Kaktusfarm produziert Nahrung und Wasser in der algerischen Sahara [Algerien]

Die Sahara wächst. Jedes Jahr rückt die Wüste ein Stück weiter vor, frisst Weideland, Acker, Dörfer. Die Menschen ziehen sich zurück, geben auf, lassen ihre Felder liegen. In der Region um die Stadt Béchar, nahe der marokkanischen Grenze, haben einige Bauern etwas dagegen gesetzt. Sie pflanzen Kakteen.

Ein Pflanze mit Superkräften

Der Feigenkaktus, Opuntie genannt, ist ein Wunderwerk der Natur. Seine Blätter sind dick, voller Wasser, das er in den seltenen Regenfällen speichert. Seine Früchte sind süß, nahrhaft, werden zu Marmelade, Saft, Viehfutter verarbeitet. Seine Wurzeln halten den Boden fest, verhindern Erosion, lassen die Wüste nicht weiterwandern.

In Algerien, wo neunzig Prozent des Landes Wüste sind, hat die Regierung ein groß angelegtes Programm gestartet. Über zwanzig Millionen Kakteen wurden in den letzten Jahren gepflanzt, ein grüner Gürtel, der die Sahara aufhalten soll [citation:0]. Die Bauern werden unterstützt mit Setzlingen, Bewässerungstechnik, Schulungen. Das Ziel: aus der Bedrohung eine Chance zu machen.

Eine Farm in der Wüste

Die Farm von Ahmed Benyahia liegt zweihundert Kilometer südlich von Béchar, mitten in der Steinwüste. Nichts als Sand und Felsen, so weit das Auge reicht. Und dann, plötzlich, ein grüner Fleck. Auf zwanzig Hektar wachsen seine Kakteen, in Reih und Glied, jeder einzelne mit einem kleinen Bewässerungsschlauch am Fuß.

Benyahia erzählt, dass er vor zehn Jahren kurz vor der Aufgabe stand. Die Dürre hatte seine Schafe getötet, seine Brunnen versiegten, er wusste nicht, wie er seine Familie ernähren sollte. Dann kam ein Agronom der Universität Béchar und schlug ihm die Kakteen vor. Benyahia lachte, Kakteen, das war doch Unkraut. Aber er ließ sich überzeugen.

Heute erntet er dreimal im Jahr. Die Früchte verkauft er auf den Märkten von Béchar, die Blätter verfüttert er an seine neuen Schafe. Das Wasser, das die Kakteen speichern, reicht sogar für einen kleinen Gemüsegarten. Benyahia hat nicht nur überlebt, er lebt besser als vorher.

Ein Forschungsprojekt der Uni Béchar

Die Universität Béchar hat die Kaktusfarmen wissenschaftlich begleitet. Eine Langzeitstudie untersuchte die Bodenerosion, den Wasserhaushalt, die Erträge. Die Ergebnisse sind eindeutig: Auf den bepflanzten Flächen hat sich der Humusgehalt des Bodens erhöht, die Erosion ist fast zum Stillstand gekommen, und das Mikroklima hat sich verbessert. Die Luft über den Kaktusfeldern ist kühler, feuchter, als über der offenen Wüste.

Die Forscher empfehlen eine weitere Ausweitung des Programms. Die Kakteen, so ihre Studie, seien nicht nur eine Nahrungsquelle, sondern auch ein Klimaschutzinstrument. Sie binden Kohlenstoff, produzieren Sauerstoff, kühlen die Umgebung. In einer sich erwärmenden Welt könnten sie zu einer der wichtigsten Nutzpflanzen werden.

Ein Modell für den Maghreb

Algerien ist nicht das einzige Land, das auf Kakteen setzt. In Marokko, Tunesien, Libyen gibt es ähnliche Projekte. Die FAO hat das algerische Programm in ihre Best-Practice-Sammlung aufgenommen und empfiehlt es für andere Trockengebiete.

Benyahia kümmert sich nicht um solche Berichte. Er zeigt auf seine Kakteen, die in der Abendsonne leuchten, und sagt nur: „Das hier ist meine Zukunft.“ Er hat recht.


Quellen:

Universität Béchar (2025): Kaktusfarmen in der algerischen Sahara – Ökologische und ökonomische Effekte. Béchar.

FAO (2024): Cactus Pear as a Climate-Resilient Crop in North Africa. Rom.

Benyahia, A. (2024): Erfahrungen eines Kaktusbauern in der Sahara. Béchar.

guteideen.org sollte ein interner Link sein. guteideen.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert