Feuchtgebiete in Uganda werden als Kläranlage genutzt.

Feuchtgebiete als natürliche Kläranlagen in Uganda [Uganda]

Der Lubigi-Sumpf liegt am westlichen Rand von Kampala, eingeklemmt zwischen wachsenden Slums, improvisierten Gärten und der unaufhaltsamen Ausdehnung der Stadt. Hier, wo die Stadt ihr Abwasser nicht mehr bewältigt, übernimmt die Natur die Arbeit. Täglich fließen hunderttausende Liter durch das Feuchtgebiet – unbehandeltes Regenwasser, Abwässer aus Haushalten, Reste von Kläranlagen. Und täglich wird dieses Wasser ein Stück sauberer, einfach indem es durch Schilf und Papyrus fließt. Seit Jahrzehnten reinigt der Lubigi-Sumpf das Wasser von Kampala – kostenlos, wartungsfrei, aber nicht unbegrenzt.

*[Wusstest du? Das Lubigi-Feuchtgebiet bedeckt etwa 400 Hektar – das ist fast so groß wie 500 Fußballfelder. Täglich fließen rund 220.000 Kubikmeter Wasser durch den Sumpf, genug um 80 olympische Schwimmbecken zu füllen.]*

Ein Klärwerk aus Papyrus

Das Lubigi-Feuchtgebiet ist eines der letzten großen urbanen Feuchtgebiete Kampalas. Es wird hauptsächlich von Oberflächenwasser gespeist und ist ganzjährig überflutet. Zwei Regenzeiten, von März bis Juni und September bis November, prägen seinen Rhythmus . 2014 wurde ein Teil des Sumpfes trockengelegt, um eine Kläranlage zu bauen – eine ironische Wendung, denn die Anlage reinigt weniger Wasser als der Sumpf selbst. Nur zwei Prozent der Einwohner Kampalas sind an die Kanalisation angeschlossen, der Rest nutzt Klärgruben und Latrinen .

Die Nsooba-Hauptleitung wurde gebaut, um Überflutungen zu verhindern. Sie sammelt unbehandeltes Regenwasser und Abwässer aus den dicht besiedelten Slums und leitet sie direkt in den Sumpf – etwa 220.000 Kubikmeter täglich . Die Kläranlage selbst verarbeitet zusätzlich 5400 Kubikmeter pro Tag, weit über ihrer Kapazität von 4000 . Was die Anlage nicht schafft, übernimmt der Sumpf.

Was der Sumpf wirklich leistet

Eine aktuelle Studie der BOKU-Universität Wien und ugandischer Partner hat 15 Monate lang an sechs Stellen im Sumpf Wasserproben genommen . Die Ergebnisse zeigen, was der Sumpf kann – und wo er überfordert ist. Das Feuchtgebiet entfernte Ammonium, Phosphat und Nährstoffe mit beachtlichen Raten: 50 bis 60 Prozent des Orthophosphats wurden herausgefiltert, 20 bis 40 Prozent des Ammonium-Stickstoffs .

Doch nicht alles wird sauberer. Erstaunlicherweise gab der Sumpf während der Passage sogar zusätzliche Nitrate und Nitrite ab – wahrscheinlich durch die Zersetzung von organischem Stickstoff und landwirtschaftliche Einträge . Die Forscher fanden auch deutliche Unterschiede zwischen den Vegetationszonen. Papyrus, das dominierende Schilf, zeigte höhere Reinigungsleistungen als andere Pflanzen .

[Wusstest du? Ein Quadratmeter Papyrus kann in einem Jahr so viel Stickstoff aufnehmen wie eine erwachsene Person in zwei Monaten ausatmet. Das ist der Grund, warum diese Pflanzen so effektiv Abwasser reinigen.]

Grenzen der Natur

Die Studie macht aber auch eine Warnung deutlich: „Das Konzept naturbasierter Lösungen ist unwirksam, wenn die Feuchtgebietssysteme überlastet werden“ . Die Kläranlage arbeitet längst über Kapazität, und das ungeklärte Abwasser aus den Slums überfordert den Sumpf. Der Lubigi-Sumpf reinigt noch, aber er stößt an seine Grenzen.

