Shady Rabab – Wie ein ägyptischer Künstler mit der Garbage Conservatoire Band aus Müll Musik macht [Ägypten]

Es war ein Anblick, der Shady Rabab nicht mehr losließ: Kinder, die in Luxor, der Stadt der Pharaonen, auf Müllbergen kletterten. Sie sammelten Plastik, Glas und Metall, um es an Händler zu verkaufen – für ein paar Cent, ohne Schutz, ohne Zukunft. Die Männer, die sie beauftragten, schrien sie an, behandelten sie schlecht. Rabab, damals Student der Bildenden Künste, fragte sich: Warum können diese Kinder nicht einfach Kinder sein? Warum lernen sie nicht, spielen nicht, lachen nicht? Aus dieser Frage wurde eine Idee, die heute als eines der kreativsten Umweltprojekte der Welt gilt: die „Garbage Conservatoire Band“. Kinder, die Müll sammeln, lernen aus eben diesem Müll Instrumente zu bauen – und darauf Musik zu machen (UNEP 2018a).

[Wusstest du? Shady Rabab wurde 2018 von der UNEP als „Young Champion of the Earth“ für Afrika ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Dollar dotiert und unterstützt junge Umweltpioniere bei der Umsetzung ihrer Ideen (UNEP 2018b).]

Eine Idee wächst im Müll

Shady Rabab stammt aus Sohag in Oberägypten. Er studierte Malerei an der Universität Luxor und schloss mit einem Master ab (UNEP 2018a). Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Musik und den Bau von Instrumenten. Als er nach Luxor zog, sah er die Müllberge, die die Straßen säumten – und die Kinder, die darin wühlten. „Es hat mich am Boden zerstört, dass unsere Umwelt wie Müll behandelt wird“, erzählt er (UNEP 2018b).

Statt die Flaschen wegzuwerfen, begann er, sie als potenzielle Flöten, Klarinetten oder Oboen zu sehen. „Ich dachte mir: Warum zeigen wir jungen Menschen nicht, dass jeder etwas verändern kann?“ (UNEP 2018b). Er gründete das „Rabab Luxor Art Collective“ – benannt nach einem traditionellen Streichinstrument – und begann, Kindern aus der Müllsammlerszene kostenlose Workshops anzubieten (LifeGate 2018).

[Wusstest du? In Ägypten sind etwa 12 Milliarden Plastiktüten pro Jahr im Umlauf. Viele landen in Flüssen und im Meer. Shady Rababs Projekt verwandelt dieses Problem in eine Ressource (Xinhua 2019).]

Vom Müll zum Musikinstrument

Das Prinzip ist einfach, aber genial: Aus alten Plastikflaschen werden Flöten, aus Dosen werden Trommeln, aus Holzresten werden Klangkörper. Rabab bringt den Kindern bei, wie man die Materialien reinigt, zuschneidet, bohrt und zusammensetzt. Dann lernen sie, darauf zu spielen – Rhythmen, Melodien, ganze Stücke. Die Gruppe nennt sich stolz „Garbage Conservatoire Band“ (UNEP 2018a).

Inzwischen nehmen regelmäßig 70 Kinder an den wöchentlichen Workshops teil. Sie kommen aus den ärmsten Familien der Region, viele arbeiten selbst als Müllsammler. Das Projekt gibt ihnen nicht nur eine neue Fähigkeit, sondern vor allem: Würde, Gemeinschaft, eine Stimme (LifeGate 2018).

Die Band hat bereits ihr erstes Musikvideo gedreht, „Belle Mama“, vor der Kulisse der Tempel von Luxor und auf Booten auf dem Nil. Ein freiwilliger Musiklehrer kommt extra aus Sohag, um die Kinder in Perkussion, Blas- und Saiteninstrumenten zu unterrichten (Xinhua 2019).

Von Luxor in die Welt

2018 wurde Shady Rabab von der UNEP als „Young Champion of the Earth“ für Afrika ausgezeichnet. Er reiste nach New York, um den Preis entgegenzunehmen – gemeinsam mit Schauspielern wie Alec Baldwin und Dia Mirza (LifeGate 2018). Das Preisgeld nutzte er, um sein Projekt auszuweiten, einen Projektmanager einzustellen und neue Partnerschaften aufzubauen (UNEP 2019).

Kurz darauf folgte die erste internationale Reise: Rabab reiste nach Kibera, einem der größten Slums Afrikas in Nairobi, Kenia. Dort leitete er Workshops an einer lokalen Schule und brachte Kindern bei, aus Plastikmüll Instrumente zu bauen. „Mein Traum ist es, durch ganz Afrika zu reisen und Kindern beizubringen, wie sie ihre eigenen Instrumente aus Müll herstellen können“, sagte er damals. „Wir werden kleine Werkstätten einrichten, dann werden die Kinder es einander beibringen – und die Idee wird sich verbreiten.“ (UNEP 2019).

Der Traum von einer afrikanischen Bewegung

Rabab träumt von einer Schule, die seine Fähigkeiten weitergibt, von einer wachsenden Bewegung, die Kunst, Umweltbildung und sozialen Wandel verbindet. „Die Kinder, die Musik mit recycelten Instrumenten spielen, können Alternativen im Umgang mit Müll aufzeigen“, erklärt er. „Sie lernen, sich auszudrücken – und vor allem lernen sie Solidarität und Gemeinschaft.“ (LifeGate 2018).

Heute lebt Shady Rabab in Kanada, wo er weiter Musik studiert und lernt, wie man Instrumente mit 3D-Druck upcycelt. Sein Herz aber schlägt für Luxor, für die Kinder, die er aufbaute, für die Band, die weitermacht (UNEP 2018a). Ein Stück weit hat er seinen Traum schon verwirklicht: Aus Müll wurde Musik, aus Müllsammlern wurden Musiker, aus einer Idee wurde eine Bewegung.


Quellen:

UNEP (2018a): Shady Rabab – Young Champion of the Earth 2018 for Africa. United Nations Environment Programme. https://www.unep.org/youngchampions/bio/2018/africa/shady-rabab

UNEP (2018b): Young Champion of the Earth, winner for Africa. https://www.unep.org/news-and-stories/story/young-champion-earth-winner-africa

LifeGate (2018): Un musicista egiziano trasforma i rifiuti di plastica in strumenti musicali. https://www.lifegate.it/musicista-egiziano-shady-rabab-trasforma-rifiuti-plastica-in-strumenti-musicali

Xinhua (2019): Feature: Egyptian artist turns garbage into musical instruments. http://www.xinhuanet.com/english/2019-10/16/c_138477216.htm

UNEP (2019): Tuning in to a brighter future. https://www.unep.org/youngchampions/news/story/tuning-brighter-future

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