„Mein Dorf in der Tasche“: Wie eine App 200 Menschen in Grambow miteinander verbindet

Es ist kurz nach 17 Uhr in Grambow, einer kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern. Im Dorfladen trudeln die letzten Kunden ein, als plötzlich ein Ping auf vielen Smartphones gleichzeitig ertönt. „Der frische Apfelsaft ist da!“, steht in der DorfFunk-App. Wenige Minuten später ist die erste Kiste vergriffen. Was wie ein kommerzieller Werbesender klingt, ist in Wahrheit das digitale Herzstück eines Dorfes, das gezeigt hat: Moderne Technik und ländliches Miteinander passen wunderbar zusammen.

Als das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) 2018 die App DorfFunk entwickelte, hatten die Forscher eine klare Vision: Den ländlichen Raum durch Digitalisierung beleben, die Abwanderung bremsen und vor allem: die Menschen miteinander verbinden (Fraunhofer IESE o.J. ). Was in Kaiserslautern als Idee begann, fand in Grambow seine vielleicht schönste Verwirklichung.

Die Gemeinde im Amt Lützow-Lübstorf zählt etwa 600 Einwohner. Als das Land Mecklenburg-Vorpommern 2021 die App landesweit kostenlos zur Verfügung stellte, war Grambow eine der ersten Modellgemeinden, die mitmachten (Kommune21 2021 ). Heute, fünf Jahre später, nutzt rund ein Drittel der Bevölkerung die App regelmäßig – über 200 Menschen sind im digitalen Dorfnetzwerk aktiv (eigene Recherche).

Wusstest du?
Die App wurde vom Fraunhofer IESE entwickelt und hieß ursprünglich DorfFunk. 2026 erfolgte die Weiterentwicklung zu StadtLand.Funk – mit modernisiertem Layout und erweiterten Funktionen. Die Gemeinde Grambow bleibt auch weiterhin Teil der digitalen Dorffamilie (mv-aktuell.de 2025 ).

Von der Anschlagtafel in die Hosentasche

Was die DorfFunk-App so erfolgreich macht, ist ihre Einfachheit. Sie funktioniert wie eine digitale Anschlagtafel – nur eben immer dabei. Die Funktionen lesen sich wie eine Wunschliste für gelebte Nachbarschaft: „Biete“ und „Suche“ für Hilfe aller Art, Mitfahrgelegenheiten, Veranstaltungshinweise, amtliche Meldungen, und natürlich ein digitaler Plausch-Kanal für zwanglose Unterhaltung (Apple App Store 2025 ; Google Play 2025 ).

In Grambow hat die App längst das Gemeindeleben durchdrungen. Der Dorfladen informiert hier über frische Ware und Aktionen. Die Gemeinde verbreitet amtliche Nachrichten. Der Sportverein sucht neue Mitglieder. Und nicht zuletzt nutzen die Bürgerinnen und Bürger den Kanal, um Hilfe anzubieten oder selbst zu suchen: Wer braucht Unterstützung beim Einkauf? Wer kann den Rasenmäher ausleihen? Wer fährt morgen nach Schwerin und hat noch einen Platz frei? (Unser Grambow 2021 ).

Wusstest du?
Die App ist datensicher und verschlüsselt. Das Fraunhofer IESE legte von Anfang an großen Wert auf Datenschutz – ein Grund, warum sich das Land Mecklenburg-Vorpommern für die landesweite Einführung entschied (mv-aktuell.de 2021 ).

Was die Menschen daraus gemacht haben

Besonders spannend ist, was die Grambower selbst aus der App gemacht haben. Sie ist kein reines Empfangsgerät für offizielle Nachrichten, sondern ein lebendiger Marktplatz der Ideen und Hilfsangebote geworden. Die Apfelsaftaktion des Dorfladens, bei der aus eigenen Äpfeln 1.260 Liter Saft gepresst wurden, wäre ohne die schnelle digitale Verbreitung kaum so erfolgreich gewesen (Unser Grambow 2020 ). Die Weihnachtsbaum-Aktion für Kinder, die digitale Grüße an ihre Verwandten schickten, verbreitete sich ebenso über die App (Unser Grambow 2020 ).

„Haben Sie schon – unsere DorfFunk-App?“, fragte die Gemeinde 2021 auf ihrer Website. „Infos zu Veranstaltungen, Angebote aus dem Dorfladen, amtliche Meldungen, Mitfahrgelegenheiten, Bieten & Suchen-Funktion oder einfach nur plauschen. Bleiben Sie mit unserer Gemeinde in Kontakt und funken Sie mit“ (Unser Grambow 2021 ). Die Botschaft kam an.

Ein neues Kapitel

Zum Jahresende 2025 lief die landesweite Lizenz aus, die das Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert hatte. Doch die Gemeinde Grambow setzte sich auf Amtsebene erfolgreich für eine Fortsetzung ein. Gemeinsam mit den anderen Gemeinden des Amtes Lützow-Lübstorf erwarb man eine gemeinsame Lizenz für die Nachfolge-App „StadtLand.Funk“, die das Fraunhofer IESE an die SmartesLand GmbH verkauft hatte (mv-aktuell.de 2025 ).

Der Umstieg ist denkbar einfach: Die neue App wird heruntergeladen, die alten Zugangsdaten funktionieren weiter, alle Beiträge, Kommentare und Gruppen bleiben erhalten. Und die Gemeinde Grambow behält ihren eigenen Auftritt in der App – nur dass jetzt auch die Nachbargemeinden sichtbar werden, je nachdem, wie weit man die Reichweite einstellt (mv-aktuell.de 2025 ).

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Ein Dorf lebt nicht nur von seinen Straßen und Häusern, sondern vor allem von der Kommunikation seiner Menschen. Die DorfFunk-App in Grambow hat gezeigt, dass Digitalisierung genau das sein kann – ein Werkzeug für mehr Miteinander, nicht für weniger. Und das Schöne: Es funktioniert immer noch wie eine gute alte Anschlagtafel. Nur dass heute jeder sie in der Hosentasche trägt.


Quellen:


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