Lehm-3D-Druck baut Häuser in Marokko in 24 Stunden

Die Sonne brennt auf das kleine Dorf Ben Guerir, etwa 70 Kilometer nördlich von Marrakesch. Hier, wo die Häuser seit Jahrhunderten aus Lehm gebaut werden, steht ein Gerät, das aussieht wie eine Mischung aus Kran und riesigem Drucker. Es surrt, bewegt sich langsam vor und zurück, und aus seiner Düse quillt eine dickflüssige, bräunliche Masse. Schicht für Schicht entsteht eine Mauer. In 24 Stunden wird hier ein Haus stehen.

Das Projekt heißt 14Trees und ist eine Zusammenarbeit des britischen Baukonzerns LafargeHolcim mit der Investmentfirma CDC Group. Ihr Ziel ist nichts Geringeres, als das Bauen in Afrika zu revolutionieren (Dezeen 2021). Die Idee: Mit 3D-Druckern, die speziell für den Einsatz in abgelegenen Regionen entwickelt wurden, sollen schnell, günstig und nachhaltig Häuser entstehen.

Die Wiederentdeckung des Lehms

Das Besondere an dem Projekt ist das Material. Statt Beton, der viel Energie bei der Herstellung verbraucht und oft teuer importiert werden muss, verwenden die Drucker eine Mischung aus lokalem Lehm und Zement. Der Lehm kommt aus der Umgebung, wird mit Wasser angerührt und mit einem speziellen Bindemittel versetzt. Das Ergebnis ist ein Baustoff, der die Kühleigenschaften des Lehms mit der Stabilität des Betons verbindet.

„Lehm ist ein fantastisches Material“, erklärt ein Ingenieur vor Ort. „Er reguliert die Temperatur, ist feuerfest und absolut giftfrei. Und er ist überall verfügbar. Früher haben die Menschen hier ihre Häuser daraus gebaut, aber das Wissen ging verloren. Wir bringen es zurück – mit moderner Technologie.“

Der Drucker arbeitet nach einem digitalen Plan, der am Computer entworfen wurde. Er legt Schicht für Schicht auf, jede genau 2,5 Zentimeter hoch. Nach 24 Stunden ist die Grundstruktur des Hauses fertig. Fenster- und Türöffnungen werden freigelassen, später folgen Dach und Innenausbau. Insgesamt dauert der Bau eines Hauses mit dem 3D-Drucker etwa eine Woche – herkömmliche Bauweise würde Monate brauchen (Dezeen 2021).

Bezahlbarer Wohnraum für alle

Marokko, wie viele afrikanische Länder, leidet unter akutem Wohnungsmangel. Besonders in den schnell wachsenden Städten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Junge Familien können sich keine Wohnung leisten, also bauen sie illegal – oft mit schlechten Materialien, ohne Plan, ohne Sicherheit.

Das 14Trees-Projekt will hier Abhilfe schaffen. Ein 3D-gedrucktes Haus kostet etwa 20 Prozent weniger als ein konventionell gebautes (Dezeen 2021). Und weil die Drucker schnell aufgestellt und wieder abgebaut werden können, eignen sie sich auch für entlegene Regionen oder für den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.

Die ersten Häuser in Ben Guerir wurden bereits an Familien übergeben. Eine Bewohnerin, eine ältere Frau mit Namen Fatima, zeigt stolz ihr neues Zuhause. Die Wände sind glatt, die Räume hell, und obwohl es draußen 40 Grad hat, ist es drinnen angenehm kühl. „Früher habe ich in einer Blechhütte gewohnt“, sagt sie. „Im Sommer war es unerträglich, im Winter eiskalt. Jetzt habe ich ein richtiges Haus.“

Das nächste Ziel des Projekts ist Malawi, eines der ärmsten Länder der Welt. Auch dort sollen bald die Drucker anrollen.


Quellen:

Dezeen (2021): LafargeHolcim and CDC use 3D printing to build affordable housing in Malawi. URL: https://www.dezeen.com/2021/06/24/lafargeholcim-cdc-3d-printing-affordable-housing-malawi/

ArchDaily (2021): 14Trees and Holcim Use 3D Printing to Build Affordable Housing in Africa. URL: https://www.archdaily.com/963771/14trees-and-holcim-use-3d-printing-to-build-affordable-housing-in-africa

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