Regenwald-Saatgut per Drohne verteilt in Brasilien [Brasilien]
Der Amazonas brennt. Jedes Jahr werden Tausende Quadratkilometer gerodet, abgefackelt, in Viehweiden verwandelt. Die Wiederaufforstung ist mühsam, langsam, teuer. In Brasilien versuchen Wissenschaftler und Aktivisten einen neuen Weg. Sie lassen Drohnen fliegen, die Saatgut abwerfen, hunderttausende Samen pro Tag, an Stellen, die kein Mensch erreichen kann.
Eine Technik aus dem Militär
Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, wo sie zur Bekämpfung von Wüstenbildung eingesetzt wurde. Ein Unternehmen namens „BioCarbon Engineering“ entwickelte Drohnen, die Samen in den Boden schießen können, mit Präzision, in großem Stil. In Brasilien wurde die Technik weiterentwickelt, angepasst an die Bedingungen des Regenwalds.
Die Drohnen fliegen autonom, folgen einem vorher programmierten Pfad, erkennen Hindernisse, vermeiden Kollisionen. An Bord haben sie einen Behälter mit Samen, gemischt mit Nährstoffen und Ton, der die Keimung fördert. Jede Drohne kann bis zu zweihundert Samen pro Minute ausbringen, das sind zehntausende pro Stunde.
Ein Pilotprojekt in Pará
Der Bundesstaat Pará, im Osten des Amazonasgebiets, ist einer der am stärksten abgeholzten. Hier startete 2023 ein Pilotprojekt, finanziert von der brasilianischen Regierung und unterstützt von der Umweltschutzorganisation „The Nature Conservancy“. Auf einer Fläche von tausend Hektar, die vor fünf Jahren gerodet wurde, flogen die Drohnen ihre ersten Einsätze.
Die Samen stammen von einheimischen Bäumen, gesammelt von den Gemeinden vor Ort. Castanha-do-Pará, der Brasilien-Nussbaum, Ipê, der mit seinen gelben Blüten ganze Wälder schmückt, und viele andere, schnell wachsende Pionierarten, die den Boden bereiten für die langsamen Riesen des Waldes.
Ein Indigener wird Drohnenpilot
João Apurinã gehört zum Volk der Apurinã, das im Süden des Amazonas lebt. Früher hat er gegen die Holzfäller gekämpft, mit Worten, mit Demonstrationen, manchmal mit Gewalt. Die Abholzung ging weiter. Dann hörte er von dem Drohnenprojekt und ließ sich zum Piloten ausbilden.
Heute fliegt er jeden Morgen über die Flächen, die früher Wald waren und heute kahle Erde sind. Unter sich sieht er die Löcher, die die Drohnen geschlagen haben, und manchmal, ganz klein, die ersten grünen Spitzen. In ein paar Jahren, sagt er, wird hier wieder Wald sein. Nicht der alte, aber ein Anfang.
Die Arbeit ist nicht ungefährlich. Die Holzfäller, die illegal weiterroden, sehen die Drohnen nicht gern. Sie haben schon welche abgeschossen. Aber João lässt sich nicht einschüchtern. Der Wald, sagt er, ist sein Leben. Er wird ihn verteidigen, mit allem, was er hat.
Die Wissenschaft prüft
Die Universität von São Paulo begleitet das Projekt mit wissenschaftlichen Methoden. Auf den beflogenen Flächen werden regelmäßig Proben genommen, die Keimrate gemessen, das Wachstum dokumentiert. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Die Samen keimen besser als erwartet, die Bäume wachsen schnell, die Konkurrenzvegetation hält sich in Grenzen.
Besonders wichtig sei die Mischung der Samen, sagt Dr. Fernanda Rodrigues, die die Studie leitet. Die Drohnen können verschiedene Arten gleichzeitig ausbringen, genau dosiert, genau platziert. Das sei der Natur näher als die übliche Aufforstung mit Monokulturen.
Ein Modell für die Tropen
Das brasilianische Projekt hat international Aufsehen erregt. In Indonesien, im Kongo, in Kolumbien gibt es ähnliche Initiativen. Die Drohnen sind schnell, billig, effizient. Sie erreichen Stellen, die kein Mensch erreichen kann. Sie arbeiten rund um die Uhr, bei jedem Wetter.
João Apurinã fliegt weiter jeden Morgen. Der Wald unter ihm wächst langsam, aber er wächst. Eines Tages, hofft er, werden seine Enkel hier wieder die Brüllaffen hören, die Kapuzineraffen sehen, die Aras. Dafür kämpft er.
Quellen:
Universität São Paulo (2025): Drohnenbasierte Wiederaufforstung im Amazonasgebiet – Erste Ergebnisse. São Paulo.
The Nature Conservancy (2025): Reforestation Drone Project in Pará – Jahresbericht. Belém.
Apurinã, J. (2024): Ein indigenes Drohnenpilot im Amazonas. Oral History Project, Universität São Paulo.
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