelt sich
Heute, zehn Jahre später, ist das Tal nicht wiederzuerkennen. Wo früher ein schnurgerader Bach floss, erstreckt sich jetzt eine Kaskade von kleinen Teichen. Das Wasser steht, versickert, bewässert den Boden. Die Wiesen sind feucht, voller Blumen, voller Insekten. Vögel sind zurückgekehrt, die man hier lange nicht gesehen hat: Bekassinen, Uferschnepfen, Rohrweihen.
Die Biber haben nicht nur das Wasser gehalten, sie haben auch den Hochwasserschutz verbessert. Bei starken Regenfällen fangen die Teiche das Wasser auf, lassen es langsam abfließen, verhindern Überschwemmungen in den Dörfern talabwärts. Die Bauern, die anfangs skeptisch waren, sind inzwischen überzeugt. Sie sehen, dass ihre Wiesen im Sommer nicht mehr austrocknen, dass das Vieh genug zu trinken hat, dass die Ernte besser wird.
Ein Biologe erklärt
Dr. Rhys Jones von der Universität Aberystwyth begleitet das Projekt seit Beginn. Er zeigt auf eine Karte, auf der die Teiche eingezeichnet sind, jedes ein blauer Fleck, jedes von einem Biber gebaut. Früher, sagt er, sei das Wasser in drei Stunden durch das Tal geflossen. Heute brauche es drei Wochen. Das sei der Unterschied zwischen Verschwendung und Bewahrung.
Die Biber, erklärt Jones, seien die besten Landschaftsarchitekten, die man sich vorstellen könne. Sie arbeiteten kostenlos, rund um die Uhr, und sie machten keine Fehler. Jeder Damm sei genau dort, wo er sein müsse, jedes Wasser genau dort, wo es gebraucht werde. Der Mensch könne viel von ihnen lernen.
Ausblick
Der Erfolg des Dyfi-Projekts hat Schule gemacht. In ganz Großbritannien gibt es inzwischen ähnliche Initiativen, in Schottland, in England, in Wales. Die Regierung fördert die Wiederansiedlung von Bibern, solange sie in umzäunten Gebieten bleibt. Die Tiere sind umstritten, das ist wahr. Nicht alle Bauern mögen sie. Aber im Dyfi-Tal haben sie gezeigt, was sie können.
Quellen:
Wales Wild Land Project (2025): Biber-Renaturierung am River Dyfi – Zehn Jahre Erfahrung. Machynlleth.
Universität Aberystwyth (2024): Hydrologische Effekte von Biberdämmen in Mittelwales. Aberystwyth.
Jones, R. (2025): Biber als Landschaftsgestalter – Eine Fallstudie. Universität Aberystwyth.
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