Elefanten-Schutz durch KI-Überwachung in Botswana [Botswana]
Die Savanne erstreckt sich endlos unter dem Flügel des Kleinflugzeugs. Unten, zwischen Akazien und trockenen Flussbetten, ziehen sie ihre Bahnen: Elefanten, Dutzende, manchmal Hunderte. Das Okavango-Delta ist ihre Festung – 250.000 Elefanten leben hier, mehr als die Hälfte aller verbliebenen Savannenelefanten Afrikas (WWF 2022). Doch die Festung hat Risse. Immer häufiger dringen die Tiere in Dörfer ein, zertrampeln Felder, zerstören Häuser. Und immer öfter enden diese Begegnungen tödlich – für Mensch und Tier.
[Wusstest du? Über 250.000 Elefanten leben im grenzüberschreitenden Kavango-Zambezi-Schutzgebiet (KAZA) – mehr Elefanten als in jedem anderen Gebiet Afrikas. Das Schutzgebiet ist so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen.]*
Zwei Millionen Menschen, 250.000 Elefanten
Das KAZA-Gebiet erstreckt sich über 520.000 Quadratkilometer, verteilt auf fünf Länder: Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe (ActuIA 2022). Es wurde geschaffen, um Wildtieren Raum zu geben – und das ist gelungen. Fast die Hälfte aller afrikanischen Savannenelefanten lebt heute hier. Aber in weniger als einem Viertel dieser Fläche leben auch zwei Millionen Menschen (Africanews 2022).
Die Konflikte sind vorprogrammiert. Elefanten brauchen bis zu 200 Liter Wasser und 150 Kilogramm Futter pro Tag. Wenn die Trockenzeit kommt, ziehen sie auf der Suche nach Nahrung alte Wanderrouten entlang – Routen, die heute von Feldern, Dörfern und Straßen durchschnitten werden. Sie verwüsten Ernten, zerstören Vorratslager, manchmal greifen sie Menschen an. Klimawandel und Dürre verschärfen die Lage (ActuIA 2022).
[Wusstest du? Elefanten weichen selten von ihren angestammten Wanderrouten ab. Manche dieser Pfade sind Jahrhunderte alt und werden von Generation zu Generation weitergegeben – ein kulturelles Gedächtnis der Tiere.]
Ein 3-Millionen-Dollar-Plan mit KI
Die Lösung könnte aus der Luft kommen. Das KAZA-Sekretariat startete 2022 ein ehrgeiziges Projekt: eine grossangelegte Luftbild-Zählung mit KI-gestützten Kameras, um erstmals präzise Daten über die Elefantenbestände, ihre Wanderkorridore und die menschlichen Siedlungen zu erhalten (Africanews 2022). 3 Millionen Dollar stehen dafür bereit.
Die Kameras sind unter den Flugzeugen montiert, ihre Auflösung ist so hoch, dass sie nicht nur Elefanten, sondern auch Tiere bis zur Grösse eines Warzenschweins erkennen können (ActuIA 2022). Die Bilder werden von einer KI ausgewertet – schneller, genauer und konsistenter, als es Menschen je könnten.
Howard Frederick, der beteiligte Ökologe, erklärt: „Wir hoffen, mit neuer Technologie das menschliche Auge ersetzen zu können. So werden wir konsistenter und können die Trainingszeit für die Auswertung drastisch reduzieren“ (Africanews 2022). Die Daten sollen zeigen, wo Elefanten sind, wo Menschen sind – und wo Korridore geschaffen werden müssen, damit sie sich ausweichen können.
Der Mann vom WWF
Dr. Russell Taylor, Conservation Advisor des WWF, begleitet das Projekt seit Beginn. Seine Hoffnung: „Die Studie wird erstmals verlässliche Zahlen liefern – nicht nur wie viele Elefanten wir haben, sondern vor allem, wo sie sich aufhalten. Dieses Verteilungsmuster zeigt uns, wo sie in Konflikt mit Menschen geraten und wo wir Korridore schaffen können“ (Africanews 2022).
Die Vision: Elefanten aus dem überfüllten Chobe-Nationalpark in Botswana sollen in den Kafue-Nationalpark in Sambia oder den Luiana-Nationalpark in Angola umgesiedelt werden, wo es deutlich weniger gibt (ActuIA 2022). Die KI-Daten liefern die Grundlage – wo können sie sicher wandern, ohne Menschen zu gefährden?
