Louise Mabulo – Wie eine philippinische Meisterköchin mit dem Cacao Project die Landwirtschaft revolutioniert [Philippinen]

Es begann mit einem Taifun. Als Nock-ten im Dezember 2016 über die Philippinen hinwegfegte, hinterließ er eine Spur der Verwüstung. In San Fernando, einer Stadt in der Provinz Camarines Sur, wurden 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen zerstört. Häuser weggeschwemmt, Ernten vernichtet, Existenzen ausgelöscht. Louise Mabulo war damals 18 Jahre alt – und sie sah etwas, das alle anderen übersahen: Die Kakaobäume hatten dem Sturm getrotzt. Sie standen noch, viele trugen sogar Früchte. In diesem Moment begriff die junge Köchin, dass hier der Schlüssel liegen könnte, um ihre Heimat widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen (UNEP 2019a).

[Wusstest du? Die Philippinen gehören zu den am stärksten von Taifunen bedrohten Ländern der Welt. Jedes Jahr ziehen durchschnittlich 20 Wirbelstürme über den Inselstaat. Für die Landwirtschaft bedeutet das immer wieder existenzielle Verluste.]

Vom Kochtopf aufs Feld

Mit 12 Jahren war Louise Mabulo bereits Finalistin bei der philippinischen Version von „Junior MasterChef“. Sie gewann Preise, kochte in renommierten Küchen, galt als Wunderkind der philippinischen Gastronomie (Wikipedia 2024). Aber sie spürte, dass etwas fehlte. „Ich wurde von vielen Köchen und Mentoren gefördert, die dieses junge kulinarische Wunderkind entwickeln wollten“, erzählt sie. „Aber ich hatte das Gefühl, dass es nicht ausreichte, nur Köchin zu sein.“ (The ASEAN Magazine 2020).

Sie begann, sich für Landwirtschaft zu interessieren. Sie kaufte Kühe, baute ihr eigenes Gemüse an, lernte von Bauern in ihrer Heimat. Als der Taifun kam, wusste sie sofort, dass sie helfen musste. Sie organisierte eine Social-Media-Kampagne, sammelte Spenden – aber vor allem sammelte sie Saatgut. „Ich sah, wie verheerend die Auswirkungen wären, besonders wenn die Existenzgrundlage der Menschen vollständig von der Nahrungsmittelproduktion abhängt.“ (The ASEAN Magazine 2020).

[Wusstest du? Louise Mabulo war nicht die Einzige, die das Potenzial von Kakao erkannte. Sie beobachtete, dass die Kakaobäume nicht nur den Sturm überstanden hatten, sondern dass auch die Nachfrage nach hochwertigem Kakao weltweit stieg. Eine perfekte Kombination.]

Die Geburt des Cacao Projects

Aus dieser Erkenntnis wurde das „Cacao Project“. Die Idee war ebenso einfach wie revolutionär: Statt den Bauern vorzuschreiben, was sie tun sollen, fragte Louise sie, was sie brauchen. Gemeinsam suchten sie nach Pflanzen, die nicht nur klimaresistent waren, sondern auch einen guten Marktpreis erzielten. Kakao war die perfekte Wahl (UNEP 2019b).

„Heute arbeiten wir mit über 200 Bauern zusammen“, berichtet Louise. „Wir haben über 85.000 Bäume auf 85 Hektar Land gepflanzt. Die Bodenfruchtbarkeit hat sich verbessert, Wasserquellen wurden wiederbelebt – alles dank der Aufforstung und der Diversifizierung der Kulturen.“ (The ASEAN Magazine 2020). Inzwischen sind die Zahlen noch beeindruckender: Über 150.000 Bäume auf 160 Hektar (Young Activists Summit 2025).

