Wasserspeichernde Bäume gegen Dürre in Burkina Faso gepflanzt [Burkina Faso]

Die Bäume, die den Regen bewahren

Die Sahelzone trocknet aus. Die Regenzeiten werden kürzer, die Trockenzeiten länger, die Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit. In Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, ist die Dürre zur ständigen Bedrohung geworden. Doch in einigen Dörfern wächst Hoffnung – buchstäblich. Bäume, die Wasser speichern können, werden gepflanzt, tausende Hektar. Sie halten den Regen fest, geben ihn langsam an den Boden ab und machen Landwirtschaft möglich, wo längst Wüste sein sollte.

Ein Land kämpft um seine Existenz

Burkina Faso liegt im Herzen der Sahelzone, jener Übergangsregion zwischen der Sahara im Norden und den feuchteren Savannen im Süden. Die Niederschläge sind unzuverlässig, die Temperaturen steigen, die Böden sind ausgelaugt. Jedes Jahr verlieren die Bauern einen Teil ihrer Ernte, jedes Jahr müssen mehr Menschen ihre Dörfer verlassen.

Die konventionelle Landwirtschaft stößt hier an ihre Grenzen. Bewässerung ist teuer, Kunstdünger oft unerschwinglich. Die Bauern brauchen Lösungen, die ohne teure Technik auskommen. Die Lösung, die sich in den letzten Jahren durchgesetzt hat, heißt Agroforstwirtschaft.

Der Baum, der Wasser atmet

Im Zentrum dieser Bewegung steht der Baobab, der Affenbrotbaum, aber auch Tamarinde, Acacia albida und andere einheimische Arten. Sie haben Eigenschaften, die sie für die Sahelzone prädestinieren. Ihre Wurzeln reichen tief in den Boden, erreichen Grundwasserschichten, die den Kulturpflanzen verschlossen bleiben. Ihr Laub beschattet den Boden, reduziert die Verdunstung. Und sie speichern Wasser in ihren Stämmen, geben es bei Trockenheit langsam wieder ab.

Besonders wichtig ist die Acacia albida, von den Einheimischen „Gao“ genannt. Sie hat die besondere Eigenschaft, in der Trockenzeit Blätter zu tragen, wenn alle anderen Bäume kahl sind. Ihr Laub fällt zu Beginn der Regenzeit ab und düngt den Boden mit Stickstoff. Unter ihren Kronen wachsen Hirse und Sorghum besser als auf freiem Feld.

Ein Dorf, das sich neu erfunden hat

Das Dorf Gourcy im Norden des Landes war vor zwanzig Jahren dem Untergang geweiht. Die Brunnen versiegten, die Ernten verdorrten, die jungen Männer zogen in die Städte oder versuchten, nach Europa zu gelangen. Dann kam eine Organisation namens „Tree Aid“ ins Dorf, brachte Setzlinge und Wissen.

Die Dorfbewohner lernten, dass sie die Bäume nicht als Konkurrenten ihrer Feldfrüchte betrachten mussten, sondern als Verbündete. Sie pflanzten Acacia albida zwischen ihren Hirsefeldern, Tamarinde an den Hängen, Baobabs entlang der Trockentäler. Sie lernten, die Bäume zu beschneiden, damit sie nicht zu viel Schatten warfen, und die Blätter als Viehfutter zu nutzen.

Heute ist Gourcy ein grüner Fleck in der sonst ausgedörrten Landschaft. Die Ernten sind stabil, die Brunnen führen wieder Wasser, viele der jungen Männer sind zurückgekehrt. Einige betreiben kleine Gärtnereien, ziehen Setzlinge für andere Dörfer.

Ein Wissen, das sich ausbreitet

Die Erfolge von Gourcy haben sich herumgesprochen. Inzwischen gibt es in Burkina Faso Dutzende Dörfer, die ähnliche Projekte durchführen. Die Regierung hat die Agroforstwirtschaft in ihre nationale Anpassungsstrategie aufgenommen. Die Weltbank fördert die Ausweitung mit Millionenkrediten.

Die Herausforderungen bleiben gewaltig. Die Bevölkerung wächst, der Druck auf das Land nimmt zu. Die Dürren werden härter, die Regenfälle unberechenbarer. Aber die Bauern in Burkina Faso haben eines gelernt: Die Lösung liegt nicht in teurer Technik, sondern in der Natur selbst. Die Bäume, die das Wasser speichern, sind ihre Versicherung gegen die Dürre.


Quellen:

Tree Aid Burkina Faso (2025): Agroforstwirtschaft in der Sahelzone – Erfahrungen aus Gourcy. Verfügbar unter: https://www.treeaid.org

Weltbank (2024): Klimaresilienz durch Agroforstwirtschaft im Sahel. Verfügbar unter: https://www.worldbank.org

Burkinisches Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (2025): Nationale Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. Verfügbar unter: https://www.environnement.gov.bf

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