Frauen in Ruanda bauen Solaranlagen [Ruanda]

Die Sonne brennt auf die Hügel von Ngoma, einer ländlichen Region im Osten Ruandas. Goretti Uwitije steht auf ihrem Feld, umgeben von Tomatenpflanzen, die ihr bis zur Hüfte reichen. Vor zwei Jahren sah das noch anders aus. Dürreperioden hatten die Ernten vernichtet, die Familie hungerte, die Perspektive schwand. Heute ist Goretti Vorsitzende einer Frauenkooperative, die mit Solarenergie ihre Felder bewässert – und das Leben von 20 Frauen und ihren Familien grundlegend verändert hat (IFAD 2025).

[Wusstest du? In Ruanda sind über 70 Prozent der Frauen in der Landwirtschaft tätig, aber nur wenige haben Zugang zu moderner Technologie. Solarenergie schließt diese Lücke – und macht sie unabhängiger von den unberechenbaren Regenfällen.]

Vom Hunger zur Ernteüberschuss

Goretti erinnert sich noch genau an die Zeit vor dem Projekt. „Bevor wir das solarbetriebene Bewässerungssystem bauten, hatte meine Kooperative Verluste durch das Benzinsystem“, erzählt sie. „Wir gaben monatlich über 200.000 Ruanda-Franc (etwa 184 Dollar) für Treibstoff aus. Das Gemüse, das wir anbauten, deckte nicht einmal die Betriebskosten“ (IFAD 2025).

Das änderte sich mit dem „Gemeinsamen Programm zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Stärkung von Frauen in ländlichen Gebieten“, einer Initiative des International Fund for Agricultural Development (IFAD). In Zusammenarbeit mit lokalen Gemeindeführern verteilte das Programm Solarmodule und Pumpen an 20 Frauenkooperativen in Ngoma. Die Frauen wurden geschult, die Anlagen zu bedienen und zu warten (IFAD 2025).

Die Ergebnisse sind beeindruckend: „Jetzt bin ich glücklich, weil die Gewinne unserer Kooperative von weniger als 200.000 auf über 2 Millionen Ruanda-Franc (etwa 1.848 Dollar) pro Saison gestiegen sind“, sagt Goretti. „Das verdanken wir dem Verkauf von Obst und Gemüse, das wir auf den mit Solarenergie bewässerten Feldern ernten“ (IFAD 2025). Der Ertrag ihrer Felder hat sich mehr als vervierfacht – von durchschnittlich 3 Tonnen Tomaten und 1 Tonne Paprika pro Hektar auf 13 beziehungsweise 15 Tonnen (IFAD 2025).

[Wusstest du? Solare Bewässerung spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Frauen müssen nicht mehr stundenlang Wasser schleppen oder teuren Treibstoff für Pumpen kaufen – die Sonne arbeitet kostenlos für sie.]

Eine Unternehmerin ebnet den Weg

Während Goretti die Solarenergie nutzt, hat Francine Munyaneza ein ganzes Unternehmen darauf aufgebaut. 2013 gründete sie MUNYAX ECO, ein zu 100 Prozent von Frauen geführtes und besessenes Unternehmen, das Solarlösungen in Ruanda vertreibt (GET.invest 2023). Ihr Ziel: Energiezugang mit der Förderung von Frauen zu verbinden.

Die Firma begann mit solaren Warmwasserbereitern, expandierte dann zu Solar-Home-Systemen, solaren Straßenlaternen und Solarsystemen für gewerbliche und industrielle Nutzung. Ein Schlüssel zum Erfolg war die gezielte Rekrutierung und Ausbildung von Frauen. MUNYAX ECO bildet junge Frauen und Mädchen in Solartechnik aus – ein Feld, das in Ostafrika traditionell von Männern dominiert wird (GET.invest 2023).

2022 wurde Francine Munyaneza unter die Top 10 Finalisten der „Africa’s Business Heroes“-Preise gewählt, eine Auszeichnung, die jährlich die besten Unternehmer des Kontinents ehrt (GET.invest 2023). Heute plant sie die Expansion in die Nachbarländer Burundi und die Demokratische Republik Kongo.

Hürden auf dem Weg

Der Weg war nicht einfach. Lokale Banken in Ruanda sind oft risikoscheu, wenn es um Investitionen in relativ neue Marktsegmente geht. MUNYAX ECO hatte Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierungen. Mit Unterstützung von GET.invest, einer europäischen Initiative zur Förderung erneuerbarer Energien, konnte das Unternehmen seine Geschäftsstrategie überarbeiten, einen soliden Finanzplan erstellen und Investorengespräche führen. Rund 30 Prozent des Finanzierungsziels von 3,3 Millionen Euro wurden bereits erreicht – genug, um eine halbe Million Menschen mit sauberer Energie zu versorgen und jährlich 15 Tonnen CO₂ einzusparen (GET.invest 2023).

