Wie du eine Jugendvertretung in deiner Stadt initiieren kannst

Was du über Jugendbeteiligung wissen solltest

In Finnland ist die Beteiligung junger Menschen gesetzlich verankert. Seit dem Gemeindegesetz müssen alle Kommunen einen Jugendrat oder eine gleichwertige Vertretung einrichten, die in allen Angelegenheiten, die junge Menschen betreffen, mitreden darf (Youth Wiki Finland 2025). Die Jugendräte werden demokratisch gewählt – in Helsinki waren 2025 über 33.000 Jugendliche wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung lag bei 44,8 Prozent (Helsingin kaupunki 2025).

In Deutschland gibt es kein solches Bundesgesetz, aber viele Städte und Gemeinden haben eigene Jugendparlamente, -foren oder -beiräte eingeführt. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt solche Initiativen mit Materialien und Beratung (DKJS 2025). Oft müssen Jugendliche jedoch selbst initiativ werden und ihre Rechte einfordern.

*[Wusstest du? In Helsinki erhielt der 16-jährige Kasimir Järvinen bei der Jugendratswahl 2025 über 2.500 Stimmen – mehr als manche Kandidaten bei richtigen Kommunalwahlen.]*

Schritt-für-Schritt: Jugendbeteiligung selbst in die Hand nehmen

Materialien:

  • Eine Gruppe engagierter Jugendlicher

  • Kontakt zur Stadtverwaltung oder zum Jugendamt

  • Ein Konzept, was ihr erreichen wollt

  • Unterstützung von Erwachsenen (Lehrer, Jugendleiter, Eltern)

Los geht’s:

  1. Informiere dich über bestehende Modelle: In vielen deutschen Städten gibt es bereits Jugendparlamente – von Aachen bis Zwickau. Die Kommunen in Finnland sind gesetzlich verpflichtet, Jugendliche einzubeziehen. In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung, aber viele gute Beispiele. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung bietet Materialien und Beratung an (DKJS 2025).

  2. Finde Verbündete: Sprich mit Mitschülern, Freunden, Jugendgruppen. Je mehr Unterstützer du hast, desto schwerer kann die Politik euch ignorieren. Je vielfältiger die Gruppe, desto besser.

  3. Gehe auf die Stadtverwaltung zu: In vielen Gemeinden gibt es Beauftragte für Kinder- und Jugendbeteiligung oder Jugendpfleger. Frage nach, ob es bereits Strukturen gibt oder Pläne, welche zu schaffen. Vereinbare einen Termin und präsentiere eure Ideen.

  4. Fordert ein Jugendparlament oder einen Jugendbeirat: Orientiert euch am finnischen Modell: regelmäßige Wahlen, festes Budget, Anhörungsrecht in Jugendfragen. Je konkreter eure Forderung, desto ernster werdet ihr genommen. Legt gleich einen Zeitplan vor, wann die ersten Wahlen stattfinden könnten.

  5. Nutzt Wahltermine: In Helsinki finden die Jugendratswahlen parallel zu anderen Wahlen statt, das erhöht die Aufmerksamkeit. Auch in Deutschland lassen sich Kommunal- oder Europawahlen für eigene Aktionen nutzen. Vielleicht könnt ihr eure Wahlen zeitgleich organisieren.

  6. Bleibt dran: Verwaltungen arbeiten langsam. Seid geduldig, aber hartnäckig. Erinnert regelmäßig an eure Forderungen, sucht den Kontakt zu Lokalpolitikern, nutzt die Presse.

Was du beobachten wirst:

Am Anfang werdet ihr vielleicht belächelt. „Jugendliche, die mitreden wollen – na, viel Spaß.“ Aber wenn ihr dranbleibt, wird sich etwas bewegen. In Helsinki hat sich die Wahlbeteiligung bei Jugendratswahlen in den letzten Jahren fast verdoppelt. In Oulu gibt es feste Sitzungsgelder und echtes Rederecht in Ausschüssen. Auch in Deutschland gibt es ermutigende Beispiele: In Köln entscheiden Jugendliche über 50.000 Euro im Jahr mit, in Freiburg gibt es einen Jugendgemeinderat mit 20 gewählten Mitgliedern.

[Wusstest du? In Finnland sitzen Jugendvertreter in den Ausschüssen für Bildung, Kultur, Soziales und Stadtentwicklung – mit Rede-, aber ohne Stimmrecht. Ihre Vorschläge müssen von der Verwaltung ernsthaft geprüft werden.]

Warum das mehr ist als nur Politik:

Jugendliche in Helsinki, Oulu oder Riihimäki haben heute ein echtes Mitspracherecht. Sie werden von der Verwaltung gehört, ihre Vorschläge landen nicht in der Schublade, und sie erleben, dass Demokratie kein Schulfach ist, sondern etwas, das man täglich üben kann.

Deine Initiative, egal wie klein sie beginnt, ist Teil dieser Übung. Sie zeigt, dass junge Menschen nicht nur die Zukunft sind, sondern auch die Gegenwart. Dass sie heute schon Verantwortung übernehmen können. Dass ihre Stimme zählt.

Die 16-jährige Emilia aus Helsinki, die im Jugendrat sitzt, hat es auf den Punkt gebracht: „Wir sind nicht die Erwachsenen von morgen. Wir sind die Jugendlichen von heute. Und wir haben etwas zu sagen.“ (Helsingin kaupunki 2025)

Deine Stadt, deine Gemeinde, dein Viertel – auch dort gibt es Jugendliche mit Ideen, mit Energie, mit dem Willen, etwas zu bewegen. Vielleicht gehörst du dazu. Vielleicht wirst du der Kasimir Järvinen deiner Stadt. Vielleicht bekommst auch du 2.500 Stimmen. Aber selbst wenn nicht: Du hast etwas bewegt. Und das ist mehr, als die meisten Erwachsenen von sich behaupten können.


Quellen (DIY):

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (2025): Jugendbeteiligung in Kommunen – Handbuch für die Praxis. Verfügbar unter: https://www.dkjs.de/jugendbeteiligung

Servicestelle Jugendbeteiligung (2025): Jugendparlamente in Deutschland – Bestandsaufnahme und Tipps. Verfügbar unter: https://www.jugendbeteiligung.info

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