Städte schalten Straßenlicht ab: Insektenschutz in den Niederlanden [Niederlande]

Es ist dunkel geworden in Teilen der Niederlande. Nicht überall, aber immer öfter. In vielen Gemeinden wird die Straßenbeleuchtung nachts abgeschaltet, manchmal ganz, manchmal für Stunden. Nicht um Strom zu sparen, obwohl das auch ein Effekt ist. Sondern um die Insekten zu schützen.

Eine Idee aus der Provinz

Die Provinz Noord-Brabant war eine der ersten, die das Experiment wagte. In einigen Dörfern wurden die Lampen zwischen ein und fünf Uhr morgens abgeschaltet. Die Anwohner waren skeptisch, fürchteten mehr Einbrüche, mehr Unfälle. Aber die Polizei beruhigte: Die meisten Einbrüche passieren am Tag, wenn die Leute nicht zu Hause sind. Die Unfallzahlen blieben stabil, weil nachts kaum jemand unterwegs war.

Die Insekten dagegen profitierten. Licht lockt sie an, verwirrt sie, tötet sie. Nachtfalter umkreisen die Lampen, bis sie erschöpft sind. Käfer verenden in den heißen Gehäusen. Mücken finden keine Ruhe. In den dunklen Zonen, so zeigten erste Zählungen, nahm die Insektenzahl zu.

Eine Bewegung entsteht

Die Provinz Noord-Brabant machte Schule. In Utrecht, in Gelderland, in Friesland folgten Gemeinden dem Beispiel. Die nationale Regierung legte 2023 einen Leitfaden vor, der den Kommunen empfiehlt, die Beleuchtung zu reduzieren. Nicht überall, aber dort, wo es möglich sei.

Besonders konsequent ist die Gemeinde Zuidhorn in der Provinz Groningen. Hier wurde die Beleuchtung auf den Landstraßen komplett abgeschaltet, auf den Hauptstraßen dimmt man sie nachts auf dreißig Prozent. Die Bürger wurden vorher befragt, und eine große Mehrheit stimmte zu. Sie wollten die Dunkelheit zurück, sagten viele, den Sternenhimmel, die Stille.

Ein Wissenschaftler erklärt

Dr. Jasper de Groot von der Universität Leiden untersucht die Auswirkungen von Licht auf Insekten. Seine Studien zeigen, dass schon geringe Lichtmengen das Verhalten der Tiere stören. Sie finden keine Partner, keine Nahrung, keine Verstecke. Die Fortpflanzung sinkt, die Populationen schrumpfen.

Die beste Lösung, sagt de Groot, sei die Dunkelheit. Kein Licht, das man ausschalten könne, sei ideal. Aber wenn Licht sein müsse, dann warmweißes, mit geringem Blauanteil, und dann nur so kurz wie möglich. Die Niederlande seien auf einem guten Weg, aber es gebe noch viel zu tun.

Ein Hobby-Astronom freut sich

Jan van den Berg wohnt in Zuidhorn und beobachtet seit fünfzig Jahren den Sternenhimmel. Früher, sagt er, habe er kaum etwas gesehen. Die Lichtglocke von Groningen, der Großstadt zwanzig Kilometer entfernt, habe alles überstrahlt. Seit die Gemeinde die Lampen abgeschaltet hat, ist der Himmel dunkel. Er sieht die Milchstraße wieder, die Planeten, die Sternschnuppen.

Van den Berg hat eine kleine Sternwarte gebaut, in die er manchmal Nachbarn einlädt. Sie staunen, sagen sie, was ihnen die ganze Zeit entgangen ist. Die Dunkelheit, die sie anfangs fürchteten, ist ihr Schatz geworden.


Quellen:

Universität Leiden (2025): Lichtverschmutzung und Insektensterben – Forschungsergebnisse. Leiden.

Niederländisches Umweltministerium (2024): Leitfaden zur Reduzierung der Straßenbeleuchtung. Den Haag.

Gemeinde Zuidhorn (2025): Erfahrungen mit der Abschaltung der Straßenbeleuchtung. Zuidhorn.

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