Der Mann, der 10.000 Bäume pflanzte – Jadav Payengs lebendiges Vermächtnis [Indien]

Es begann mit einem Bild, das sich dem 16-jährigen Jadav Payeng für immer einbrannte. Im Jahr 1979, nach einer besonders heftigen Flut im indischen Bundesstaat Assam, zog sich das Wasser des Brahmaputra zurück und hinterließ auf einer kahlen Sandbank Tausende von Schlangen – tot, verdurstet in der glühenden Sonne. „Ich setzte mich hin und weinte über ihre Leichen. Es war wie ein Massaker“, erinnert sich Payeng (Indulgexpress 2024). Dieser Moment veränderte alles. Aus dem Jungen, der um tote Schlangen trauerte, wurde der Mann, der einen ganzen Wald pflanzte – mit bloßen Händen, jahrzehntelanger Geduld und einer Liebe zur Natur, die keine Grenzen kennt (Reader’s Digest 2021).

[Wusstest du? Jadav Payengs Wald, genannt „Molai Forest“, ist heute größer als der New Yorker Central Park. Er erstreckt sich über 550 Hektar auf einer Flussinsel des Brahmaputra und ist die Heimat von Tigern, Nashörnern, Elefanten und unzähligen Vögeln.]

Die Geburt einer Idee

Die Ältesten in Payengs Dorf, das zum indigenen Volk der Mishing gehört, rieten ihm damals: „Pflanze Bambus.“ Also besorgte er sich 25 Setzlinge und 50 Samen und begann, sie auf der unwirtlichen Sandbank zu pflanzen. Die nächsten Jahre waren ein einziger Kampf gegen die Elemente. Die jungen Pflanzen brauchten Wasser, aber Payeng hatte keine Pumpe, keine Schläuche, keine Hilfe. Seine Lösung war so einfach wie genial: Er kaufte 50 Tontöpfe, bohrte kleine Löcher in den Boden, füllte sie mit Wasser und stellte sie neben jeden Setzling. Tag für Tag, fünf Tage lang, tropfte das Wasser auf die durstige Erde, bis die Wurzeln stark genug waren, um selbst im feuchten Sand zu überleben (Reader’s Digest 2021).

„Ich musste die Töpfe alle fünf Tage neu füllen“, erzählt er. „Es war eine mühsame Arbeit, aber ich habe sie geliebt. Jeder Tropfen war wie ein kleines Versprechen an die Zukunft.“ (Reader’s Digest 2021).

Ein Wald aus eigener Kraft

Payeng gab nicht auf. Er trug Ameisen und Würmer in Säcken auf die Sandbank, um den unfruchtbaren Boden zu beleben. „Sie sind die besten Arbeiter“, erklärt er. „Sie lockern die Erde und machen sie fruchtbar. Keine Maschine kann das so gut.“ (Wikipedia 2025). Mit jeder Regenzeit schwemmte der Brahmaputra neue Samen an, die Payeng einsammelte und einpflanzte. Er lernte von den Ältesten, welche Bäume zusammenwachsen, wie man Schädlinge natürlich bekämpft und welche Früchte die Tiere lieben. Sein Wissen wuchs mit seinem Wald.

Jahre vergingen. Payeng zog in den Wald, baute sich eine kleine Hütte und lebte dort mit seiner Familie. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hielt er Büffel und Kühe und verkaufte ihre Milch – das war sein einziger Lohn für ein Leben voller Arbeit (Wikipedia 2025). „Ich habe nie auf Geld geachtet“, sagt er. „Ich habe auf die Bäume geachtet. Sie sind meine Kinder.“ (BBC 2015).

Der Wald lebt

Mit den Bäumen kamen die Tiere zurück. Zuerst die Vögel, dann die Insekten, schließlich die großen Säugetiere. Heute streifen Tiger durch das Dickicht, das Payeng gepflanzt hat. Nashörner suchen Schutz in seinem Schatten. Eine Elefantenherde von über 100 Tieren kommt jedes Jahr für Monate in den Wald und hat dort bereits mehr als zehn Kälber zur Welt gebracht (Wikipedia 2025).

„Als ich die ersten Elefanten sah, habe ich geweint“, erinnert sich Payeng. „Ich wusste, dass der Wald jetzt komplett war. Die Tiere hatten ihn angenommen.“ (Reader’s Digest 2021).

Entdeckt wurde sein Werk erst 2008, völlig zufällig. Eine Elefantenherde war aus dem Wald ausgebrochen und hatte in den umliegenden Dörfern Schaden angerichtet. Die Behörden schickten Förster, um die Tiere zurückzutreiben – und fanden einen Mann, der jahrzehntelang im Verborgenen gearbeitet hatte (Wikipedia 2025).

Die späte Anerkennung

Seit dieser Entdeckung hat Payeng zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den viert höchsten zivilen Orden Indiens, den Padma Shri. 2012 verlieh ihm die Jawaharlal-Nehru-Universität in Delhi den Ehrentitel „Forest Man of India“ (Wikipedia 2025). Dokumentarfilmer aus aller Welt haben seine Geschichte erzählt, und sein Bild ging um die Zeitungen.

Doch Payeng ist bescheiden geblieben. Er lebt noch immer in seiner Hütte, umgeben von seinen Bäumen. Jeden Morgen geht er hinaus, um neue Setzlinge zu pflanzen. Sein nächstes Ziel: eine weitere Sandbank im Brahmaputra in einen Wald zu verwandeln (Indulgexpress 2024). „Ich werde pflanzen, bis ich sterbe“, sagt er. „Die Bäume sind meine Familie. Sie haben mich nie enttäuscht.“ (BBC 2015).

Seine Botschaft an die junge Generation ist einfach: „Fang klein an. Ein Samen auf deinem Balkon, eine Pflanze im Garten – das ist der Anfang. Du musst nicht die ganze Welt retten. Rette deinen kleinen Teil. Der Rest kommt von selbst.“ (Indulgexpress 2024).


Quellen:

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