Trockentoiletten-Kompost düngt Felder in Tansania natürlich [Tansania]
Das Dorf Mwamala liegt im Herzen Tansanias, weit weg von den großen Städten, weit weg von der Kanalisation. Die Menschen hier haben keine Toiletten, wie wir sie kennen. Sie gehen ins Gebüsch, was unhygienisch ist und gefährlich, vor allem für Frauen und Kinder. Eine deutsche Hilfsorganisation hat vor einigen Jahren eine einfache Lösung vorgeschlagen: Trockentoiletten.
Eine einfache Idee
Das Prinzip der Trockentoilette ist uralt. Man sitzt auf einem Loch, der Kot fällt in einen Behälter, wird mit Asche oder Sägemehl bedeckt, riecht nicht, zieht keine Fliegen an. Nach einigen Monaten ist er zu Kompost geworden, geruchlos, hygienisch, voller Nährstoffe.
Die Organisation „Sustainable Sanitation“ brachte die Idee nach Mwamala, baute die ersten Toiletten, schulte die Dorfbewohner. Die Reaktion war gemischt. Viele waren skeptisch, wollten lieber „richtige“ Toiletten mit Wasserspülung. Aber die gibt es nicht, weil es kein Wasser gibt.
Ein Bauer wird zum Pionier
Joseph Magoma war einer der ersten, der sich überzeugen ließ. Er baute eine Trockentoilette neben seinem Haus, erklärte seiner Familie, wie sie zu benutzen war, und wartete. Nach ein paar Monaten war der Behälter voll. Er leerte ihn auf einen Komposthaufen, mischte ihn mit Pflanzenresten und ließ ihn ruhen.
Ein Jahr später brachte er den Kompost auf sein Feld. Die Maispflanzen, sagt er, waren größer und kräftiger als je zuvor. Die Ernte war so gut, dass er einen Teil verkaufen konnte. Seine Nachbarn staunten und wollten wissen, wie er das gemacht hatte.
Eine Bewegung entsteht
Aus Josephs Experiment wurde eine Bewegung. In Mwamala haben heute fast alle Haushalte Trockentoiletten. Die Hygiene hat sich verbessert, die Kinder werden seltener krank, die Felder tragen besser. Die Frauen, die früher Angst hatten, ins Gebüsch zu gehen, fühlen sich sicherer.
Die Organisation hat das Konzept weiterentwickelt. Inzwischen gibt es Trockentoiletten mit Trennung von Urin und Kot, was die Verarbeitung erleichtert. Der Urin wird verdünnt und direkt als Dünger verwendet, der Kot kompostiert. Ein geschlossener Kreislauf, der nichts verschwendet.
Die Wissenschaft bestätigt
Die Universität Dar es Salaam hat das Projekt untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass der Kompost aus Trockentoiletten genauso gut ist wie Kunstdünger, aber ohne dessen Nachteile. Der Boden verbessert sich, die Erträge steigen, das Grundwasser bleibt sauber.
Besonders wichtig sei der Effekt auf die Hygiene, sagt Dr. Grace Mtei, die die Studie leitete. In Dörfern mit Trockentoiletten gebe es deutlich weniger Durchfallerkrankungen. Die Kinder seien gesünder, könnten besser lernen, hätten bessere Chancen im Leben.
Ein Modell für Afrika
Tansania ist nicht das einzige Land, das auf Trockentoiletten setzt. In Kenia, Uganda, Malawi gibt es ähnliche Projekte. Die Afrikanische Union hat das Konzept in ihre Sanitärstrategie aufgenommen. Das Ziel: Bis 2030 soll jeder Haushalt Zugang zu einer sicheren Toilette haben.
Joseph Magoma ist inzwischen zum Experten geworden. Er reist durch die Region, zeigt anderen, wie man Trockentoiletten baut, erklärt die Vorteile, beantwortet Fragen. Seine Felder sind die besten im Dorf, seine Kinder die gesündesten. Er ist stolz darauf.
Quellen:
Universität Dar es Salaam (2025): Trockentoiletten und landwirtschaftliche Produktion in Tansania – Eine Studie. Dar es Salaam.
Sustainable Sanitation (2025): Projekt Mwamala – Jahresbericht. Daressalam.
Magoma, J. (2024): Erfahrungen eines tansanischen Bauern mit Trockentoiletten. Mwamala.
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