Arpit Dhupar – Wie ein indischer Ingenieur mit Chakr Innovation Dieselruß in Tinte verwandelt [Indien]
Es war ein heißer Tag in Delhi, als Arpit Dhupar an einem Straßenstand Zuckerrohrsaft trank. Vor Ort trieb ein kleiner Dieselmotor die Saftpresse an. Der Verkäufer hatte ein Rohr an den Auspuff angeschlossen, und während er arbeitete, wurde die Wand hinter ihm langsam schwarz – bedeckt mit Ruß. In diesem Moment hatte Dhupar eine Eingebung: „Kann man das nicht mit Absicht tun?“, fragte er sich. Statt die Wand zu verschmutzen, könnte man den Ruß vielleicht einfangen und nutzbar machen (UNEP 2018).
Aus dieser spontanen Beobachtung wurde Chakr Innovation – ein Unternehmen, das heute als einer der weltweit führenden Pioniere in der Emissionskontrolle gilt. Die Idee ist ebenso einfach wie revolutionär: Dieselruß, eines der gefährlichsten Umweltgifte, wird in hochwertige, ungiftige Tinte verwandelt. Und der Kreislauf schließt sich: „Chakr“ bedeutet auf Hindi „Kreislauf“ (UNEP 2018).
[Wusstest du? 90 Prozent der Todesfälle durch Luftverschmutzung ereignen sich in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Asien und Afrika. Allein in Indien sind schätzungsweise 80 Gigawatt Dieselgeneratoren im Einsatz – eine gewaltige, oft übersehene Quelle der Luftverschmutzung (Business Standard 2019).]
Von der Zuckerrohrpresse zur Welterfindung
Arpit Dhupar, geboren und aufgewachsen in Delhi, erlebte die verheerende Luftverschmutzung seiner Heimatstadt täglich am eigenen Leib. „Seit meiner Kindheit faszinierte mich die Wissenschaft“, erzählt er. „Als Ingenieur fühlte ich mich verantwortlich, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und globale Probleme zu lösen.“ (UNEP 2018).
Zusammen mit seinen Studienkollegen Kushagra Srivastava und Prateek Sachan, die er am Indian Institute of Technology (IIT) Delhi kennenlernte, gründete er 2016 Chakr Innovation (LinkedIn 2024). Ihr Ziel: eine Technologie zu entwickeln, die Dieselruß direkt an der Quelle abfängt – und gleichzeitig wirtschaftlich nutzbar macht. Die Herausforderung war gewaltig. Kein Gerät auf dem Markt war in der Lage, die winzigen, hochgiftigen Partikel effizient zu filtern, ohne den Motor zu beeinträchtigen (The Hindu 2018).
Wie der Chakr Shield funktioniert
Das Ergebnis ihrer Forschung ist der „Chakr Shield“, ein Gerät, das an jeden Dieselgenerator mit einer Leistung von 15 bis 2.000 kVA nachgerüstet werden kann (The Hindu 2018). Das Prinzip ist bestechend einfach: Der Abgasstrom wird gekühlt, durchläuft dann eine Reihe von Spezialfiltern, die die Rußpartikel zurückhalten, und wird schließlich gereinigt in die Umwelt abgegeben. Die Filter reinigen sich automatisch, der Ruß sammelt sich am Boden des Geräts (UNEP 2018).
Das eigentlich Geniale kommt danach: Der gesammelte Ruß, der zuvor als giftiger Abfall galt, wird chemisch aufbereitet. Karzinogene und Schwermetalle werden entfernt, übrig bleibt ein reines Kohlenstoffpigment – das gleiche Material, aus dem hochwertige Tinten und Farben hergestellt werden. Es ist ungiftig, wasserlöslich und in seiner Qualität mit industriell hergestellten Pigmenten vergleichbar (Business Standard 2019). Die Tinte erhielt den Namen „POINK“ – Pollution into Ink (The Hindu 2018).
[Wusstest du? Der Chakr Shield reduziert die Feinstaubemissionen um über 80 Prozent – bei gleichbleibender Motorleistung und minimalem Energieverbrauch von weniger als einem Prozent der Motorkapazität (UNEP 2018).]
Von der Werkstatt in die Weltwirtschaft
Was 2016 in einer kleinen Werkstatt begann, ist heute ein Unternehmen mit über 450 Mitarbeitern, davon mehr als 200 Ingenieure und Wissenschaftler (Outlook Business 2025). Das Unternehmen hat über 5.000 Installationen bei mehr als 2.000 Kunden realisiert und schätzt, dass seine Lösungen bisher über 2,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart haben (The Hindu Digital 2025).