Das Projekt funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die Bauern bekommen Kakaosetzlinge und werden in nachhaltigen Anbaumethoden geschult. Sie lernen, ohne schädliche Chemikalien zu arbeiten, traditionelle Methoden wiederzuentdecken und ihre Ernte so zu veredeln, dass sie höhere Preise erzielt. Im Gegenzug verpflichten sie sich, einen Teil ihrer Ernte zu fairen Bedingungen an das Projekt zu verkaufen – das wiederum Abnehmer im In- und Ausland sucht (The ASEAN Magazine 2020).

Die Macht der Stigmabekämpfung

Das Cacao Project ist aber mehr als nur ein Wirtschaftsprojekt. Louise kämpft gegen ein tief verwurzeltes Vorurteil: Dass Bauern arm, ungebildet und erfolglos seien. „Viele Bauern hier wollen aus der Landwirtschaft raus“, sagt sie. „Sie assoziieren diesen Beruf mit Armut. Wir zeigen ihnen, dass das Gegenteil möglich ist.“ (UNEP 2019b).

Sie tut das nicht mit großen Reden, sondern mit handfesten Erfolgen. Die erste Kakaoernte des Projekts im Jahr 2020 spülte umgerechnet etwa 180.000 Euro in die Kassen der beteiligten Bauern – eine stolze Summe für eine Region, in der viele Familien von weniger als zwei Euro am Tag leben (Wikipedia 2024). Plötzlich wurde der Kakaoanbau attraktiv. Junge Leute, die schon in die Städte abwandern wollten, blieben. Andere kamen zurück.

[Wusstest du? Louise gründete parallel das „Culinary Lounge“, ein Farm-to-Table-Projekt, das die Produkte der Bauern direkt in der Gastronomie vermarktet. So erleben die Köche und die Gäste hautnah, woher ihre Zutaten kommen – und wie wertvoll die Arbeit der Bauern ist.]

Internationale Anerkennung

2019 wurde Louise Mabulo vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) als „Young Champion of the Earth“ für Asien und den Pazifik ausgezeichnet. Sie war eine von nur sieben Gewinnern weltweit, ausgewählt aus über 1.000 Bewerbern (UNEP 2019c). Die Jury würdigte ihre Fähigkeit, Umweltschutz und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden – und damit ein Modell zu schaffen, das auf der ganzen Welt Schule machen könnte.

Ein Jahr später folgte die Aufnahme in die Forbes-Liste „30 under 30 Asia“. 2023 kürte sie die BBC zu einer der 100 einflussreichsten Frauen der Welt (Wikipedia 2024). Die internationale Presse lobte ihr Projekt als Beispiel dafür, wie junge Menschen den Klimawandel nicht nur bekämpfen, sondern auch wirtschaftliche Chancen daraus schaffen können.

Was bleibt

Heute ist Louise Mabulo 27 Jahre alt und längst eine gefragte Rednerin auf internationalen Konferenzen. Sie sprach vor den Vereinten Nationen, bei Klimagipfeln und vor Regierungsvertretern. Aber ihre Wurzeln hat sie nie vergessen. Sie lebt immer noch in San Fernando, arbeitet mit den Bauern zusammen und kocht in ihrer Freizeit.

„Ich hätte nie gedacht, dass mein Projekt einmal eine so prestigeträchtige Auszeichnung erhalten würde“, sagt sie. „Diese Auszeichnung wird dazu beitragen, meine Bemühungen zu unterstützen und zu beweisen, dass wir nachhaltige Lebensgrundlagen schaffen, Gemeinschaften stärken, die Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen erhöhen, die Ernährungssicherheit gewährleisten und gleichzeitig unsere Umwelt schützen können.“ (Tatler Asia 2019).

Ihre Botschaft an junge Menschen ist einfach: „Um eine Führungspersönlichkeit zu sein, muss man dienen. Und um eine große Wirkung zu erzielen, muss man vor Ort sein und sich in die Menschen einfühlen, für die man arbeitet.“ (The ASEAN Magazine 2020).


Quellen:

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