Solarkoffer bringt Strom in syrische Flüchtlingslager

Der Winter im Libanon ist kalt. In den inoffiziellen Flüchtlingslagern der Bekaa-Ebene, wo Zehntausende Syrer in provisorischen Zelten aus Plastikplanen und Holzlatten hausen, kriechen die Temperaturen nachts oft unter den Gefrierpunkt. Es gibt keine Heizung, kaum warmes Essen. Und vor allem: keinen Strom.

Doch in einem dieser Lager, nahe der Stadt Bar Elias, leuchtet abends ein Licht. Es kommt aus einem kleinen, blauen Koffer, der in der Ecke eines Zeltes steht. Aufgeklappt zeigt er zwei Solarmodule, eine Batterie und mehrere Anschlüsse. Daran hängen eine Lampe, ein Handy, ein kleiner Radio. Der Koffer gehört Ahmed, einem 45-jährigen Vater von fünf Kindern, der 2013 aus Homs floh.

Energie für die Ärmsten

Die Solarkoffer sind eine Erfindung der deutschen Organisation WakaWaka, die sich auf nachhaltige Energielösungen für Krisengebiete spezialisiert hat. Das Prinzip: Ein robustes Solarmodul, das sich wie ein Laptop aufklappen lässt, speist eine leistungsstarke Batterie. Tagsüber sammelt der Koffer Sonnenenergie, abends gibt er sie ab – genug, um mehrere Stunden Licht zu spenden und Handys aufzuladen (Deutsche Welle 2019).

Für Menschen in Flüchtlingslagern ist das ein Quantensprung. Viele Familien haben keinen Zugang zum Stromnetz. Sie sind auf teure Dieselgeneratoren angewiesen oder kaufen Batterien, die schnell leer sind und Müll produzieren. Kinder können abends nicht lernen, weil es dunkel ist. Handys bleiben tot – und damit der Kontakt zu Verwandten, die vielleicht woanders gestrandet sind.

„Ein Handy ist für uns überlebenswichtig“, sagt Ahmed. „Meine Schwester lebt in Deutschland. Wenn sie mich nicht erreichen kann, macht sie sich Sorgen. Und wenn ich dringend Hilfe brauche, kann ich niemanden anrufen.“

Ein Licht in der Dunkelheit

Die WakaWaka-Koffer werden nicht einfach verteilt. Die Organisation arbeitet mit lokalen Partnern zusammen, die die Familien auswählen und schulen. Jeder Empfänger muss eine kleine Gebühr zahlen – symbolisch, aber wichtig, um das Gefühl der Abhängigkeit zu vermeiden. Und die Koffer sind so konstruiert, dass sie leicht repariert werden können, falls doch mal etwas kaputtgeht.

Inzwischen wurden Tausende Solarkoffer im Libanon, in Jordanien und in der Türkei verteilt (Deutsche Welle 2019). Auch in anderen Krisenregionen sind sie im Einsatz: in Flüchtlingslagern in Bangladesch, in Erdbebengebieten in Nepal, in Dörfern ohne Strom in Kenia.

Eine Mutter im Lager, Um Mahmud, zeigt stolz auf die Lampe, die über ihrem Kochplatz hängt. „Früher haben wir Kerzen benutzt. Die waren teuer und gefährlich. Einmal ist das Zelt fast abgebrannt.“ Sie deutet auf ihren Sohn, der auf einer Matte sitzt und in einem Heft blättert. „Jetzt kann er lernen. Er will später Arzt werden. Vielleicht wird es ja wahr.“


Quellen:

Deutsche Welle (2019): Solarkoffer bringen Licht in Flüchtlingslager. URL: https://www.dw.com/de/solarkoffer-bringen-licht-in-fl%C3%BCchtlingslager/a-49587675

WakaWaka Foundation (2019): Annual Report 2019: Light for Refugees. URL: https://wakawakafoundation.org/annual-reports/

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