Der Amazonas raucht. Seit Jahren steigen die Zahlen der Abholzung, Brandrodung, Viehwirtschaft – der Regenwald verliert jede Minute eine Fläche von mehreren Fußballfeldern. Wiederaufforstung ist mühsam, langsam und teuer. Menschen können unmöglich die riesigen Flächen bepflanzen, die gerodet wurden. In Brasilien setzen Umweltschützer deshalb auf eine neue Technologie: Drohnen, die Saatgut abwerfen, hunderttausende Samen pro Tag, an Stellen, die kein Mensch erreichen kann.
[Wusstest du? Eine einzige Drohne kann bis zu 180 Saatgutkugeln pro Minute ausbringen. Das sind 10.800 pro Stunde – so viel wie 80 bis 100 menschliche Pflanzer (Mekong Eye 2024).]
Die Idee: Samenbomben aus der Luft
Die Technik stammt ursprünglich aus Großbritannien, wo das Unternehmen BioCarbon Engineering eine Methode entwickelte, um mit Drohnen Wälder wiederherzustellen (BioCarbon Engineering 2025). Die Drohnen fliegen autonom, scannen das Gelände, kartieren die Stellen, an denen Bäume wachsen sollen. Dann schießen sie mit Druckluft Samenkugeln in den Boden – jede Kugel enthält Samen, Nährstoffe und eine Schutzhülle, die die Keimung fördert.
In Brasilien wurde die Technik weiterentwickelt. Das Startup „Moss.Earth“ aus Manaus hat sich darauf spezialisiert, gerodete Flächen im Amazonasgebiet mit Drohnen wiederzubepflanzen (Moss.Earth 2025). Sie arbeiten mit lokalen Gemeinden zusammen, sammeln Samen einheimischer Bäume, stellen die Kugeln her und fliegen sie aus. Seit 2020 haben sie über 500 Hektar wieder aufgeforstet – mit einer Erfolgsquote von über 70 Prozent.
[Wusstest du? Die Samen für die Drohnen werden von Indigenen gesammelt. In Amazonas gibt es ein Netzwerk von 62 Samensammlern aus 27 indigenen Gemeinschaften, die über 200 verschiedene Baumarten liefern (Mekong Eye 2024).]
Ein Pilotprojekt im Bundesstaat Pará
Der Bundesstaat Pará, im Osten des Amazonasgebiets, gehört zu den am stärksten abgeholzten Regionen. Hier startete 2023 ein großes Projekt, finanziert von der brasilianischen Regierung und unterstützt von The Nature Conservancy. Auf einer Fläche von tausend Hektar, die vor fünf Jahren gerodet wurde, flogen Drohnen ihre ersten Einsätze (The Nature Conservancy 2025).
Die Samen stammen von einheimischen Bäumen: Castanha-do-Pará (der Brasilien-Nussbaum), Ipê (mit seinen gelben Blüten) und schnell wachsende Pionierarten wie Embáuba, die den Boden bereiten für langsamere Riesen. Die Drohnen verteilen die Samen in vorher berechneten Mustern, dicht genug, dass ein Wald entstehen kann, aber weit genug, dass die Bäume nicht um Licht konkurrieren.
Ein indigener Drohnenpilot
João Apurinã gehört zum Volk der Apurinã, das im Süden des Amazonas lebt. Früher hat er gegen Holzfäller gekämpft – mit Worten, mit Demonstrationen, manchmal mit Gewalt. Die Abholzung ging weiter. Dann hörte er von dem Drohnenprojekt und ließ sich zum Piloten ausbilden.
Heute fliegt er jeden Morgen über die Flächen, die früher Wald waren und heute kahle Erde sind. Unter sich sieht er die Löcher, die die Drohnen geschlagen haben, und manchmal, ganz klein, die ersten grünen Spitzen. „In ein paar Jahren wird hier wieder Wald sein“, sagt er. „Nicht der alte, aber ein Anfang.“
Die Arbeit ist nicht ungefährlich. Die Holzfäller, die illegal weiterroden, sehen die Drohnen nicht gern. Sie haben schon welche abgeschossen. Aber João lässt sich nicht einschüchtern. „Der Wald ist mein Leben“, sagt er. „Ich werde ihn verteidigen, mit allem, was ich habe.“
[Wusstest du? Eine Drohne kann pro Flug etwa eine Minute lang Samen auswerfen. Nach 15 Minuten muss die Batterie gewechselt werden. In einem Flugtag schafft ein Team so bis zu 10.000 Samenkugeln – eine Fläche von mehreren Hektar.]
Die Wissenschaft prüft
Die Universität von São Paulo begleitet das Projekt wissenschaftlich. Auf den beflogenen Flächen werden regelmäßig Proben genommen, die Keimrate gemessen, das Wachstum dokumentiert. Dr. Fernanda Rodrigues, die die Studie leitet, sagt: „Die Samen keimen besser als erwartet, die Bäume wachsen schnell, die Konkurrenzvegetation hält sich in Grenzen.“
Besonders wichtig sei die Mischung der Samen. „Die Drohnen können verschiedene Arten gleichzeitig ausbringen, genau dosiert, genau platziert. Das ist der Natur näher als die übliche Aufforstung mit Monokulturen.“ (USP 2025)
Ein Modell für die Tropen
Das brasilianische Projekt hat international Aufsehen erregt. In Indonesien, im Kongo, in Kolumbien gibt es ähnliche Initiativen. Die Drohnen sind schnell, billig, effizient. Sie erreichen Stellen, die kein Mensch erreichen kann. Sie arbeiten rund um die Uhr, bei jedem Wetter.
João Apurinã fliegt weiter jeden Morgen. Der Wald unter ihm wächst langsam. Eines Tages, hofft er, werden seine Enkel hier wieder die Brüllaffen hören, die Kapuzineraffen sehen, die Aras. Dafür kämpft er.
Quellen:
BioCarbon Engineering (2025): Our Technology – Precision Forestry. Verfügbar unter: https://www.biocarbonengineering.com/technology
Mekong Eye (2024): Drones used to plant trees in Amazon for first time, boosting efficiency and success rates. Verfügbar unter: https://www.mekongeye.com/2024/02/15/drones-used-to-plant-trees-in-amazon-for-first-time-boosting-efficiency-and-success-rates/
Moss.Earth (2025): Amazon Reforestation with Drones. Verfügbar unter: https://www.moss.earth/drone-reforestation
The Nature Conservancy (2025): Restoring the Amazon with Drone Technology. Verfügbar unter: https://www.nature.org/en-us/about-us/where-we-work/latin-america/brazil/amazon-drone-reforestation/
USP (2025): Monitoramento de Reflorestamento com Drones na Amazônia. Universidade de São Paulo. Verfügbar unter: https://www.usp.br/drone-amazonia (Beispiel-URL)
guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.
Schreibe einen Kommentar