Drohnen säen Mangrovensamen in Myanmar

Der Irrawaddy-Delta in Myanmar ist ein Labyrinth aus Wasser und Land. Unzählige Flussarme schlängeln sich durch das grüne Dickicht, und an ihren Ufern wachsen Mangroven – Bäume, die mit ihren knorrigen Wurzeln im Salzwasser stehen. Jahrhundertelang haben sie die Küste geschützt, Fischen ein Zuhause gegeben und das Klima stabilisiert.

Dann kamen die Holzfäller. In den letzten Jahrzehnten wurden riesige Flächen der Mangrovenwälder abgeholzt – für Brennholz, für Shrimpsfarmen, für Plantagen. Zurück blieb eine verwundete Küste, schutzlos gegen Stürme und Überschwemmungen. Als 2008 der Zyklon Nargis über Myanmar hinwegfegte, starben 140.000 Menschen. Die zerstörten Mangroven hatten keinen Schutz mehr bieten können (Mediaterre 2025).

Heute, fast zwanzig Jahre später, geschieht etwas Ungewöhnliches über den Überresten der Wälder. Drohnen surren durch die Luft und schießen kleine Samenkapseln in den Boden. Sie pflanzen einen Wald – 100.000 Bäume am Tag.

Die Idee: Wiederaufforstung aus der Luft

Hinter diesem Projekt steht die Firma BioCarbon Engineering, gegründet von Lauren Fletcher, einem ehemaligen NASA-Ingenieur. Fletcher war 2009 auf der Klimakonferenz in Kopenhagen und erlebte dort, wie die Weltgemeinschaft an der Rettung des Planeten scheiterte. Er beschloss, es selbst zu versuchen (Mediaterre 2025).

Seine Idee: Drohnen sollen Bäume pflanzen – schneller, billiger und in größerem Maßstab, als Menschen es je könnten. Die Technologie, die er entwickelte, ist ebenso einfach wie raffiniert. Zuerst überfliegen Vermessungsdrohnen das Gebiet und erstellen eine dreidimensionale Karte. Sie erkennen, wo der Boden geeignet ist, wo bereits Bäume stehen und wo neuer Wald entstehen kann. Dann kommen die Pflanzdrohnen. Sie fliegen im Tiefflug, nur wenige Meter über dem Boden, und schießen mit Druckluft Samenkapseln in die Erde (Mediaterre 2025).

Jede Kapsel enthält einen vorgekeimten Samen, umhüllt von einer Nährstoffmischung, die das Anwachsen fördert. Die Drohnen können so pro Minute zehn Samen ausbringen – 36.000 am Tag. Mit mehreren Drohnen gleichzeitig sind es 100.000 (Mediaterre 2025).

Die Menschen vor Ort

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es nicht von oben verordnet wurde, sondern mit den Menschen vor Ort zusammen entstand. Die Dorfbewohner im Irrawaddy-Delta hatten bereits in den sieben Jahren zuvor 2,7 Millionen Bäume von Hand gepflanzt – auf 750 Hektar Land, der Fläche von zwei Central Parks. Aber sie erkannten, dass sie allein nicht schnell genug vorankamen (Mediaterre 2025).

Sie wandten sich an die Worldview International Foundation, eine Stiftung, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Die wiederum brachte BioCarbon Engineering ins Spiel. Gemeinsam entwickelten sie einen Plan: Die Drohnen sollten weitere 250 Hektar bepflanzen, zusätzlich zu den bereits von Hand bepflanzten Flächen (Mediaterre 2025).

Die Dorfbewohner wurden nicht einfach an die Seite gedrängt. Im Gegenteil: Sie wurden zu Drohnenpiloten ausgebildet. Junge Männer und Frauen, die früher als Köhler gearbeitet und damit selbst zur Abholzung beigetragen hatten, lernten jetzt, die Fluggeräte zu steuern. Andere wurden darin geschult, die Samenkapseln herzustellen oder die jungen Pflänzchen zu pflegen (LinkedIn 2024).

Warum Mangroven so wichtig sind

Mangroven sind keine gewöhnlichen Bäume. Sie wachsen im Brackwasser, wo Flüsse auf das Meer treffen, und haben sich auf extreme Bedingungen spezialisiert. Ihre Wurzeln ragen wie Stelzen aus dem Wasser und bieten kleinen Fischen und Krabben Schutz. Sie filtern Schadstoffe aus dem Wasser, speichern enorme Mengen Kohlenstoff und stabilisieren die Küste.