Parallel dazu läuft ein groß angelegtes Berufsbildungsprojekt unter dem Titel „Gender zählt für Green TVET“. Finanziert von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und durchgeführt von Jugend Eine Welt, werden in fünf Don Bosco Berufsbildungszentren in Ruanda und Uganda junge Frauen in Solartechnik, Elektrotechnik und anderen grünen Berufen ausgebildet (ADA 2023). Über 4.000 Jugendliche, davon 1.600 Frauen, profitieren direkt von dem Programm (spendeninfo 2024).

[Wusstest du? In den Berufsschulen wurden nicht nur Ausbildungsinhalte angepasst, sondern auch die Infrastruktur: In Gatenga wurde ein Solarpanel-System installiert, das speziell das Mädchenwohnheim mit Strom versorgt – damit sie nachts sicher lernen können und nicht auf gefährliche Beleuchtung angewiesen sind.]

Ein Leuchtturm für die Region

Im Mai 2025 trafen sich Ausbilder aus Uganda und Ruanda zu einem gemeinsamen Training in Gatenga. Shallon Naturinde vom Don Bosco Zentrum in Bombo, Uganda, war eine der Teilnehmerinnen. „Die Solarinstallationen haben die Stromkosten erheblich gesenkt“, sagt sie. „Ich ermutige Frauen, sich an technischen Aktivitäten wie dieser zu beteiligen, denn wir sind in der Lage, in solchen Bereichen hervorragende Leistungen zu erbringen“ (Top Africa News 2025).

Ihr Kollege Tibenkana Hafizu aus Kamuli lernte eine innovative Technik zur Netzintegration: „Wir haben Schritte unternommen, um die von uns installierten Solarsysteme zu konfigurieren. Wir haben eine AC-Stromunterstützung integriert, um die Batterien zu unterstützen, wenn die Sonneneinstrahlung gering ist. Diese innovative Idee habe ich heute gelernt, und sie wird die Zuverlässigkeit des Systems erheblich verbessern“ (Top Africa News 2025).

Ein Modell für Afrika

Die Erfolge in Ruanda haben Strahlkraft. Die Berufsbildungspartnerschaft der Handwerkskammer Koblenz, finanziert vom deutschen Entwicklungsministerium, fördert ähnliche Projekte in Burundi, Ruanda und Uganda (sequa 2023). Ziel ist es, Kurzkurse mit hohem Praxisanteil durchzuführen und gezielt Mädchen und junge Frauen an männerdominierte Berufe heranzuführen.

In Ngoma, wo Goretti Uwitije ihre Kooperative leitet, denken die Frauen längst weiter. Die Gewinne fließen nicht nur in den Lebensunterhalt, sondern auch in Schulbildung für die Kinder, in bessere Ernährung, in neue Geschäftsideen. „Jetzt können wir unsere Familien viel nährstoffreicher und ausgewogener ernähren“, sagt Goretti. „Und wir ernten Überschüsse, die wir verkaufen können – für ein besseres Leben“ (IFAD 2025).

Die Sonne, die früher oft nur Dürre brachte, ist heute ihr Verbündeter. Und die Frauen, die einst am Rand der Gesellschaft standen, sind zu Vorreiterinnen einer grünen Revolution geworden.


Quellen:

ADA (2023): Gender zählt für Green TVET! – Geschlechtergerechte Berufsbildung/Solartechnik. Austrian Development Agency. Verfügbar unter: https://www.entwicklung.at/projekte/detail/gender-zaehlt-fuer-green-tvet-geschlechtergerechte-berufsbildung-solartechnik

GET.invest (2023): Unir o acesso à energia ao empoderamento feminino – MUNYAX ECO. Verfügbar unter: https://www.get-invest.eu/pt-pt/story/unir-o-acesso-a-energia-ao-empoderamento-feminino/

IFAD (2025): Aquí viene el sol: los sistemas de riego solar devuelven la vida a Rwanda. International Fund for Agricultural Development. Verfügbar unter: https://www.ifad.org/es/w/voces-rurales/aqui-viene-el-sol-los-sistemas-de-riego-solar-devuelven-la-vida-a-rwanda

sequa (2023): Burundi, Ruanda und Uganda: Berufsbildungspartnerschaft geht weiter. Verfügbar unter: https://www.sequa.de/news/burundi-ruanda-und-uganda-berufsbildungspartnerschaft-geht-weiter

spendeninfo (2024): Don Bosco-Berufsbildungszentren in Uganda und Ruanda. Verfügbar unter: https://www.spendeninfo.at/ausbildung-fuer-benachteiligte-junge-menschen-jugend-eine-welt+2400+1126023

Top Africa News (2025): Gender Matters for Green TVET Project Enhance Renewable Energy Skills Across Uganda and Rwanda. Verfügbar unter: https://www.topafricanews.com/2025/05/28/gender-matters-for-green-tvet-project-enhance-renewable-energy-skills-across-uganda-and-rwanda/

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