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Hope Village: Ein Dorf aus dem 3D-Drucker in Tansania [Tansania]

Stell dir vor, du stehst auf einer roten Erdebene in der Nähe von Kibaha, einer kleinen Stadt westlich von Daressalam. In der Hitze flirrt die Luft, und vor dir erhebt sich ein Gebäude, das wie aus einer anderen Zeit und doch aus der Zukunft zu kommen scheint. Seine Wände sind wellenförmig, voller Öffnungen, durch die Licht fällt und Luft streicht. Sie sind nicht aus Beton, nicht aus Stein, sondern aus der Erde unter deinen Füßen – geschichtet von einem Roboterarm, Schicht für Schicht, Zentimeter für Zentimeter. Hier entsteht Hope Village, ein Ort für Kinder, die kein Zuhause haben. Und seine Mauern erzählen die Geschichte einer neuen Art zu bauen (CNN 2024).

*[Wusstest du? Die 3D-Drucker, die hier zum Einsatz kommen, heißen „Crane WASP“ und wurden in Italien entwickelt. Sie können mit lokalem Material drucken – und das spart unglaubliche Mengen an Transport und CO₂. Ein einziger Drucker kann bis zu sechs Meter hohe Gebäude erstellen.]*

Eine Idee für die Verletzlichsten

Hope Village ist kein gewöhnliches Bauprojekt. Es ist der Traum von Dr. Consola Elia, die seit über 20 Jahren für Kinder kämpft, die Schlimmes erlebt haben. Kinder, die missbraucht wurden, die auf der Straße lebten, die keine Familie haben. Bis zu 480 Mädchen zwischen 3 und 18 Jahren sollen hier ein Zuhause finden – mit Unterkünften, einer Schule, Ausbildungsstätten und viel Platz zum Spielen (CNN 2024).

Das Herzstück des Dorfes ist ein Gemeinschaftszentrum, das zu einem Schulgebäude und einer Cafeteria wird. Und dieses Gebäude ist etwas ganz Besonderes. Die Architekten von Hassell und ClarkeHopkinsClarke wollten etwas anderes als die üblichen rechteckigen, fensterlosen Behelfsbauten. Sie wollten einen Ort, der schön ist, der Licht und Luft hereinlässt, der die Mädchen daran erinnert, dass sie etwas Besonderes sind (Yanko Design 2024).

[Wusstest du? Die Form der Wände ist nicht nur schön, sondern auch klug. Die Kurven und Wellen verteilen die Kräfte so, dass das Gebäude stabil ist – wie bei den alten römischen Kuppeln oder den Lehm-Moscheen in Westafrika.]

Bauen mit dem, was da ist

Das Besondere an diesem Projekt: Die Wände werden nicht aus Beton gegossen, sondern aus der Erde vor Ort gedruckt. Der Boden im Umkreis von 25 Kilometern wird ausgehoben, aufbereitet und in den riesigen Drucker gefüllt. Ein dünner Draht zwischen den Schichten sorgt für zusätzliche Stabilität. Das Dach wird aus kurzen Holzstücken zusammengesetzt, die ebenfalls aus der Region stammen, und mit einfachen Wellblechplatten gedeckt (CNN 2024).

„Wir wollen nicht noch mehr Beton“, sagt Xavier De Kestelier, der Chefdesigner von Hassell. „Beton ist zwar billig und zuverlässig, aber seine Herstellung verursacht riesige Mengen an CO₂. Wir müssen neue Wege finden.“ (CNN 2024). Die Forschung bestätigt das: Allein die Zementproduktion ist für etwa 8 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich . Erddruck hingegen hat einen winzigen ökologischen Fußabdruck – vor allem, wenn das Material direkt vor Ort kommt.

Die Herausforderung des Wetters

Lehm ist ein schwieriger Baustoff. Regen kann ihn aufweichen, Sonne kann ihn austrocknen und rissig machen. Deshalb haben die Architekten eine clevere Lösung gefunden: Das Dach ist weit auskragend und schützt die Wände vor Wind und Wetter. Es wird von einer Stahlkonstruktion getragen, die unabhängig von den Lehmwänden steht. So können die Wände atmen, ohne nass zu werden (CNN 2024).

Vor dem Bau wurden Prototypen in Barcelona getestet. Die Forscher des Institute for Advanced Architecture of Catalonia (IAAC) druckten zwei Meter hohe Wände und prüften ihre Stabilität. Die Ergebnisse waren vielversprechend. „Wenn man die richtige Mischung findet und die Wände vor Regen schützt, können diese Mauern sehr lange halten“, sagt De Kestelier (CNN 2024).

Ein Geschenk für die Gemeinschaft

Das vielleicht Schönste an Hope Village ist der Plan für die Zeit nach dem Bau. Der Drucker bleibt vor Ort. Die Dorfbewohner werden geschult, ihn zu bedienen und zu warten. Sie können damit weitere Gebäude errichten – für sich selbst, für ihre Familien, für ihre Zukunft (CNN 2024).

„In Afrika baut man nicht einfach für die Leute. Man baut mit ihnen“, sagt Mark Loughnan von Hassell. „Das ist kein einmaliges Projekt. Das ist ein Modell, das überall auf der Welt funktionieren könnte.“ (Yanko Design 2024). Die Bauarbeiten für das Gemeinschaftszentrum sollen Anfang 2025 beginnen. Und vielleicht, in ein paar Jahren, werden überall in Tansania Dörfer aus dem Drucker entstehen – gebaut aus der Erde unter den Füßen, für die Menschen, die dort leben.


Quellen:

guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

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