Skateboarder bauen Parks in armen Vierteln Ugandas [Uganda]
Der Boden vibriert unter den Rollen, die Sonne brennt auf den frisch gegossenen Beton, und überall kreischen Kinder vor Aufregung. Mitten im Armenviertel Kiteezi, nördlich von Kampala, ist etwas Unwahrscheinliches entstanden: ein internationaler Standard-Skatepark aus Beton, 450 Quadratmeter groß, gebaut von und für die Gemeinschaft. Wer hier vor zwei Jahren noch Müllkippen und staubige Straßen sah, sieht heute junge Menschen, die auf ihren Boards über Rampen fliegen, lachen, sich gegenseitig anfeuern. Skateboarding in Uganda ist mehr als Sport – es ist Rettung.
[Wusstest du? Kiteezi war lange Zeit berüchtigt für seine Müllkippe, die 2024 katastrophal kollabierte und die umliegende Gemeinschaft schwer traf. Aus dieser Tragödie entstand die Idee für einen Ort, der nicht nur sicheres Skaten ermöglicht, sondern auch neue Perspektiven schafft (Make Life Skate Life 2026).]
Eine Frau mit Vision
Cynthia Kemigisha, ehemalige Generalsekretärin der Uganda Skateboarding Union, kannte die Probleme der Jugend in Kiteezi aus eigener Anschauung. Das Viertel ist ein Slum, die Jugendlichen sind anfällig für Drogen, Alkohol und Kriminalität. Viele von ihnen skateten auf der Straße – gefährlich, illegal, ohne Perspektive (sportainable 2024).
„Die Jungs in der Gegend waren der Gefahr ausgesetzt, Unfälle zu erleiden, weil sie auf der Straße übten“, erzählt Cynthia. „Also beschlossen wir, den Skatepark einzurichten.“ (sportainable 2024) Sie startete klein: 2023 bauten sie und eine Handvoll Freiwilliger eine 90 Quadratmeter große DIY-Rampe. Sie appellierte an die Öffentlichkeit, an Unternehmen, an alle, die helfen konnten. „Wenn jeder seinen Beitrag zu diesem speziellen Park leistet, werden wir der schnell wachsenden Population der Skateboarder eine dritte Anlage zur Verfügung stellen.“ (sportainable 2024)
Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Cynthia ist heute stolz auf ihre rund 50 Skater:innen, die die Grundlagen des Sports beherrschen. Doch ihr Ziel war größer.
Von der DIY-Rampe zum internationalen Park
Die Wende kam mit einer Partnerschaft. Make Life Skate Life (MLSL), eine internationale Nichtregierungsorganisation, die weltweit Skateparks in Entwicklungsländern baut, wurde auf das Projekt aufmerksam. Gemeinsam mit Climate Skaters Kiteezi, Tanzania Skateboarding, der Kampala Skateboard Initiative, der Uganda Skateboard Society und zahlreichen lokalen Freiwilligen entstand ein ehrgeiziger Plan (Kawowo Sports 2026a).
Im Januar 2026 begannen die Bauarbeiten. Elf internationale Freiwillige kamen, 15 lokale Helfer packten mit an. Das Ziel: Ugandas erster öffentlicher Skatepark von internationalem Standard, aus Beton, auf 450 Quadratmetern (Make Life Skate Life 2026). Die Bauzeit war intensiv, das Ergebnis beeindruckend.
Am 7. Februar 2026 war es so weit: Der Kiteezi Skatepark wurde offiziell eröffnet. Die Feierlichkeiten zogen Hunderte an, professionelle Skateboarder wie Shawn Hale und Nassim Lachab gaben Demonstrationen, Wettbewerbe wurden ausgetragen. Sogar der Staatsminister für Sport, Hon. Peter Ogwang, ließ es sich nicht nehmen, die Anlage persönlich einzuweihen (Kawowo Sports 2026b).
„Ich will Climate Skaters Kiteezi dafür danken, dass sie ein solches Projekt initiiert und Investoren angelockt haben“, sagte Ogwang. „Das ist ein großartiges Gemeinschaftsprojekt, das die Entwicklung dieses Sports fördern wird.“ (Kawowo Sports 2026b)
*[Wusstest du? Der Skatepark wurde mit Unterstützung von SkatePro aus Dänemark gebaut, die im November 2025 über 15.700 Euro spendeten. Das Geld kam durch die „Giveback Friday“-Aktion zusammen, bei der Kunden einen Teil ihrer Einkäufe für soziale Projekte spenden konnten (SkatePro 2025).]*
Mehr als nur Skateboarding
Doch der Park ist nicht nur ein Ort zum Skaten. Er ist ein Gemeinschaftszentrum mit einem klaren pädagogischen Auftrag. Ein Klassenraum wurde integriert, in dem Workshops zu Umwelterziehung, Führungskompetenzen und Gleichberechtigung stattfinden (SkatePro 2025). Die Verbindung von Sport und Bildung ist zentral.
