Berggorillas durch Gemeindepartnerschaften in Ruanda geschützt [Ruanda]

Die Sonne geht über den Virunga-Vulkanen auf, taucht die bewaldeten Hänge in goldenes Licht. Tief im Nebel, auf über 3000 Metern, kauert eine Familie Berggorillas im dichten Bambus – das Silberrücken-Männchen wachsam, die Weibchen mit ihren Jungen spielend. Dass es diese Szene heute noch gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Vor dreißig Jahren standen die Berggorillas kurz vor der Ausrottung. Heute sind sie die einzige Menschenaffenart, deren Bestand wächst (AllAfrica 2025).

[Wusstest du? Berggorillas teilen etwa 98,3 Prozent ihrer DNA mit dem Menschen – und sind damit nach Schimpansen und Bonobos unsere nächsten Verwandten. Diese Nähe macht sie anfällig für viele menschliche Krankheiten, von einfachen Erkältungen bis zu Ebola.]

Ein Meilenstein der Zusammenarbeit

1991, als der International Gorilla Conservation Programme (IGCP) gegründet wurde, sah die Zukunft der Berggorillas düster aus. Wilderung, Lebensraumverlust und Bürgerkriege in der Region hatten die Population auf wenige hundert Tiere dezimiert (IGCP 2019). Drei Organisationen – African Wildlife Foundation, Fauna & Flora International und WWF – schlossen sich zusammen, um das zu ändern. Ihr Ziel: nicht nur die Gorillas zu schützen, sondern die Menschen in der Region mitzunehmen.

Das Besondere an IGCP war von Anfang an der Ansatz. Die Organisation arbeitete nicht gegen, sondern mit den lokalen Gemeinden. Sie verstand, dass kein Schutzgebiet auf Dauer bestehen kann, wenn die Menschen an seinen Rändern in Armut leben.

Dörfer werden zu Partnern

Heute arbeiten die Ranger der Volcanoes National Park in Ruanda eng mit den umliegenden Dörfern zusammen. Ein Teil der Tourismuseinnahmen fließt direkt in Gemeindeprojekte: Schulen werden gebaut, Gesundheitsstationen eingerichtet, Wege angelegt (AllAfrica 2025). In Ruanda werden zehn Prozent der Einnahmen aus Gorilla-Permits an die Gemeinden weitergegeben – eine Summe, die sich in den letzten zwanzig Jahren auf über 1,5 Millionen Dollar summiert hat (AllAfrica 2025).

In Uganda teilt die Uganda Wildlife Authority sogar zwanzig Prozent der Parkeinnahmen mit den Anrainergemeinden. Davon profitieren Dörfer rund um den Bwindi Impenetrable National Park und den Mgahinga Gorilla National Park (AllAfrica 2025). Die Botschaft ist klar: Wer die Gorillas schützt, profitiert direkt davon.

[Wusstest du? 2004 wurden im Volcanoes National Park Zwillingsgorillas geboren – ein äußerst seltenes Ereignis. Bei der jährlichen Namensgebungszeremonie erhielten sie die Namen „Byishimo“ (Freude) und „Impano“ (Geschenk). Beide überlebten, was unter wildlebenden Gorillas fast nie vorkommt (IGCP History o.D.).]

Konflikte entschärfen

Die Nähe von Menschen und Gorillas birgt Konflikte. Immer wieder verlassen Gorillas den Schutz der Nationalparks, verwüsten Felder, fressen Bananen und Mais. Früher endeten solche Begegnungen oft tödlich – für die Tiere. Heute gibt es speziell ausgebildete „Human Gorilla Conflict Resolution Teams“ (HUGO), die die Bewegungen der Tiere überwachen, Dörfer warnen und die Gorillas zurück ins Schutzgebiet begleiten (AllAfrica 2025).

In Bwindi wurde ein 12 Kilometer langer und 350 Meter breiter Pufferstreifen geschaffen, der als Ausgleichsfläche dient – Land, das den Gorillas gehört und von ihnen genutzt werden kann, ohne dass es zu Konflikten kommt (AllAfrica 2025). Die Idee kam von den Gemeinden selbst, umgesetzt wurde sie mit Unterstützung von IGCP und Uganda Wildlife Authority.

Alternativen zur Wilderei

Früher waren viele Familien auf die Ressourcen des Waldes angewiesen – Holz, Wildfleisch, Honig. Heute bietet IGCP Alternativen. Imker werden ausgebildet, ihre Bienenstöcke stehen an den Rändern der Schutzgebiete, der Honig wird an Touristen verkauft. Handwerkskooperativen produzieren Körbe und Kunsthandwerk, das in den Lodges der Region vertrieben wird (AllAfrica 2025).

Die Nkuringo Women Artisan Group in Uganda ist eines der Erfolgsbeispiele. Die Frauen, deren Männer früher oft wilderten, verkaufen heute geflochtene Körbe an Besucher. Ihr Einkommen ist gestiegen, die Abhängigkeit vom Wald gesunken, die Akzeptanz der Gorillas gewachsen (AllAfrica 2025).

Ein Siegel für gorillafreundliche Produkte

2015 startete IGCP gemeinsam mit dem Wildlife Friendly Enterprise Network die „Gorilla Friendly™“-Initiative (AllAfrica 2025). Ein Siegel, das Produkte auszeichnet, die unter Bedingungen hergestellt werden, die den Gorillas nicht schaden – und idealerweise sogar nützen. Zwölf Gemeindeprojekte in Ruanda und Uganda sind inzwischen zertifiziert, ihre Produkte werden in den Lodges und darüber hinaus verkauft.

Alice Mbayahi, Kommunikationsexpertin bei IGCP, beobachtet einen tiefgreifenden Wandel: „Wir sehen ein unglaubliches Umdenken. Wenn wir weiterhin verantwortungsvollen Tourismus fördern und die Besucherregeln durchsetzen, ist die Zukunft der Gorillas gesichert“ (AllAfrica 2025).

Ein Erfolg, der sich sehen lässt

2025 leben etwa 1063 Berggorillas in den Wäldern der Virunga-Vulkane und im Bwindi-Nationalpark – verteilt auf Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo (AllAfrica 2025). Vor vierzig Jahren waren es weniger als 300. Derzeit läuft der nächste Zensus, der zeigen wird, ob der Aufwärtstrend anhält.

Die Geschichte der Berggorillas ist eine der großen Erfolgsgeschichten des Artenschutzes. Sie zeigt, dass es möglich ist, seltene Arten zu retten – wenn man die Menschen mitnimmt, die mit ihnen leben.


Quellen:

AllAfrica (2025): Rwanda: IGCP At 30+ – Three Decades of Saving Gorillas, Supporting Communities, and Protecting Forests. Verfügbar unter: https://allafrica.com/stories/202509240040.html

IGCP (2019): About Us – International Gorilla Conservation Programme. Verfügbar unter: https://igcp.org/about-us/

IGCP History (o.D.): History of the International Gorilla Conservation Programme. Webarchiv. Verfügbar unter: https://webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca/web/20160817115029/http://igcp.org/about/history/

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