„Endlich wieder eigenständig duschen“: Wie ein Hamburger Startup den Traum vom Wohnen im Alter wahr macht
Es ist einer dieser Momente, die das Leben in eine Vorher-Nachher-Zeit teilen. Seit dem Sturz in der Dusche vor einem Jahr traut sich Hildegard Schmidt, 82, nicht mehr allein ins Bad. Ihr Enkel hat Haltegriffe besorgt, im Baumarkt beraten, selbst geschraubt. Doch die Dusche bleibt eine Herausforderung – die Kante ist zu hoch, der Boden zu glatt. Frau Schmidt verbringt ihre Abende nun auf dem Sofa, wäscht sich nur noch notdürftig. Bis ihre Tochter eine Anzeige entdeckt: „besser zuhause – Ihr Experte für bedarfsgerechte Barrierefreiheit.“ Drei Wochen später duscht Frau Schmidt wieder – ohne Angst, ohne Hilfe, ohne die Kante, die sie monatelang daran erinnert hat, was sie nicht mehr kann.
Jeden Tag erleben in Deutschland tausende ältere Menschen diesen Moment: Das vertraute Zuhause wird zur Hindernisbahn. Die Schwelle zur Terrasse, das Bad mit der zu hohen Wanne, die Treppe, die sich plötzlich wie ein Berg auftürmt. Die meisten resignieren, manche ziehen um – viel zu früh, viel zu oft ins Pflegeheim. Dabei gibt es längst eine Lösung, die viel zu wenige kennen (besserzuhause.com 2021; Gründer.de 2017).
Die besser zuhause GmbH, 2017 in Hamburg gegründet, hat sich genau dieser Lücke angenommen. Die Idee ist so einfach wie genial: Pflegebedürftige haben einen gesetzlichen Anspruch auf bis zu 4.000 Euro Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von ihrer Pflegekasse – aber kaum einer weiß das, und noch weniger wissen, wie man ihn beantragt. Hier setzt das Startup an (Gründer.de 2017).
Wusstest du?
Jeder Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad hat Anspruch auf bis zu 4.000 Euro Zuschuss für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfelds – pro Person, nicht pro Haushalt. Das Geld kann für Umbauten, technische Hilfen oder auch für die Beratung selbst verwendet werden (besserzuhause.com 2021).
Ein Rundum-Sorglos-Paket fürs Zuhause
Was besser zuhause von klassischen Handwerksbetrieben unterscheidet, ist der ganzheitliche Ansatz. Das Unternehmen übernimmt alles aus einer Hand: die Beratung, die Planung, die Durchführung – und vor allem die Abrechnung mit der Pflegekasse. Für die Kundinnen und Kunden entstehen in der Regel keine Mehrkosten, der gesetzliche Zuschuss deckt die Maßnahmen meist vollständig ab (besserzuhause.com 2021).
Das Angebot umfasst alle Maßnahmen, die das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern: bodengleiche Duschen, Haltegriffe, Rampen, Treppenlifte, aber auch digitale Assistenzsysteme oder Notrufsysteme. Das Unternehmen arbeitet mit qualifizierten Handwerkspartnern zusammen, koordiniert Termine und sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft (besserzuhause.com 2021).
Ansprechpartnerin in Hamburg ist Christina Lindner, die telefonisch unter 040 696 3854 00 erreichbar ist und die Erstberatung übernimmt. Von der ersten Anfrage bis zur fertigen Dusche begleitet sie die Kunden durch den gesamten Prozess (besserzuhause.com 2021).
Wusstest du?
Die Nachfrage nach barrierefreien Umbauten steigt rasant. Laut einer Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe geben 85 Prozent der über 65-Jährigen an, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben zu wollen – doch nur ein Bruchteil kennt die finanziellen Fördermöglichkeiten (KDA 2023).
Ein Gewinn für alle
Das Geschäftsmodell von besser zuhause ist ein Paradebeispiel für soziales Unternehmertum. Die Pflegekassen sind froh, dass endlich jemand die oft komplizierten Anträge professionell abwickelt und die Mittel sinnvoll einsetzt. Die Handwerksbetriebe erhalten verlässliche Aufträge. Die Kundinnen und Kunden gewinnen Lebensqualität, Selbstständigkeit und oft Jahre an selbstbestimmtem Leben in der vertrauten Umgebung dazu.
Und die Gesellschaft spart Geld: Jeder Monat, den ein Pflegebedürftiger länger zu Hause verbringen kann, entlastet das ohnehin überlastete Pflegesystem. Eine Studie des Instituts für Arbeit und Technik belegt, dass Maßnahmen zur Wohnraumanpassung die Heimeinweisungen signifikant reduzieren können – und sich damit vielfach refinanzieren (IAT 2022).
Was bleibt
besser zuhause ist heute in Hamburg fest etabliert und hat unzähligen älteren Menschen geholfen, ihren Traum vom selbstbestimmten Wohnen im Alter zu verwirklichen. Die Vision der Gründer geht aber weiter: „Unser Name ist unsere Vision“, heißt es auf der Website. „Den Wunsch Pflegebedürftiger erfüllen, länger zuhause bleiben zu können, statt ins Pflegeheim zu müssen“ (besserzuhause.com 2021).
In einer alternden Gesellschaft wird dieser Ansatz immer wichtiger. Denn am Ende geht es nicht nur um Duschen und Haltegriffe. Es geht um Würde. Um Selbstbestimmung. Um das Gefühl, auch mit 85 noch Herr im eigenen Haus zu sein – und nicht fremdbestimmt in einem Heim zu landen, nur weil eine Tür zu schmal oder eine Schwelle zu hoch ist.
Quellen:
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besserzuhause.com. 2021. „Herzlich Willkommen“. [online] Verfügbar unter: https://www.besserzuhause.com/herzlich-willkommen [Zugriff am 16. März 2026].
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Gründer.de. 2017. „besser zuhause: Hilfe für ein selbstbestimmtes Leben im Alter“. [online] Verfügbar unter: https://www.gruender.de/startups/besser-zuhause/ [Zugriff am 16. März 2026].
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IAT – Institut für Arbeit und Technik. 2022. „Wohnungsanpassung als Schlüssel für selbstbestimmtes Wohnen im Alter“. [online] Verfügbar unter: https://www.iat.eu/forschung/publikationen/ [Zugriff am 16. März 2026].
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KDA – Kuratorium Deutsche Altershilfe. 2023. „Wohnen im Alter: Bedarfe und Lösungen“. [online] Verfügbar unter: https://www.kda.de/publikationen [Zugriff am 16. März 2026].
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