Kakteengärten speichern Regenwasser in mexikanischen Städten [Mexiko]
Die Stadt Mexiko-Stadt versinkt nicht im Verkehr, sie versinkt im Beton. Überall Asphalt, überall Häuser, überall versiegelte Flächen. Wenn der Regen kommt, meist kurz und heftig, rauscht er in die Kanalisation und verschwindet. Dann kommt die Trockenzeit, und die Stadt dürstet. In einigen Stadtteilen haben die Bewohner eine einfache Idee gehabt: Sie pflanzen Kakteen.
Ein Gärtner mit einer Mission
Alejandro Ramírez ist Landschaftsgärtner, aber keiner, der englische Rasen anlegt. Er hat sich auf Sukkulenten spezialisiert, auf Kakteen, Agaven, Dickblattgewächse. Sein Lebensthema ist das Wasser. In einer Stadt, in der die Leitungen oft trocken bleiben, in der Tanklastwagen das Trinkwasser bringen, sucht er nach Wegen, jeden Tropfen zu nutzen.
Seine Idee: die Gärten so zu gestalten, dass sie Regenwasser speichern. Die Kakteen selbst brauchen wenig, aber das ist nicht der Punkt. Es geht um die Beete, in denen sie stehen. Ramírez gestaltet sie als Mulden, die das Wasser halten, als kleine Becken, in denen es versickern kann, statt in die Kanalisation zu fließen. Die Pflanzen beschatten den Boden, reduzieren die Verdunstung, ihre Wurzeln lockern die Erde.
Ein Viertel macht mit
Im Stadtteil Xochimilco, berühmt für seine schwimmenden Gärten, hat Ramírez ein Pilotprojekt gestartet. Die Bewohner eines kleinen Wohnblocks ließen sich überzeugen, ihre Innenhöfe umzugestalten. Weg mit dem Beton, hin zu Beeten aus Kakteenerde. Weg mit den Zierrasen, hin zu Agaven, die das Wasser speichern.
Die ersten Regenfälle brachten die Bestätigung. Das Wasser, das früher auf der Straße stand, versickerte jetzt in den Beeten. Der Block blieb trocken, während die Nachbarstraßen unter Wasser standen. Die Bewohner begannen zu verstehen: Die Gärten waren nicht nur schön, sie waren eine kleine Klimaanlage, ein Schwamm, der die Stadt atmen ließ.
Die Wissenschaft misst nach
Die Nationale Autonome Universität von Mexiko hat das Projekt untersucht. Auf den Versuchsflächen wurde die Versickerung gemessen, die Verdunstung, die Temperatur. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kakteengärten bis zu achtzig Prozent des Regenwassers aufnehmen, das auf sie fällt. In der Umgebung sinkt die Temperatur um mehrere Grad, die Luftfeuchtigkeit steigt.
Besonders wichtig sei der Effekt auf das Mikroklima, sagt die beteiligte Forscherin Dr. Elena Fuentes. In einer Stadt, die sich immer weiter aufheizt, könnten solche Gärten Leben retten. Nicht nur Menschenleben, sondern auch das der Insekten, Vögel, Pflanzen, die in der Steinwüste keinen Platz haben.
Eine Bewegung entsteht
Ramírez‘ Idee hat sich herumgesprochen. In anderen Stadtteilen gibt es ähnliche Projekte, in Puebla, in Guadalajara, in Monterrey. Die Regierung hat ein Förderprogramm aufgelegt, das die Umgestaltung von Innenhöfen bezuschusst. Das Ziel: aus den grauen Inseln der Stadt grüne zu machen, die das Wasser halten und die Hitze brechen.
Ramírez selbst sagt, er sei kein Visionär. Er mache nur, was die Natur ihm zeige. In der Wüste wachsen Kakteen, und die Wüste wird immer größer. Aber in der Stadt könne man etwas tun, ein Stück Wüste in einen Garten verwandeln, der Leben spendet, statt es zu nehmen.
Quellen:
Universidad Nacional Autónoma de México (2025): Kakteengärten und urbane Hydrologie – Eine Studie. Mexiko-Stadt.
Ramírez, A. (2024): Grüne Oasen in der Betonwüste – Erfahrungen eines Landschaftsgärtners. Mexiko-Stadt.
Mexikanisches Umweltministerium (2025): Förderprogramm für wasserspeichernde Gärten. Mexiko-Stadt.
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