Die Liste der Kunden liest sich wie das Who-is-Who der indischen Wirtschaft: Indian Oil, HPCL, Tata Realty, Reliance Industries und Amazon setzen die Technologie ein (LinkedIn 2024). Besonders stolz ist man auf die Partnerschaft mit Dell: Der Technologiekonzern verwendet die aus Dieselruß gewonnene Tinte für Verpackungen und Etiketten – und hat allein im ersten Jahr 150.000 Kartons damit bedruckt (The Hindu 2018).
Finanzierung und Expansion
Der Erfolg blieb nicht unbemerkt. 2018 gewann Dhupar den renommierten „Young Champion of the Earth“-Preis der Vereinten Nationen für Asien und den Pazifik (UNEP 2018). Es folgten mehrere Finanzierungsrunden: 2019 sammelte das Unternehmen 19 Crore Rupien (etwa 2,3 Millionen Euro) in einer Series-A-Runde unter Führung des IAN Fund ein (Business Standard 2019). 2021 folgte eine Series-B-Runde mit dem Neev Fund, und 2025 schließlich eine Series-C-Runde über 23 Millionen Dollar unter Führung von Iron Pillar – die bislang größte Finanzierung (The Hindu Digital 2025; Outlook Business 2025).
Das Geld fließt in den Ausbau der Fertigung, in internationale Expansion und vor allem in Forschung und Entwicklung. Chakr Innovation arbeitet bereits an der nächsten Generation von Umwelttechnologien: an DeNOx-Systemen zur Stickoxid-Reduktion, an IoT-basierten Überwachungslösungen und an Metall-Luft-Batterien, die Indiens Abhängigkeit von importierten Lithium-Ionen-Batterien reduzieren sollen (Outlook Business 2025). In den letzten Jahren hat das Unternehmen 42 Patentanmeldungen eingereicht (Outlook Business 2025).
Die Kunst des Kreislaufs
Der Name „Chakr“ ist Programm. Die Gründer verstehen ihr Unternehmen nicht nur als Technologieentwickler, sondern als Wegbereiter einer neuen Denkweise: Kohlenstoff, der einmal in die Atmosphäre gelangt ist, gilt als Problem. Bei Chakr wird er zum Rohstoff. „Unser Ziel ist es, den Kohlenstoffkreislauf zu schließen“, erklärt Dhupar. „Damit er nicht in der Atmosphäre, sondern in nützlichen Produkten landet.“ (UNEP 2018).
Der indische Künstler N Ponnappa, der mit POINK arbeitet, beschreibt die Besonderheit der Tinte so: „Sie lässt sich mit Wasser verdünnen, verändert ihre Farbe nicht und bleibt auch nach dem Trocknen intensiv schwarz. So schwarz wie nur möglich.“ (The Hindu 2018).
Quellen:
UNEP (2018): Young Champion of the Earth, winner for Asia Pacific. United Nations Environment Programme, 18.09.2018. https://www.unep.org/news-and-stories/story/young-champion-earth-winner-asia-pacific
Business Standard (2019): How a Gurugram-based start-up converts air pollutants into ink and paint. 14.07.2019. https://www.business-standard.com/article/companies/how-a-gurugram-based-start-up-converts-air-pollutants-into-ink-and-paint-119071400628_1.html
The Hindu (2018): A device that attempts to plug pollution at source. 16.07.2018. https://www.thehindu.com/sci-tech/technology/black-gold/article24433570.ece
LinkedIn (2024): Story of Chakr Innovation: From Air Quality Crisis to Global Sustainability Leader. Startup77, 02.07.2024. https://www.linkedin.com/posts/startup77_storyofchakrinnovation-chakrinnovation-activity-7214173490621349888-uIsq
The Hindu Digital (2025): Cleantech startup Chakr Innovation raises $23 Mn led by Iron Pillar. 21.09.2025. https://thehindu.digital/cleantech-startup-chakr-innovation-raises-23-mn-led-by-iron-pillar/
Outlook Business (2025): India’s Chakr Innovation Secures $23M for Manufacturing Expansion and Deeptech R&D. 22.09.2025. https://www.outlookbusiness.com/corporate/indias-chakr-innovation-secures-23m-for-manufacturing-expansion-and-deeptech-rd
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