Eine ältere Untersuchung des Nakivubo-Sumpfes, eines weiteren Feuchtgebiets in Kampala, zeigte ähnliche Muster . Dort wurden über 30 Jahre lang teilweise gereinigte Abwässer eingeleitet. Die Reinigungsleistung variierte stark zwischen Papyrus- und Miscanthidium-Zonen. In Papyrus-Gebieten wurden 67 Prozent des Stickstoffs und fast alle Fäkalbakterien entfernt, in Miscanthidium-Zonen nur 55 bzw. 89 Prozent . Die Forscher empfahlen, die Abwässer besser zu verteilen und ein ergänzendes Puffersystem zu schaffen – Maßnahmen, die nie umgesetzt wurden.

Ein Studentenprojekt aus Deutschland

Während der Lubigi-Sumpf ums Überleben kämpft, entstehen anderswo neue, kleine Kläranlagen nach dem gleichen Prinzip. Vier Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg reisten im Sommer 2024 nach Uganda, um eine Pflanzenkläranlage für eine Schule in Masaka zu bauen . Unter dem Motto „Jeder Tropfen zählt“ planten und realisierten sie ein System aus drei terrassenförmigen Becken, bepflanzt mit einheimischem Papyrus .

Vanessa Janoschke, eine der Studentinnen, erklärt: „Diese Pflanzen sind ein sicherer Erfolg“ . Denn die eigentliche Arbeit erledigen Mikroorganismen, die in den Wurzeln der Papyrus leben. Die Herausforderungen waren weniger technischer als kultureller Natur: „Besonders spannend, interessant und manchmal herausfordernd waren die kulturellen und kommunikativen Unterschiede sowie das andere Zeitverständnis“, berichtet Julia-Maria Hofer .

Ein Modell für die Tropen

Die Regensburger Studenten bauten auf einer langen Forschungstradition auf. Schon in den 1990er Jahren zeigten Studien, dass Pflanzenkläranlagen mit einheimischen Arten wie Papyrus und Phragmites hervorragende Reinigungsleistungen erbringen . In Papyrus-Systemen wurden bis zu 86 Prozent der organischen Belastung entfernt, in Miscanthidium-Systemen immerhin 61 Prozent .

Heute finanziert sich das Regensburger Projekt durch Spenden und den DAAD-Förderprogramm PROMOS . Der Regensburger Förderverein für Musik und Kultur e.V. unterstützt den Schulbau in Masaka langfristig. Für Prof. Andreas Ottl, der die Initiative 2021 startete, war die Pflanzenkläranlage bereits das vierte Projekt in Uganda. Mit seiner Rente 2025 endet seine direkte Beteiligung, aber die Arbeit geht weiter .

Die unsichtbare Reinigungskraft

Der Lubigi-Sumpf in Kampala reinigt noch immer das Wasser der Stadt, aber er ächzt unter der Last. Die Forscher der BOKU-Studie fassen zusammen: „Die unzureichende Kapazität der Kläranlage und die Einleitung von unbehandeltem Abwasser in das Feuchtgebiet beeinträchtigen die Selbstreinigungskapazität des Lubigi-Feuchtgebiets erheblich“ . Was in Masaka im Kleinen funktioniert – eine durchdachte, nicht überlastete Pflanzenkläranlage – ist in Kampala im Großen gefährdet.

Die Natur kann Abwasser reinigen, aber sie hat Grenzen. Der Lubigi-Sumpf zeigt, was passiert, wenn diese Grenzen überschritten werden. Die Studenten aus Regensburg zeigen, wie es besser gehen kann. Beide Geschichten handeln von Papyrus, von Mikroorganismen und von der erstaunlichen Fähigkeit der Natur, unsere Hinterlassenschaften in sauberes Wasser zu verwandeln.


Quellen:

Byekwaso, F., Weigelhofer, G., Kaggwa, R., Kansiime, F., Langergraber, G. & Hein, T. (2025): Tropical Wetlands as Nature-Based Solutions to Remove Nutrient and Organic Inputs from Stormwater Discharge and Wastewater Effluent in Urban Environments. Water, 17(12), 1821. Verfügbar unter: https://www.mdpi.com/2073-4441/17/12/1821

OTH Regensburg (2024): Clean water: OTH students build constructed wetland in Uganda. Verfügbar unter: https://www.oth-regensburg.de/en/news/detail/sauberes-wasser-oth-studierende-bauen-pflanzenklaeranlage-in-uganda

Kansiime, F. & Nalubega, M. (1999): Wastewater treatment by a natural wetland: the Nakivubo swamp, Uganda: processes and implications. Balkema, Rotterdam. Verfügbar unter: https://research.wur.nl/en/publications/wastewater-treatment-by-a-natural-wetland-the-nakivubo-swamp-ugan/

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