„Wir von sportainable hoffen, dass wir dieses Projekt finanziell und mit Bildungsangeboten unterstützen können“, schreibt eine deutsche Partnerorganisation. (sportainable 2024) Die Mitglieder des Skateclubs beteiligen sich an Klimaschutzprogrammen und führen Recyclingprojekte durch, um die lokale Umweltverschmutzung zu reduzieren.
Moses Ddungu, Präsident der Uganda Skating Federation, lobte die Anlage als die größte des Landes und versprach Unterstützung: „Ich werde helfen, unsere Skater auszubilden, während der Sport wächst.“ (Kawowo Sports 2026b)
Die Früchte der Bewegung
Der neue Skatepark in Kiteezi ist nicht der erste in Uganda. In Mukono und Kitintale existieren bereits zwei kleinere Anlagen. Die Kitintale-Anlage wurde 2022 mit Unterstützung der französischen Botschaft und Skate Aid erweitert, um eine eigene Mädchenabteilung zu schaffen (Kawowo Sports 2022). Trillo von der spanischen Asiplancaba-Gruppe, die am Bau beteiligt war, sagte damals: „Dies ist ein Lifestyle-Sport und einer für die Gemeinschaft. Es ist immer aufregend, die lokale Gemeinschaft beim Skateboarding im Kitintale Skatepark engagiert zu sehen.“ (Kawowo Sports 2022)
Die ugandische Skate-Szene wächst rasant. Junge Skater wie Augustine Jjuuko, der von dem neuen Skatepark profitiert, sind überglücklich. Die Einrichtung ermöglicht es Jugendlichen, ihre Jugend positiv zu leben (sportainable 2024). Christine Kabahinda (18), Mary Annah Aturinda (17) und Moses Morzart (18) drückten bei der Eröffnung ihre Dankbarkeit aus (Kawowo Sports 2026b).
Arne Hillerns, Gründer von Make Life Skate Life, blickt auf eine lange Geschichte zurück: „Das ist der 19. Skatepark, den wir in der Welt gebaut haben. Wir werden diesen Sport weiter fördern.“ (Kawowo Sports 2026b)
Was bleibt
Cynthia Kemigisha steht am Rand des neuen Parks und schaut den Kindern zu. Ihre Vision ist Wirklichkeit geworden. „Wir waren bescheiden, den Staatsminister für Sport bei der Eröffnung des Kiteezi Skateparks begrüßen zu dürfen. Das ist jetzt der größte Skatepark des Landes, und wir danken den Partnern von Make Life Skate Life, die Ressourcen beigesteuert haben und auch vor Ort beim Bau geholfen haben. Eine solche Einrichtung wird den Skatesport in Uganda entwickeln.“ (Kawowo Sports 2026b)
Der Skatepark wird mehr als 100 junge Menschen pro Woche erreichen, mit einem starken Fokus auf die Teilnahme von Mädchen, Umweltgerechtigkeit und Jugendförderung durch Skateboarding. Das Programm bleibt kostenlos und öffentlich zugänglich.
Die Jungs, die früher auf der Straße riskierten, von Autos überfahren zu werden, haben jetzt einen Ort. Die Mädchen, die früher zu Hause bleiben mussten, haben jetzt eine Community. Und eine Müllkippe, die einst Tod brachte, ist zum Symbol des Lebens geworden.
Quellen:
Kawowo Sports (2022): Kitintale Skate park extension and modification commences. Verfügbar unter: https://kawowo.com/2022/07/17/kitintale-skate-park-extension-and-modification-commences/
Kawowo Sports (2026a): Sports Facilities: The birth of Kiteezi, Uganda’s first public concrete skatepark. Verfügbar unter: https://kawowo.com/2026/02/04/sports-facilities-the-birth-of-kiteezi-ugandas-first-public-concrete-skatepark/
Kawowo Sports (2026b): Kiteezi Skatepark: A beam of hope for local community, Ugandan skating family. Verfügbar unter: https://kawowo.com/2026/02/09/kiteezi-skatepark-a-beam-of-hope-for-local-community-ugandan-skating-family/
Make Life Skate Life (2026): Uganda – Kiteezi Skatepark. Verfügbar unter: https://www.makelifeskatelife.org/uganda
SkatePro (2025): Giveback Friday – Spende an Make Life Skate Life. Verfügbar unter: https://www.linkedin.com/company/skatepro-aps/
sportainable (2024): Climate Skaters Kitezi – Impressions of an amazing project. Verfügbar unter: https://www.sportainable.eco/climate-skaters-kitezi-impressions-of-an-amazing-project
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