Gehörlose Köche eröffnen Restaurant in Wien [Österreich]
Der Gastraum ist hell, die Tische aus hellem Holz, die Wände mit bunten Bildern geschmückt. Es riecht nach frischen Kräutern und gebratenem Gemüse. Eine junge Frau kommt an den Tisch, lächelt und deutet auf die Speisekarte. Dann zeigt sie auf sich und formt mit den Händen ein Zeichen – „Ich heiße Sarah“. Im Restaurant „Ollon“ im Wiener Siebten ist das normal. Hier kommunizieren Gäste und Personal mit Händen, Blicken und einer extra dafür entwickelten Speisekarte. Sarah ist gehörlos, und das ist hier kein Hindernis, sondern das Konzept.
[Wusstest du? In Österreich leben etwa 10.000 gehörlose Menschen. Ihre Gebärdensprache wurde erst 2005 offiziell als eigenständige Sprache anerkannt. Für viele von ihnen ist der Arbeitsmarkt eine fast unüberwindbare Hürde – die Arbeitslosenquote ist viermal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.]
Ein Ort der Begegnung
Das „Ollon“ ist kein gewöhnliches Lokal. Gegründet wurde es von einer Gruppe gehörloser und hörender Menschen, die zeigen wollten, dass Inklusion nicht nur auf dem Papier existiert. Die Küche wird von gehörlosen Köchen geführt, im Service arbeiten gehörlose und hörende Mitarbeiter Seite an Seite. Jeder Tisch hat eine kleine Tafel, auf die Gäste ihre Bestellungen schreiben können. Die Speisekarte ist mit Symbolen und Erklärungen versehen. Und wer will, kann sich vorab online die wichtigsten Gebärdensätze für den Restaurantbesuch beibringen lassen.
Die Resonanz war überwältigend. Seit der Eröffnung ist das Lokal fast durchgehend ausgebucht. Nicht nur gehörlose Gäste kommen, sondern viele Hörende, die neugierig sind auf dieses Experiment. „Man isst hier nicht nur gut, man erlebt etwas“, schrieb eine Wiener Food-Bloggerin. „Die Stille am Nebentisch ist keine Leere, sondern eine neue Art von Kommunikation.“
Ein Signal für den Arbeitsmarkt
Für die gehörlosen Mitarbeiter ist das „Ollon“ mehr als ein Job. Es ist ein Ort, an dem sie sein können, wie sie sind. Küchenchef Markus, selbst gehörlos, erklärt über einen Gebärdendolmetscher: „In anderen Küchen wurde ich oft schief angesehen. Die Kommunikation war mühsam, ich wurde nicht ernst genommen. Hier ist das anders – hier reden alle mit den Händen.“
Das Projekt hat über Wien hinaus Wellen geschlagen. In Graz und Linz planen ähnliche Initiativen, auch aus Deutschland gab es Anfragen. Die Gründer hoffen, dass das „Ollon“ ein Modell wird – nicht nur für Gastronomie, sondern für Arbeitsplätze in vielen Branchen.
Quellen:
Österreichischer Gehörlosenbund (2025): Arbeitsmarktdaten und Inklusionsprojekte. Verfügbar unter: https://www.oeglb.at
Ollon Restaurant (2025): Über uns – Konzept und Team. Verfügbar unter: https://www.ollon.at/konzept
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