„Als der Zyklon Nargis kam, hat uns die Mangrove gerettet“, erzählte ein Bauer aus der Region vor einigen Jahren. „Seitdem ist es unsere Pflicht, uns um sie zu kümmern“ (Mediaterre 2025). Aber die Mangroven können ihre Schutzwirkung nur entfalten, wenn sie in ausreichender Zahl vorhanden sind. In weiten Teilen des Deltas waren sie verschwunden.

Die ersten Erfolge

Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Weniger als ein Jahr nach der Aussaat sprossen tausende winziger Mangrovensetzlinge aus dem Boden. Sie waren etwa 50 Zentimeter hoch und standen dicht an dicht – ein neuer Wald entstand (Giving Compass 2020).

Irina Fedorenko, Mitgründerin von BioCarbon Engineering, zeigte sich zufrieden: „Wir haben jetzt einen bestätigten Fall, welche Arten wir unter welchen Bedingungen pflanzen können. Wir sind bereit, unsere Pflanzungen auszuweiten und diesen Erfolg zu wiederholen“ (Giving Compass 2020).

Das langfristige Ziel ist ehrgeizig: In drei Regionen Myanmars müssen etwa 350.000 Hektar Küstenwald wiederhergestellt werden – eine Fläche fast so groß wie Rhode Island. Bei etwa 5.000 Bäumen pro Hektar wären das mehr als eine Milliarde Bäume. Bremley Lyngdoh von der Worldview Impact Foundation rechnet vor: „Eine Milliarde Bäume zu pflanzen, würde ohne die Hilfe von Drohnen sehr lange dauern“ (Giving Compass 2020). Zwei Piloten mit zehn Drohnen können theoretisch 400.000 Bäume an einem Tag pflanzen.

Ein Modell für die Welt

Was in Myanmar beginnt, könnte Schule machen. In Australien werden die Drohnen bereits eingesetzt, um auf ehemaligen Minengeländen Gräser und Bäume zu pflanzen. In Kanada experimentiert man mit ähnlichen Methoden. Und in Indonesien, wo die Mangroven ebenfalls bedroht sind, gibt es erste Gespräche (DroneXL 2024).

Die Methode ist nicht nur schneller, sondern auch billiger. Lauren Fletcher schätzt, dass die Aussaat per Drohne etwa 15 Prozent günstiger ist als herkömmliche Methoden (Mediaterre 2025). Und weil die Drohnen auch in unwegsames Gelände vordringen können, erreichen sie Orte, die für Menschen unzugänglich sind.

Das Wichtigste aber ist: Die Menschen vor Ort werden nicht zu Zuschauern degradiert. Sie werden zu Akteuren. Sie lernen, mit der neuen Technologie umzugehen, und sie verdienen daran – ein nachhaltiges Modell, das weit über die reine Wiederaufforstung hinausweist.

Ein Dorfbewohner im Irrawaddy-Delta, der früher Bäume fällte, um daraus Holzkohle zu machen, formuliert es so: „Früher habe ich den Wald zerstört, weil ich keine Wahl hatte. Heute baue ich ihn wieder auf. Das ist ein gutes Gefühl.“


Hast du Lust, etwas Ähnliches selbst zu machen? Du kannst keine Drohnen steuern, um einen ganzen Wald zu pflanzen, aber vielleicht eine kleine Baumpflanzaktion in deiner Gemeinde starten – oder einen Mini-Mangrovenwald im Topf. Hier findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

👉 [Zur Bauanleitung: Kleine Baumpflanzaktion selbst organisieren]


Quellen

Mediaterre (2025): Ces drones plantent 100 000 arbres par jour pour sauver les mangroves. URL: https://www.mediaterre.org/iles/actu,20171003152831,16.html

LinkedIn (2024): Kat James: Aerial mangrove restoration using drones. URL: https://www.linkedin.com/posts/kat-hardie-james_aerial-mangrove-restoration-using-drones-activity-7200858302245650432-0Y2s

DroneXL (2024): From Drones To Trees: A Tech Revolution In Reforestation. URL: https://dronexl.co/2024/02/28/drones-to-trees-reforestation-myanmar/

Giving Compass (2020): Tree-planting Drones Working to Restore Forests. URL: https://givingcompass.org/article/tree-planting-drones-working-to-restore-forests


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