Mangroven schützen Küsten vor Zyklonen in Bangladesch [Bangladesch]

Der Zyklon „Amphan“ traf im Mai 2020 mit voller Wucht auf die Küste Bangladeschs. Windgeschwindigkeiten von über 260 Kilometern pro Stunde peitschten das Wasser auf, eine fünf Meter hohe Sturmflut walzte Dörfer nieder. Doch in einigen Orten blieben die Häuser stehen, die Menschen überlebten. Was war ihr Geheimnis? Sie lagen hinter einem Mangrovenwald. Die Bäume hatten die Welle gebrochen, den Wind abgeschwächt, Leben gerettet.

[Wusstest du? Mangroven sind die einzigen Bäume der Welt, die im Salzwasser wachsen können. Sie haben spezielle Drüsen in den Blättern, um überschüssiges Salz auszuscheiden – und Wurzeln, die wie Schnorchel aus dem Schlamm ragen, um auch bei Flut Sauerstoff zu bekommen.]

Ein Wald stirbt, die Küsten werden wehrlos

Bangladesch ist eines der am stärksten von Zyklonen bedrohten Länder der Erde. Kaum ein Jahr vergeht ohne schweren Sturm. Doch die natürliche Schutzmauer des Landes – die Mangrovenwälder – schrumpfte jahrzehntelang dramatisch. Garnelenfarmen, Reisfelder, Siedlungen fraßen sich in die Wälder. Ganze Küstenabschnitte wurden kahlgeschlagen. Die Folgen waren verheerend: Bei jedem Zyklon drang das Wasser tiefer ins Landesinnere vor, mehr Menschen starben.

Die Sundarbans, das größte Mangrovengebiet der Welt, das sich über Bangladesch und Indien erstreckt, sind ein letztes Refugium. Doch auch sie sind bedroht – durch steigenden Meeresspiegel, durch Versalzung, durch Holzeinschlag.

Ein nationales Programm pflanzt Millionen Bäume

Die Regierung Bangladeschs hat reagiert. Seit den 1990er Jahren läuft eines der größten Küstenschutzprogramme der Welt. Das „Bangladesh Mangrove Plantation Project“ hat bisher über 200.000 Hektar neue Mangrovenwälder geschaffen (World Bank 2024). Mit Unterstützung der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank werden jedes Jahr Millionen Setzlinge gepflanzt – vor allem entlang der gefährdetsten Küstenabschnitte.

Das Besondere: Die Dörfer werden einbezogen. Die Menschen bekommen eine kleine Vergütung, wenn sie die Setzlinge pflanzen und pflegen. Sie lernen, dass der Wald ihr Schutz ist, nicht ihr Feind. Frauen verdienen eigenes Geld, werden in Entscheidungen eingebunden. Die Mangroven wachsen – und mit ihnen das Bewusstsein für den Wert der Natur.

[Wusstest du? Mangrovenwälder speichern pro Hektar bis zu viermal mehr Kohlenstoff als tropische Regenwälder. Der Schlamm, in dem sie stehen, ist sauerstofffrei – abgestorbene Pflanzenteile verrotten nicht vollständig, sondern werden zu Torf. Das macht sie zu Klimaschützern erster Güte.]

Ein Dorf, das sich gerettet hat

Das Dorf Gabura liegt im Südwesten Bangladeschs, direkt am Fluss Kholpetua. 2009 verwüstete der Zyklon „Aila“ die Region, tötete Hunderte Menschen, zerstörte Häuser, versalzte die Felder. Überlebende erzählen, wie das Wasser kam, wie es alles mitriss, wie sie sich an Palmen festklammerten.

Nach der Katastrophe begannen die Bewohner mit einem Wiederaufforstungsprojekt. Eine lokale NGO, „Uttaran“, half ihnen, Mangrovensetzlinge zu ziehen und zu pflanzen. Heute stehen dichte Wälder entlang der Flussufer. Als der nächste Zyklon kam, blieb das Dorf verschont. Die Bäume hatten ihre Arbeit getan.

Die Bewohner pflanzen weiter. Sie haben gelernt, dass die Mangroven nicht nur Schutz bieten, sondern auch Einkommen: Krabben und Fische finden in den Wurzeln Nahrung, die Menschen können sie fangen. Die Frauen sammeln Honig aus den Blüten. Ein neuer Wirtschaftszweig ist entstanden.

Ein Modell für die Welt

Bangladeschs Erfolg hat weltweit Aufsehen erregt. In Indien, Myanmar, Vietnam und auf den Philippinen werden ähnliche Programme gestartet. Die Internationale Union für Bewahrung der Natur (IUCN) hat das Land als Vorreiter im „Ökosystembasierten Küstenschutz“ ausgezeichnet.

Dennoch bleibt viel zu tun. Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen, die Stürme werden heftiger. Die Mangroven können nicht unbegrenzt wachsen. Sie brauchen Raum – Raum, der oft mit Landwirtschaft oder Siedlungen konkurriert. Aber die Menschen in Gabura haben eines gelernt: Ohne Wald sind sie verloren. Mit Wald haben sie eine Chance.


Quellen:

World Bank (2024): Bangladesh Mangrove Plantation Project – Abschlussbericht. Dhaka. Verfügbar unter: https://www.worldbank.org/bangladesh/mangroves

Uttaran (2025): Community-Based Mangrove Restoration in Gabura – Jahresbericht. Verfügbar unter: https://www.uttaran.net/mangroves

IUCN (2024): Ecosystem-based Adaptation in Coastal Bangladesh. Gland. Verfügbar unter: https://www.iucn.org/bangladesh-eba

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