Natürliche Fischpässe ermöglichen Lachswanderung in Irland [Irland]

Der Fluss Boyne fließt ruhig durch die grünen Hügel Irlands, vorbei an alten Burgen und Klöstern, bis er bei Drogheda ins Meer mündet. Früher war er einer der besten Lachsflüsse Europas. Dann kamen die Wehre, die Mühlen, die Wasserkraftwerke. Die Lachse konnten nicht mehr aufsteigen, ihre Zahl sank dramatisch. In den letzten Jahren hat Irland begonnen, die Flüsse zu befreien.

Ein Hindernislauf für Fische

Die Wehre im Boyne sind nicht hoch, vielleicht zwei, drei Meter. Für Menschen kein Problem. Für Lachse sind sie unüberwindbar. Die Fische springen, aber sie schaffen es nicht, bleiben hängen, erschöpfen sich, sterben. Nur die wenigsten kommen durch.

Jahrzehntelang wurde das hingenommen. Die Mühlen brauchten das Wasser, die Kraftwerke die Energie. Der Lachs war Nebensache. In den 1990er Jahren waren die Bestände auf ein historisches Tief gesunken. Die Fischer gaben auf, die Tradition starb.

Ein Fischpass entsteht

Die irische Regierung hat 2015 ein Programm gestartet, das die Flüsse wieder durchgängig machen soll. Am Boyne wurde eines der größten Wehre mit einem Fischpass versehen, einer Art Treppe, die die Fische hinaufschwimmen können. Keine teure Technik, sondern einfache Becken, die das Wasser treppenartig abfließen lassen.

Die ersten Lachse ließen nicht lange auf sich warten. Schon im ersten Jahr nach dem Bau wurden Hunderte oberhalb des Wehrs gesichtet. Die Fische, die seit Jahrzehnten vergeblich gesprungen waren, hatten endlich einen Weg.

Ein Angler erzählt

Seamus O’Brien angelt seit fünfzig Jahren am Boyne. Früher, sagt er, habe er an guten Tagen zehn Lachse gefangen. Dann wurden es weniger, dann gar keine. Er gab auf, verkaufte seine Ausrüstung, dachte, die Zeit sei vorbei.

Als der Fischpass gebaut wurde, kaufte er sich neue Rute und Köder. Der erste Lachs, den er nach Jahren wieder fing, war ein kleiner, vielleicht drei Kilo. Aber für ihn war er mehr wert als jeder große Fisch zuvor. „Der Boyne lebt wieder“, sagt er.

Die Wissenschaft zählt

Inland Fisheries Ireland, die irische Fischereibehörde, zählt jedes Jahr die aufsteigenden Lachse. Die Zahlen zeigen einen klaren Trend: Seit dem Bau der Fischpässe hat sich die Zahl der Tiere verdoppelt. Nicht nur am Boyne, auch an anderen Flüssen, wo ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden.

Besonders wichtig sind die Pässe für die genetische Vielfalt. Die Lachse, die früher nur die Unterläufe erreichten, können jetzt wieder in die Nebenflüsse aufsteigen, wo sie laichen und sich vermischen. Die Populationen werden widerstandsfähiger.

Ein Modell für Irland

Irland hat noch viel zu tun. Hunderte Wehre und Dämme versperren immer noch die Flüsse. Aber die Richtung stimmt. Das Programm „Fish Passage“ hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 alle wichtigen Laichgebiete wieder erreichbar zu machen.

Seamus O’Brien sitzt am Ufer des Boyne und schaut auf das Wasser. Ein Lachs springt, glänzt kurz in der Sonne, verschwindet wieder. O’Brien lächelt. „So soll es sein“, sagt er.


Quellen:

Inland Fisheries Ireland (2025): Fischpässe am Boyne – Erfolgskontrolle. Dublin.

O’Brien, S. (2024): Erinnerungen eines Fischers am Boyne. Drogheda.

Irische Regierung (2025): Nationales Programm zur Wiederherstellung der Fischwanderung. Dublin.

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