Kriegswitwen bauen Schule aus Lehm im Südsudan [Südsudan]

Cithou bedeutet in der lokalen Sprache „der verborgene Ort“. Dreißig Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, im Bundesstaat Warrap, liegt dieses kleine Dorf, das selbst auf Karten kaum zu finden ist. Die Regenzeit macht die Wege unpassierbar, Überschwemmungen schneiden die Bewohner monatelang von der Außenwelt ab. Für die Frauen von Cithou bedeutete das jahrelang: keine Schule für ihre Kinder, keine Gesundheitsversorgung, keine Sicherheit. Also beschlossen sie, selbst zu handeln. Sie begannen, Ziegel zu brennen, um eine Schule zu bauen – mit bloßen Händen, aus Lehm und Stroh (UNMISS 2024).

[Wusstest du? Der Südsudan ist das jüngste Land der Erde – seit 2011 unabhängig – und gleichzeitig eines der ärmsten. Weniger als ein Drittel der Erwachsenen kann lesen und schreiben, bei den Frauen ist es nur jede vierte. Wer eine Schule baut, baut Zukunft.]

Ein Ort, den alle vergessen hatten

Als im Dezember 2024 eine Delegation der UN-Friedensmission UNMISS nach Cithou reiste, war es das erste Mal überhaupt, dass Vertreter der internationalen Gemeinschaft das Dorf besuchten. Die Peacekeeper kämpften sich durch matschige Pisten und überflutete Straßen, um die Frauen zu treffen, die hier leben. Was sie fanden, war eine Gemeinschaft am Rande des Existenzminimums (UNMISS 2024).

Akon Lual, Mutter von fünf Kindern, erzählte den Besuchern ihre Geschichte. „Ich muss zugeben, dass wir uns oft vergessen fühlen“, sagte sie. „Unsere Kinder gehen nicht zur Schule. Wir haben angefangen, Ziegel zu machen, um eine zu bauen, aber wir konnten sie nicht fertigstellen. Hunger und Unsicherheit halten uns jeden Tag zurück“ (UNMISS 2024).

Die Frauen von Cithou hatten alles gegeben. Sie hatten Lehm gestochen, mit Stroh gemischt, Ziegel geformt und in der Sonne getrocknet – Tausende von ihnen. Doch ohne Werkzeug, ohne Fachwissen, ohne Hilfe von außen waren sie an ihre Grenzen gestoßen. Die unfertigen Mauern standen als stummer Zeuge ihres Scheiterns mitten im Dorf.

[Wusstest du? In Cithou gibt es weder eine Schule noch eine Gesundheitsstation noch eine Polizeistation. Bei Schlangenbissen oder Krankheiten in der Regenzeit sind die Menschen völlig auf sich allein gestellt. Die nächste Hilfe ist dreißig Kilometer entfernt – unpassierbar, wenn der Regen kommt.]

Handwerk als Überlebensstrategie

Trotz aller Widrigkeiten haben die Frauen von Cithou eine bemerkenswerte Fähigkeit bewahrt: Sie sind Meisterinnen des Handwerks. Aus den spärlichen Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, flechten sie bunte Körbe, fertigen aufwendigen Perlen-Schmuck und weben Textilien. Als die UN-Delegation das Dorf besuchte, waren die Frauen stolz darauf, ihre Arbeiten zu präsentieren (UNMISS 2024).

Elizabeth Majok, eine Gemeindeverbindungsbeamtin der UNMISS, war tief beeindruckt. „Trotz eurer Isolation seid ihr unglaublich einfallsreich. Eure Kunst spricht von Stärke und Kreativität angesichts von Widrigkeiten, die die meisten von uns überwältigen würden“ (UNMISS 2024).

Die Frauen hoffen, dass ihre handwerklichen Fähigkeiten eine Einkommensquelle werden könnten – wenn sie nur Zugang zu Märkten bekämen. Ein kleiner Funke Hoffnung in einer Umgebung, die sonst wenig Hoffnung bietet.

Rechtlosigkeit und Überlebenskampf

Doch der Mangel an Bildung ist nur eines von vielen Problemen. In Cithou gibt es keine Polizei, keine Gerichtsbarkeit, keinen Schutz für die Schwächsten. Straftäter, insbesondere Täter von geschlechtsspezifischer Gewalt, können sicher sein, dass sie nie zur Rechenschaft gezogen werden. Der Paramount Chief Deng Mayom brachte es auf den Punkt: „Ohne Polizei und ohne Zugang zur Justiz herrscht Straflosigkeit. Das bedeutet, dass unsere Frauen und Kinder nicht so sicher sind, wie sie sein sollten und es verdienen“ (UNMISS 2024).

Die Frauen von Cithou kämpfen also an mehreren Fronten: gegen Armut, gegen Isolation, gegen Gewalt – und für die Bildung ihrer Kinder. Ihr Kampf ist mühsam, aber sie geben nicht auf.

Ein Funken Hoffnung

Die UN-Delegation versprach, nicht das letzte Mal gewesen zu sein. Ajok Angok, eine zivile UNMISS-Beauftragte, ermutigte die Frauen: „Es gibt mächtige Beispiele von Frauen in Führungspositionen im Südsudan, sogar hier in der Region. Denkt nur an Nyandeng Malek, die 2010 die erste Gouverneurin des Bundesstaates Warrap wurde. Ihr müsst weiter auf Veränderung drängen, denn auch ihr seid Führungspersönlichkeiten auf eure eigene Art“ (UNMISS 2024).

Akon Lual verabschiedete die Besucher mit bewegenden Worten: „Möge euer Besuch hier nicht der letzte sein. Wir brauchen euch und andere, die für uns da sind“ (UNMISS 2024).

Die unfertige Schule von Cithou steht noch immer als Symbol für das, was möglich ist – und was fehlt. Die Frauen haben gezeigt, dass sie bereit sind, anzupacken. Jetzt brauchen sie nur noch jemanden, der ihnen hilft, die letzten Steine zu setzen.


Quellen:

UNMISS (2024): Resourceful women in „hidden place“ Cithou ask for school, healthcare and justice. United Nations Mission in South Sudan. Verfügbar unter: https://peacekeeping.un.org/en/resourceful-women-hidden-place-cithou-ask-school-healthcare-and-justice

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