KI optimiert Mülltrennung in südafrikanischen Schulen

Die Trenn- und Wertstoffhöfe von Kapstadt sind Orte, die die meisten Menschen nie zu Gesicht bekommen. Hier türmen sich Berge von Müll, sortiert nach Kategorien, bereit für die Weiterverarbeitung. Zwischen den Papierballen und Plastikbergen arbeiten Männer und Frauen mit Schutzmasken und Handschuhen – sie sortieren das, was die Menschen falsch in die Tonne geworfen haben.

Bis zu 40 Prozent des Mülls, der in Südafrikas Recyclinghöfen ankommt, ist falsch sortiert (GroundUp 2025). Das kostet Geld, Zeit und am Ende oft das Leben des Materials – denn einmal falsch einsortiert, landet alles im Verbrennungsofen.

Die Idee: KI hilft beim Sortieren

Ein Start-up aus Kapstadt namens WasteLab hat eine Idee, die das Problem an der Wurzel packt. Nicht am Ende der Kette, sondern dort, wo der Müll entsteht: in den Schulen.

Mit einer einfachen KI-gestützten App lernen Schüler, Müll richtig zu trennen. Die App heißt SortSmart und funktioniert so: Ein Schüler hält sein Handy über ein Stück Müll. Die Kamera erkennt das Material und zeigt auf dem Display an, in welche Tonne es gehört – in einem spielerischen Design mit Punktesystem und Belohnungen (GroundUp 2025).

Hinter der App steckt ein neuronales Netz, das mit Tausenden von Bildern trainiert wurde – Plastikflaschen, Joghurtbecher, Getränkekartons, Alufolie, Zeitungspapier. Die KI erkennt nicht nur das Material, sondern auch, ob es verschmutzt ist, ob der Deckel noch drauf ist, ob es zusammengedrückt wurde. Alles Faktoren, die beim Recycling eine Rolle spielen.

Warum Schulen?

Die Idee, in Schulen zu beginnen, hat einen einfachen Grund: Hier werden die Gewohnheiten von morgen geprägt. Wer als Kind lernt, Müll richtig zu trennen, tut es als Erwachsener automatisch. Und die Kinder tragen das Wissen nach Hause, korrigieren ihre Eltern, werden zu Multiplikatoren.

In der Pilotphase wurde SortSmart in zehn Schulen in Kapstadts Townships getestet. Die Ergebnisse waren beeindruckend. In den teilnehmenden Schulen sank der Anteil des falsch sortierten Mülls innerhalb von sechs Monaten von durchschnittlich 60 auf 12 Prozent (GroundUp 2025). Die Schüler hatten nicht nur gelernt, richtig zu trennen – sie hatten auch Spaß daran.

Die App wird regelmäßig mit neuen Bildern gefüttert. Jedes Mal, wenn ein Schüler ein Objekt scannt, das die KI nicht eindeutig erkennt, wird das Bild an die Entwickler geschickt. Nach manueller Prüfung wandert es in den Trainingsdatensatz – die KI wird mit jeder Nutzung klüger.

Die Menschen dahinter

Entwickelt wurde SortSmart von einem Team junger südafrikanischer Programmierer, die zuvor in der Recyclingbranche gearbeitet hatten. „Wir haben gesehen, wie viel Müll einfach verbrannt wird, weil er falsch sortiert war“, erzählt die Mitgründerin Thandi Ndlovu. „Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, es ist auch Verschwendung von Ressourcen, die wir dringend brauchen“ (GroundUp 2025).

Die App wurde bewusst einfach gehalten. Sie funktioniert offline (in vielen südafrikanischen Schulen gibt es kein Internet) und läuft auch auf älteren Smartphones. Die Bedienung ist selbsterklärend, mit Symbolen statt langer Texte.

In den Schulen wurden sogenannte „Waste Champions“ ausgebildet – Schüler, die besonders gut sortieren können und ihren Mitschülern helfen. Sie bekommen kleine Vorteile, wie etwa ein kostenloses Mittagessen oder eine Urkunde.

Ein Modell für die Nachbarschaft

Der Erfolg in den Schulen hat längst Kreise gezogen. Inzwischen gibt es SortSmart auch für Haushalte. Eine Version für Senioren hat größere Symbole und einfachere Sprache. Eine Version für Unternehmen ist in Planung.

Die Stadt Kapstadt hat Interesse angemeldet, die App flächendeckend einzuführen. Denn jede Tonne, die richtig sortiert wird, spart der Stadt Geld – Geld, das anderswo dringend gebraucht wird.

Thandi Ndlovu träumt von einer Zukunft, in der Mülltrennung selbstverständlich ist. „In zwanzig Jahren werden die Kinder, die heute mit SortSmart gelernt haben, erwachsen sein. Sie werden nicht verstehen, warum wir jemals Probleme mit Mülltrennung hatten“ (GroundUp 2025).


Hast du Lust, etwas Ähnliches selbst zu machen? Du kannst keine KI programmieren, aber vielleicht ein Mülltrennungs-Projekt an deiner Schule starten. Hier findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

👉 [Zur Bauanleitung: Mülltrennung an der Schule – eine Challenge]


Quellen

GroundUp (2025): Waste-sorting app developed for schools. URL: https://www.groundup.org.za/article/waste-sorting-app-developed-for-schools/


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