Migranten bauen Brunnen in ihrer Heimat Mali [Mali]
Die Sonne brennt unbarmherzig auf das Dorf Sogodougou im Süden Malis. Hier, in der Region Mopti an der Grenze zu Burkina Faso, ist Wasser das kostbarste Gut. Sieben Ortschaften mit 3800 Einwohnern teilen sich das, was der kleine Staudamm halten kann – oder besser: was er halten konnte, bis seine Wände morsch wurden und das Wasser ungenutzt versickerte (Morbach 2020). Die Frauen mussten immer weiter laufen, die Ernten verdorrten, die Kinder wurden krank. Dann kam Hilfe – nicht von einer großen Organisation, sondern von einem Verein aus dem Hunsrück und von Menschen, die selbst einst ihre Heimat verlassen mussten.
[Wusstest du? In Mali haben weniger als die Hälfte aller Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folgen sind verheerend: Durchfallerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Jeder neu gebaute Brunnen rettet nicht nur Zeit, sondern auch Leben.]
Ein Staudamm im Dogon-Land
Die Mali-Hilfe aus Morbach, ein kleiner Verein unter der Leitung von Peter Brucker, ist bekannt für ihre unermüdliche Aufbauarbeit in dem westafrikanischen Land. Seit Jahren bauen sie Schulen, Kindergärten und medizinische Stationen. Doch irgendwann reichte das nicht mehr. „Der Begriff Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen“, sagt Brucker (Morbach 2020). Die Malier sollen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt dauerhaft selbst zu bestreiten.
Ein Leuchtturmprojekt dieser neuen Strategie ist der Staudamm bei Sogodougou. „Von Juni bis Oktober kann es dort regnen, aber nicht ständig“, erklärt Brucker (Morbach 2020). Der alte Damm war marode, seine Wände hielten das Wasser nicht mehr. Jetzt sind die Holzsperren durch Metalltore ersetzt, und rund um den Damm wachsen wieder Mais, Tomaten, Salat, Paprika und Zwiebeln. Das Dogon-Land ist das Zwiebelzentrum Malis – und die Menschen dort können wieder anbauen, wofür die Region berühmt ist.
Besonders die Frauen profitieren von dem Projekt. Sie bewirtschaften die Felder, werden geschult in Gartenbau, Vermarktung und Ernährungssicherung (Morbach 2020). Dadurch können sie zum verbesserten Status ihrer Familien beitragen. Die Kombination von Gartenarbeit und Vermarktung ist erfolgversprechend – und sie verhindert das Abwandern der Menschen aus der Region.
[Wusstest du? Im Dogon-Land werden traditionell die Felder von den Frauen bewirtschaftet. Männer übernehmen andere Aufgaben, aber die Ernte und der Verkauf liegen in weiblicher Hand. Wer die Frauen stärkt, stärkt die ganze Region.]
Getreidebanken gegen die Hungerzeit
Ein zweites Projekt der Mali-Hilfe sind Getreidebanken. Insgesamt neun dieser Einrichtungen gibt es im Grenzgebiet zu Mauretanien, in denen jeweils mehrere Tonnen Getreide gelagert werden können (Morbach 2020). Ende November wird geerntet, das Getreide verkauft – und die Vorräte halten etwa sechs Monate. Nach einem halben Jahr müssen die Malier dann selbst Getreide einkaufen, allerdings zum erheblich teureren Preis, weil es über weite Strecken transportiert werden muss.
In den Getreidebanken, die ähnlich einer Genossenschaft betrieben und von einem Komitee geleitet werden, wird jetzt das eigene Getreide eingelagert. Verkauft werden darf es erst ab August – genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Menschen sonst gezwungen waren, teures Getreide aus anderen Regionen zu kaufen. Der Preis aus den eigenen Banken ist erheblich niedriger. Eine einfache Idee mit großer Wirkung.
Eine Frau mit Mission
Während die Mali-Hilfe aus Morbach im Süden des Landes arbeitet, engagiert sich Regina Besch aus Wiedergeltingen im Südwesten Malis. Seit 2006 hat die Politikwissenschaftlerin rund 68.000 Euro Spenden gesammelt und 14 Brunnenprojekte in verschiedenen Dörfern realisiert (Merkur 2023). Ihre Motivation kommt aus eigener Erfahrung: Bei einem mehrwöchigen Projekt in Kenia während ihres Studiums lernte sie, wie kostbar jeder Tropfen Wasser ist.
