Lärchenwälder schützen Bergdörfer vor Lawinen in der Schweiz [Schweiz]

Das Dorf Grächen liegt auf 1600 Metern, hoch oben im Mattertal, umgeben von Bergen, die im Winter weiß sind und im Sommer grau. Hinter dem Dorf, an den steilen Hängen, stehen Lärchen, tausende von ihnen, ein Wald, der sich bis zur Baumlinie zieht. Er ist nicht nur schön. Er ist die Lebensversicherung des Dorfes.

Bäume als Lawinenverbauung

Im Winter, wenn der Schnee fällt, türmen er sich an den Hängen auf, wird immer schwerer, kann jeden Moment abrutschen. Eine Lawine, die auf Grächen zukommt, würde das Dorf in Sekunden zerstören. Aber sie kommt nicht. Die Lärchen halten sie auf.

Das Geheimnis liegt in der Struktur des Waldes. Die Bäume stehen nicht zu dicht, nicht zu dünn, genau richtig, um den Schnee zu bremsen. Die Äste fangen ihn ab, die Stämme halten ihn, die Wurzeln verankern den Boden. Ein Lawinenverbau aus Holz, der nichts kostet und jedes Jahr besser wird.

Ein Wald in Gefahr

Die Lärchenwälder der Schweiz sind in Gefahr. Der Klimawandel setzt ihnen zu, wärmere Winter, trockenere Sommer, neue Schädlinge. Der Borkenkäfer, früher nur in Fichtenwäldern ein Problem, befällt jetzt auch Lärchen. Im Wallis sind in den letzten Jahren Tausende Bäume abgestorben.

Die Gemeinden haben reagiert. In Grächen wurde ein Projekt gestartet, das den Wald schützen soll. Junge Lärchen werden gepflanzt, alte gepflegt, tote entfernt. Die Förster arbeiten mit der Gemeinde zusammen, mit den Bürgern, mit den Wissenschaftlern.

Ein Förster erklärt

Christian Zenhäusern ist Förster im Oberwallis und kennt jeden Baum in seinem Revier. Er zeigt auf eine Stelle, wo vor fünf Jahren noch dichte Lärchen standen. Heute ist sie kahl, der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet. „Das ist gefährlich“, sagt er. „Wenn hier eine Lawine kommt, hat sie freie Bahn bis ins Dorf.“

Seine Arbeit ist es, den Wald widerstandsfähiger zu machen. Nicht nur Lärchen pflanzen, sondern auch andere Arten, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Arven, die in höheren Lagen wachsen, Bergahorn, der feuchte Böden mag. Ein Mischwald, der allen Gefahren trotzt.

Ein Dorfbewohner erinnert sich

Josef Biner ist achtzig und hat sein ganzes Leben in Grächen verbracht. Als Kind, erzählt er, habe er die Lawinen gehört, im Winter, wenn es schneite. Ein Dröhnen, das näher kam, dann ein Donnern, und dann Stille. Die Lawine war im Wald stecken geblieben.

Einmal, 1951, kam sie bis fast vors Dorf. Die alten Lärchen hielten sie auf, aber nur knapp. Seitdem, sagt Biner, wissen alle, wie wichtig der Wald ist. Die Jungen, die in die Städte ziehen wollen, werden von den Alten ermahnt: Der Wald muss bleiben, sonst geht das Dorf unter.

Ein Modell für den Alpenraum

Das Projekt in Grächen ist kein Einzelfall. In der ganzen Schweiz, in Österreich, in Italien gibt es ähnliche Initiativen. Die Alpenkonvention, ein Vertrag zwischen den Alpenländern, fördert den Schutz der Schutzwälder. Die Europäische Union zahlt Zuschüsse für Aufforstung und Pflege.

Christian Zenhäusern pflanzt weiter. Jeden Herbst setzt er neue Bäume, hofft, dass sie groß werden, dass sie die Lawinen aufhalten, dass sie das Dorf schützen. In hundert Jahren, sagt er, wird er nicht mehr da sein. Aber die Lärchen werden stehen.


Quellen:

Gemeinde Grächen (2025): Schutzwaldprojekt – Jahresbericht. Grächen.

Zenhäusern, C. (2024): Erfahrungen eines Försters im Oberwallis. Visp.

Biner, J. (2024): Erinnerungen an Lawinenwinter in Grächen. Oral History Project, Kanton Wallis.

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