Nomadische Imkerei folgt Blütezeiten in der Türkei [Türkei]

Die Bienenstöcke stehen auf der Ladefläche eines alten Lastwagens, dicht an dicht, ein Summen, das die Luft vibrieren lässt. Gleich geht es los, weiter nach Norden, wo die Sonnenblumen blühen. Dann nach Osten, in die Berge, wo der Thymian duftet. Die Imker in der Türkei sind Nomaden, folgen den Blüten, lassen ihre Bienen immer das beste Futter finden.

Eine uralte Tradition

Die Wanderimkerei hat in der Türkei eine lange Tradition. Schon die Osmanen trieben ihre Bienenvölker durchs Land, um die verschiedenen Trachten zu nutzen. Der Honig, der dabei entstand, war berühmt, vielfältig, begehrt.

In den letzten Jahrzehnten ist die Tradition zurückgegangen. Viele Imker wurden sesshaft, stellten ihre Völker an einen Ort, fütterten sie im Sommer mit Zuckerwasser. Der Honig wurde einheitlicher, aber auch langweiliger.

Eine Renaissance der Wanderung

In den letzten Jahren erlebt die Wanderimkerei eine Renaissance. Junge Imker entdecken die Vorteile: Die Bienen sind gesünder, weil sie nicht das ganze Jahr auf einer Fläche stehen. Der Honig ist vielfältiger, weil er aus verschiedenen Blüten stammt. Die Preise sind höher, weil die Kunden die Qualität schätzen.

Die türkische Regierung fördert die Wanderimkerei mit Subventionen und Schulungen. Imkervereine organisieren die Wanderungen, tauschen Informationen über Blütezeiten aus, helfen bei der Logistik.

Ein Imker erzählt

Mehmet Yilmaz ist vierzig und wandert seit zehn Jahren mit seinen Bienenvölkern durch die Türkei. Zweihundert Stöcke hat er, die er auf einem alten Laster transportiert. Im Frühjahr geht es an die Mittelmeerküste, wo die Orangen blühen. Dann weiter nach Zentralanatolien, zu den Sonnenblumen. Im Herbst in die Berge, zum Thymian.

Sein Honig, sagt er, schmecke nach jeder Region anders. Der Orangenhonig sei fruchtig, der Sonnenblumenhonig kräftig, der Thymianhonig würzig. Seine Kunden in Istanbul lieben das, zahlen gute Preise. Yilmaz verdient genug, um seine Familie zu ernähren, und hat das Gefühl, etwas Besonderes zu tun.


Quellen:

Türkisches Ministerium für Land- und Forstwirtschaft (2025): Förderprogramm für Wanderimkerei. Ankara. Verfügbar unter: https://www.tarimorman.gov.tr/aricilik

Yilmaz, M. (2024): Zehn Jahre auf der Straße – Erfahrungen eines Wanderimkers. Muğla.

Universität Ankara (2024): Traditionelle und moderne Imkerei in der Türkei. Ankara. Verfügbar unter: https://www.ankara.edu.tr/aricilik

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