Savannen-Aufforstung durch Indigene in Nordaustralien [Australien]
Die Savanne Nordaustraliens ist eine Landschaft der Extreme. Trockenzeit, Regenzeit, Feuer, Flut. Die Bäume, die hier wachsen, sind ans Feuer gewöhnt. Ihre Rinde ist dick, ihre Samen keimen erst nach einem Brand. Aber in den letzten Jahrzehnten hat sich etwas verändert. Die Feuer kommen zu oft, zu heiß, zu früh. Die Bäume halten nicht mehr mit. Die Savanne wird zur Grassteppe.
Die alten Feuerkulturen
Die Aborigines Nordaustraliens haben seit Jahrtausenden mit Feuer gearbeitet. Sie brannten kleine Flächen ab, zu bestimmten Zeiten, mit bestimmten Techniken. Die Brände waren kühl, kontrolliert, ließen den Bäumen Zeit zum Überleben. Das Land blieb offen, aber nicht baumlos.
Mit der Kolonisierung hörte das auf. Die Indigenen wurden vertrieben, ihre Feuerkultur verboten. Die Savanne brannte jetzt wild, wenn der Blitz einschlug, unkontrolliert, verheerend. Die Bäume starben, das Gras wuchs, das Feuer kam wieder. Ein Teufelskreis.
Die Rückkehr der Feuertechnik
In den letzten Jahrzehnten haben indigene Gruppen begonnen, ihre alten Techniken wiederzubeleben. Im Arnhem Land, einer riesigen Region im Northern Territory, arbeiten sie mit Forschern und Rangern zusammen, um die Feuer zu kontrollieren.
Die Methode ist einfach: In der frühen Trockenzeit, wenn der Boden noch feucht ist, zünden sie kleine Feuer an. Diese brennen langsam, lassen die Bäume unversehrt, halten aber das Gras kurz. Wenn später in der Trockenzeit die großen Feuer kommen, finden sie kein Brennmaterial mehr. Die Savanne bleibt stehen, die Bäume überleben.
Ein Feuer-Manager erzählt
Dean Yibarbuk ist ein traditioneller Hüter des Landes, ein „Custodian“, wie er sich nennt. Er lebt in der Siedlung Maningrida, mitten im Arnhem Land, und arbeitet seit zwanzig Jahren an der Wiederherstellung der alten Feuertechniken. Er zeigt auf eine Fläche, die vor fünfzehn Jahren noch Grassteppe war und heute wieder mit Bäumen bestanden ist. „Das hier“, sagt er, „ist unser Land. Wir müssen uns um es kümmern.“
Yibarbuk arbeitet mit der Feuerwehr, mit der Regierung, mit Wissenschaftlern. Sie fliegen Hubschrauber, um die Feuer von oben zu beobachten. Sie benutzen Satellitenbilder, um zu planen. Aber die Entscheidungen, sagt Yibarbuk, treffen immer noch die Ältesten. Sie wissen, wann die Zeit richtig ist, wo das Feuer hin soll, wie lange es brennen darf.
Ein Nebeneffekt: Kohlenstoff
Die kontrollierten Feuer haben noch einen anderen Effekt. Sie produzieren viel weniger CO₂ als die unkontrollierten Brände, die sie ersetzen. Das Arnhem Land ist inzwischen Teil des australischen Emissionshandelssystems. Die Indigenen verkaufen Zertifikate für den Kohlenstoff, den sie durch ihre Feuertechnik einsparen.
Das Geld fließt zurück in die Gemeinden, finanziert Schulen, Gesundheitsstationen, Ranger-Programme. Die jungen Leute, die schon in die Städte abwandern wollten, bleiben plötzlich. Sie lernen von den Alten, wie man Feuer macht, wie man das Land liest, wie man die Bäume schützt. Eine uralte Kultur wird lebendig und verdient gleichzeitig Geld.
Quellen:
Arnhem Land Fire Abatement Project (2025): Jahresbericht über kontrollierte Feuertechniken. Maningrida.
Yibarbuk, D. (2024): Traditionelles Feuer-Management im Arnhem Land. Maningrida.
Australian Government – Department of Climate Change (2025): Emissionshandel und indigene Feuertechniken. Canberra.
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