„Ich war von den Brunnenprojekten beeindruckt“, sagt Besch. „Denn mit Brunnen in ländlichen Regionen werden Perspektiven und Einkommen geschaffen, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben können und nicht abwandern“ (Merkur 2023). Jedes Projekt beginnt mit gemeinsamer Planung mit malischen Nichtregierungsorganisationen, die die Maßnahmen vor Ort begleiten. Die Dorfbewohner sind von Anfang an beteiligt.
Die Wirkung ist enorm. Durch Schachtbrunnen können Gemüsegärten bewässert werden, die mit viel Mühe angelegt wurden. Die Familien produzieren nicht nur Nahrungsmittel für sich selbst, sondern verkaufen Überschüsse – und können so zum Beispiel die monatlichen Schulgebühren von 50 Cent pro Kind bezahlen oder Medikamente kaufen (Merkur 2023). Damit die Projekte nachhaltig bleiben, werden die verantwortlichen Teilnehmer von malischen Partnern wie „Stop Sahel“ in Anbautechniken, Vermarktung, Schädlingsbekämpfung und Lagerung geschult.
Ein regionaler Ansatz für Frieden und Wasser
Die Bedeutung von Wasserprojekten in Mali hat inzwischen auch die internationale Gemeinschaft erkannt. Im Januar 2026 starteten Mauretanien, Mali und Senegal ein gemeinsames Projekt im Wert von 7 Millionen Dollar, um den Zugang zu Wasser zu verbessern, die Klimaresilienz zu stärken und Spannungen in den Grenzregionen zu reduzieren (IOM 2026). Die Initiative, durchgeführt von der Internationalen Organisation für Migration und UNICEF, erreicht direkt 150.000 Menschen und indirekt weitere 535.000 in neun Grenzregionen.
Das Projekt baut Wasserinfrastruktur, stärkt lokale Verwaltungsstrukturen und erleichtert den Dialog zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten – Gruppen, die oft um Wasserressourcen konkurrieren. „Dieses Projekt ist eine strategische Investition in Frieden, Menschenwürde und die Zukunft unserer Grenzbevölkerung“, erklärte Mauretaniens Wirtschaftsminister (IOM 2026).
Moussa Bilane, Vertreter des malischen Ministeriums für Territorialverwaltung, betont: „Es wird Gemeinschaftsakteure unterstützen, darunter Frauen und Jugendliche, deren Einbeziehung ein wichtiger Faktor für die Friedenserhaltung ist“ (IOM 2026).
Was bleibt
Die Brunnenprojekte in Mali sind mehr als nur Löcher im Boden. Sie sind Hoffnungsträger, Friedensstifter und Existenzgrundlage. Ob der Staudamm im Dogon-Land, die Getreidebanken an der mauretanischen Grenze oder die Brunnen im Südwesten – sie alle zeigen, dass Hilfe dann am besten wirkt, wenn sie von den Menschen selbst getragen wird.
Peter Brucker von der Mali-Hilfe bringt es auf den Punkt: „Die Malier sollen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt dauerhaft selbst zu bestreiten“ (Morbach 2020). Keine Almosen, sondern Werkzeuge. Keine Abhängigkeit, sondern Selbstbestimmung. Und am Ende steht nicht nur ein Brunnen, sondern eine Gemeinschaft, die weiß, dass sie es selbst geschafft hat – mit ein wenig Hilfe von Freunden aus der Ferne.
Quellen:
Morbach (2020): Aus staubiger Wüste wird grünes Ackerland – Mali-Hilfe aus Morbach. Verfügbar unter: https://www.morbach.de/aus-staubiger-wueste-wird-gruenes-ackerland/
IOM (2026): Three-Nation Initiative Aims to Improve Water Access and Reduce Conflict in Sahel Border Regions. International Organization for Migration. Verfügbar unter: https://rodakar.iom.int/news/three-nation-initiative-aims-improve-water-access-and-reduce-conflict-sahel-border-regions
Merkur (2023): Wasserquelle für Mali mit Ursprung in Wiedergeltingen. Verfügbar unter: https://www.merkur.de/bayern/schwaben/mindelheim-kurier/14-brunnenprojekte-in-afrika-wasserquelle-fuer-mali-mit-ursprung-in-wiedergeltingen-92421451.html
Welthungerhilfe (2024): Zugang zu Land für stabile Lebensgrundlagen Geflüchteter. Verfügbar unter: https://www.welthungerhilfe.de/informieren/projekte/projektsteckbrief?tx_igxwhhprojekte_projekte%5Baction%5D=show&tx_igxwhhprojekte_projektee%5Blp%5D=0&tx_igxwhhprojekte_projekte%5Bprojekte%5D=3817359
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