Regen auffangen in Zisternen: Tunesiens Bergbauern überleben Dürre [Tunesien]
Die Bauern, die den Himmel anzapfen
Die Dörfer im tunesischen Bergland liegen abgeschieden, weit weg von den großen Städten, weit weg von den Bewässerungsprojekten der Regierung. Wenn der Regen ausbleibt, bleiben die Felder trocken, die Olivenbäume verdorren, die Ziegen finden kein Futter. Doch in einigen Dörfern haben die Bauuen einen alten Trick wiederentdeckt. Sie sammeln den Regen dort, wo er fällt – in Zisternen, die das kostbare Nass für die trockenen Monate bewahren.
Ein Land am Rand der Wasserkrise
Tunesien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Die Klimamodelle sagen eine weitere Verschlechterung voraus: weniger Regen, längere Trockenperioden, häufigere Dürren. Besonders hart trifft es die Bergregionen im Nordwesten, wo die Bauern auf Regenfeldbau angewiesen sind.
Jahrzehntelang setzte die Regierung auf große Lösungen: Staudämme, Kanäle, Bewässerungsprojekte. Die kamen aber nie in den entlegenen Dörfern an. Die Bergbauern waren auf sich gestellt – und erfanden eine uralte Technik neu.
Ein System aus einer anderen Zeit
Die Zisternen, die heute in den Dörfern des Djebel el Ouest gebaut werden, unterscheiden sich kaum von denen, die schon die Römer in Nordafrika anlegten. Ein Loch wird in den Felsen geschlagen, mit Kalkmörtel abgedichtet, mit einem Deckel verschlossen. Ein ausgeklügeltes System von Rinnen und Kanälen leitet das Regenwasser von den umliegenden Hängen in die Zisterne.
Ein einziger kräftiger Regen kann eine Zisterne füllen. Und das Wasser hält sich – wenn sie gut gebaut ist – monatelang, manchmal den ganzen Sommer über. Es reicht zum Tränken der Tiere, zum Bewässern der Gärten, für den Haushalt.
Eine Bäuerin erzählt von der Rettung durch die Zisterne
Fatima Ben Salah lebt im Dorf Kef Errih, hoch oben in den Bergen nahe der algerischen Grenze. Ihr Hof liegt abgeschieden, der nächste Brunnen ist zwei Stunden entfernt. Jeden Tag trieb sie früher ihre Ziegen dorthin, kostbare Zeit, die ihr für die Feldarbeit fehlte.
Dann hörte sie von einem Projekt der deutschen Welthungerhilfe, das den Bau von Zisternen förderte. Sie beantragte Unterstützung, lernte, wie man die Zisterne baut und wartet. Heute steht sie neben ihrem Haus, gefüllt vom letzten Regen. Ihre Ziegen trinken hier, ihre Olivenbäume werden im Sommer bewässert. Sie hat Zeit für andere Dinge, für ihre Kinder, für den Markt.
Mehr als nur Wasser
Die Zisternen haben noch einen anderen Effekt. Sie zwingen die Bauern, das Wasser neu zu denken. Wer weiß, dass der Vorrat begrenzt ist, geht sorgsamer damit um. Die Verschwendung hört auf, jede Pflanze bekommt genau das, was sie braucht.
Die Bauern von Kef Errih haben inzwischen eine Genossenschaft gegründet. Gemeinsam verwalten sie die Zisternen, tauschen Erfahrungen aus, helfen sich beim Bau neuer Anlagen. Die jungen Leute, die schon in die Städte abwandern wollten, sehen plötzlich wieder eine Perspektive.
Ein Modell für den Maghreb
Das tunesische Zisternenprojekt hat international Beachtung gefunden. In Marokko, Algerien und Libyen, wo ähnliche Bedingungen herrschen, gibt es erste Nachahmer. Die Welthungerhilfe und andere Organisationen fördern den Austausch.
Die Botschaft ist einfach: Große Lösungen sind nicht immer die besten. Manchmal hilft es, auf das Wissen der Alten zurückzugreifen. Die Zisternen der tunesischen Bergbauern sind ein Beispiel dafür.
Quellen:
Welthungerhilfe Tunesien (2025): Zisternenprojekt im Djebel el Ouest – Abschlussbericht. Verfügbar unter: https://www.welthungerhilfe.de
Tunesisches Landwirtschaftsministerium (2024): Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Bergregionen. Verfügbar unter: https://www.agriculture.tn
FAO (2024): Traditionelle Wasserbewirtschaftung in Nordafrika. Verfügbar unter: https://www.fao.org
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