Torfmoos-Renaturierung bindet CO₂ in irischen Mooren [Irland]

Es ist ein feuchter, nebliger Morgen im irischen County Offaly. Unter den Gummistiefeln von John Feehan gibt der Boden nach, federnd, wie ein Schwamm. Um ihn herum erstreckt sich eine scheinbar endlose Fläche aus grasbewachsenen Hügeln, dazwischen glitzern kleine Tümpel. Aber es ist nicht die Landschaft, die ihn interessiert – es ist das, was darunter liegt. Meterdicke Torfschichten, gewachsen über Jahrtausende, gefüllt mit Kohlenstoff, der sonst die Atmosphäre aufheizen würde.

Feehan ist kein gewöhnlicher Wanderer. Der emeritierte Professor für Botanik an der University College Dublin hat sein Leben den irischen Mooren gewidmet. Jahrelang hat er ihren Niedergang dokumentiert, die Trockenlegung, den Torfabbau, das Verschwinden seltener Pflanzen und Vögel. Heute zeigt er auf eine Fläche, die vor zehn Jahren noch braun und ausgetrocknet war. Jetzt wächst dort wieder Wollgras, und Torfmoos bildet neue Polster. „Das hier ist keine Wüste mehr“, sagt er. „Das hier ist Zukunft.“

Eine jahrhundertealte Zerstörung

Irland war einst zu einem Fünftel von Mooren bedeckt – etwa 1,2 Millionen Hektar. Sie entstanden nach der letzten Eiszeit, als abgestorbene Pflanzen in wassergesättigtem Boden nicht vollständig zersetzt wurden und sich zu Torf auftürmten. Über Jahrtausende wuchsen die Schichten, bis zu zehn Meter tief, und speicherten dabei Unmengen an Kohlenstoff.

Dann kamen die Menschen. Sie entwässerten die Moore für Landwirtschaft, stachen Torf als Brennstoff, roderten für Plantagen. Im 20. Jahrhundert industrialisierte der staatliche Torfkonzern Bord na Móna den Abbau. Ganze Landstriche wurden trockengelegt, die oberen Torfschichten abgetragen. Was übrig blieb, waren kahle, braune Flächen, die kaum mehr Leben enthielten.

Die ökologischen Folgen waren verheerend. Moore sind nicht nur Lebensraum für seltene Arten wie das Moorschneehuhn oder die Sonnentau-Pflanze. Sie speichern mehr Kohlenstoff pro Hektar als jeder Wald. Wird ein Moor trockengelegt, gelangt dieser Kohlenstoff als CO₂ in die Atmosphäre. Die irischen Moore emittierten zeitweise mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehrssektor des Landes.

Die Wende beginnt mit einem staatlichen Konzern

2015 verkündete Bord na Móna einen radikalen Kurswechsel. Das Unternehmen, das jahrzehntelang Torf abgebaut hatte, stellte den Abbau ein und begann mit der Renaturierung. Ein 25-Jahres-Plan wurde aufgelegt, um 80.000 Hektar industriell genutzter Moore wiederzuvernässen.

Die Methode ist einfach, aber effektiv: Entwässerungsgräben werden zugeschüttet, Dämme errichtet, der Wasserstand angehoben. Innerhalb weniger Jahre kehren Torfmoose zurück, die den Boden wieder aufbauen. In den wiedervernässten Flächen sinkt die CO₂-Emission rapide, und nach einigen Jahren beginnen sie wieder Kohlenstoff zu speichern.

„Das ist wie eine Wundheilung“, erklärt Feehan. „Wenn man die Wunde schließt, kann der Körper sich selbst heilen.“ Er deutet auf eine Stelle, wo winzige Torfmoos-Sprossen aus dem nassen Boden lugen. „Das hier sind die Pioniere. Sie werden wachsen, sich ausbreiten und in hundert Jahren wieder eine geschlossene Torfschicht bilden.“

Rückkehr der Arten

Die Wiedervernässung bringt nicht nur den Klimaschutz voran, sondern auch die Artenvielfalt. Seltene Vögel wie der Große Brachvogel, der in Irland fast verschwunden war, kehren zurück. Libellen tanzen über den Tümpeln, und Fleisch fressende Pflanzen wie der Sonnentau gedeihen wieder.

Die lokale Bevölkerung ist anfangs oft skeptisch. Moore galten lange als nutzloses Land, das nur im Weg steht. Doch mit der Zeit erkennen sie den Wert. Ein ehemaliger Torfarbeiter, der heute für Bord na Móna an der Renaturierung arbeitet, sagt: „Früher haben wir das Moor zerstört, um Torf zu gewinnen. Jetzt helfen wir ihm, wieder gesund zu werden. Das ist ein gutes Gefühl.“

Ein Modell für Europa

Irland ist nicht allein. In Schottland, Deutschland und Skandinavien gibt es ähnliche Projekte. Die irischen Moore aber sind besonders bedeutend, weil sie so großflächig sind und weil der Staat hier eine Vorreiterrolle übernommen hat. Die Renaturierung wird von der EU über LIFE-Projekte gefördert und wissenschaftlich begleitet.

John Feehan blickt zufrieden über die wiederbelebte Landschaft. „Moore sind die am meisten unterschätzten Ökosysteme der Welt. Sie speichern Kohlenstoff, sie reinigen Wasser, sie beherbergen seltene Arten. Und sie sind wunderschön – wenn man lernt, sie zu sehen.“


Quellen:

Irish Peatland Conservation Council (2025): Peatlands and Climate Change. Verfügbar unter: https://www.ipcc.ie/

Bord na Móna (2025): Bog Restoration Projects. Verfügbar unter: https://www.bordnamona.ie/

European Commission LIFE Programme (2024): Living Bog – Raised Bog Restoration in Ireland. Verfügbar unter: https://www.livingbog.ie/

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