Was die Technik kann
Parallel zu den Luftbildaufnahmen arbeitet in Botswana noch ein zweites, hochmodernes System: EarthRanger, entwickelt vom Allen Institute for AI, finanziert vom Nachlass von Microsoft-Mitgründer Paul Allen (GEF 2022). Das System sammelt Daten aus Hunderten Quellen – GPS-Halsbänder an Elefanten, Fahrzeugtracker, Wildkameras, akustische Sensoren, sogar Hinweise von Rangern – und bündelt sie auf einer einzigen Karte (Moneyweb 2022).
In Kenia hat EarthRanger bereits gezeigt, was es kann. Im Amboseli-Ökosystem wurden zwischen 2013 und 2016 vierzig Menschen von Elefanten getötet, es gab 1.700 Überfälle auf Felder. 24 Elefanten wurden von Kriegern getötet – Racheakte, Vergeltung. Mit EarthRanger konnten die Wanderkorridore so kartiert werden, dass Mensch und Tier sich ausweichen konnten. Die Konflikte gingen dramatisch zurück (GEF 2022).
Technik aus den Niederlanden
Auch die Niederländer mischen mit. Die Organisation Smart Parks installierte 2021 im Central Tuli Game Reserve ein hochmodernes LoRaWAN-Netzwerk – ein Funknetz, das mit minimalem Stromverbrauch riesige Distanzen überbrücken kann (Smart Parks 2021). Fünf Sendemasten, Dutzende Sensoren an Zäunen, Fahrzeugen und bald auch an Elefanten. Das System meldet, wenn ein Zaun durchbrochen wird, wenn sich ein Tier nähert, wenn ein Fahrzeug unbefugt ins Gebiet fährt.
Albert Hartog, Investor und Philanthrop, finanzierte das Projekt. Sein Ziel: „Wir wollen verschwundene Arten wieder ansiedeln – vor allem das Breitmaul- und Spitzmaulnashorn. Aber das geht nur, wenn der Schutz gegen Wilderei stimmt. Jetzt ist das der Fall“ (Smart Parks 2021).
Was die Daten bewirken
Alle diese Systeme haben ein gemeinsames Ziel: Sie sollen die Informationen liefern, die Ranger brauchen, um schnell und gezielt zu handeln. Statt tagelang Patrouille zu laufen, oft vergeblich, sitzen sie in Einsatzzentralen mit grossen Bildschirmen, sehen in Echtzeit, wo ein Elefant sich einem Dorf nähert, wo ein Wilderer unterwegs ist.
Für Botswana, das Land mit den meisten Elefanten Afrikas, ist das überlebenswichtig. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen. Wenn die Elefanten verschwinden, verschwinden auch die Touristen. Und wenn die Konflikte eskalieren, leidet die Bevölkerung. Die KI-Überwachung ist ein Versuch, beides zu schützen: die Tiere und die Menschen.
Quellen:
Africanews (2022): Botswana : l’intelligence artificielle pour protéger les éléphants. Verfügbar unter: https://fr.africanews.com/2022/07/22/botswana-lintelligence-artificielle-pour-proteger-les-elephants/
ActuIA (2022): Botswana: artificial intelligence to mitigate human-elephant conflict. Verfügbar unter: https://www.actuia.com/en/news/botswana-artificial-intelligence-to-mitigate-human-elephant-conflict/
GEF (2022): High-tech help for park rangers in Africa. Global Environment Facility. Verfügbar unter: https://www.thegef.org/newsroom/feature-stories/high-tech-help-park-rangers-africa
Moneyweb (2022): Africa’s national parks deploy tracking technology to combat poaching, habitat loss. Verfügbar unter: https://www.moneyweb.co.za/news/africa/africas-national-parks-deploy-tracking-technology-to-combat-poaching-habitat-loss/
Smart Parks (2021): Central Tuli Game Reserve becomes first Smart Parks in Botswana. Verfügbar unter: https://www.smartparks.org/news/central-tuli-game-reserve-becomes-first-smart-parks-in-botswana/
guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.
