„So schmeckt Frieden“: Wie zwei Berliner mit Safran aus Afghanistan die Welt verändern

Es ist eine dieser Begegnungen, die alles verändern. Salem El-Mogaddedi, in Berlin geboren mit jemenitischen Wurzeln, und Gernot Würtenberger, Österreicher und leidenschaftlicher Reisender, sitzen 2015 in Istanbul in einem Café. Salem hat einen Safran dabei, den er von seiner Reise nach Afghanistan mitgebracht hat – edel, aromatisch, eine Weltneuheit. Die beiden kosten, schweigen, sehen sich an. In diesem Moment wird ihnen klar: Dieses Produkt könnte mehr sein als nur ein Gewürz. Es könnte eine Brücke sein – in eines der gefährlichsten Länder der Welt (Deutschlandfunk 2021; Conflictfood o.J.).

Aus dieser Idee entstand Conflictfood, gegründet 2016 in Berlin. Die Mission: Mit landestypischen Spezialitäten aus Konfliktregionen eine wirtschaftliche Perspektive schaffen – und nebenbei das Bild dieser Länder in den Köpfen der Menschen verändern. Keine Kriege, keine Katastrophen, keine Hilflosigkeit. Sondern Safran aus Afghanistan, geröstetes Getreide aus Palästina, wildwachsender Tee aus Myanmar. Produkte, die eine andere Geschichte erzählen (Conflictfood o.J.; Deutschlandfunk 2021).

„Unser Konsum verändert die Welt“, ist die Überzeugung der Gründer. „Wir entscheiden mit jedem Kauf, wie Lebensmittel hergestellt werden und in welcher Welt wir leben möchten. Wollen wir Kriege, Armut und Ausbeutung weiter unterstützen? Oder wollen wir den Menschen vor Ort neue Perspektiven bieten?“ (Conflictfood o.J.)

Wusstest du?
Safran aus Afghanistan? Die wenigsten wissen, dass das Land aufgrund seines Klimas und seiner Höhenlagen ideal für den Anbau des teuersten Gewürzes der Welt ist. Die Ernte erfolgt per Hand – 150.000 Blüten ergeben gerade einmal ein Kilo Safran. In Blindverkostungen schnitt afghanischer Safran bereits mehrfach besser ab als der spanische oder iranische (Tagesspiegel 2017).

Reisen in die Konfliktherde

Was Conflictfood von anderen Fairtrade-Importeuren unterscheidet, ist der radikale Ansatz: Die Gründer reisen selbst an die Konfliktherde dieser Welt, suchen nach landestypischen Spezialitäten und handeln direkt mit den Bäuerinnen und Bauern vor Ort. Ehrlich. Direkt. Fair. Auf Augenhöhe (Conflictfood o.J.).

Für den Safran aus Afghanistan bedeutet das: Zusammenarbeit mit einer Frauenkooperative in Herat, die den Safran anbaut und erntet. Für den gerösteten Getreide-Mix „Al Freekeh“ aus Palästina: Eine Kooperative im Westjordanland, die nach alten Traditionen arbeitet. Und für den Tee aus Myanmar: Kleinbäuerinnen im Shan State, deren wildwachsende Teesträucher seit Generationen in der Familie sind (Der Paritätische 2023).

Die Produkte werden nicht nur importiert, sondern auch mit Geschichten versehen. Jede Packung erzählt von den Menschen, die dahinterstehen, von ihren Hoffnungen und Kämpfen, von der Kultur und den Traditionen ihrer Heimat. Das schafft Verbindung – und Verständnis (Deutschlandfunk 2021).

Wusstest du?
Der Name Conflictfood ist bewusst provokant gewählt. Er soll aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig ist er Programm: Aus Konfliktregionen kommen nicht nur schlechte Nachrichten, sondern auch kulinarische Schätze (Tagesspiegel 2017).

Ein anderes Bild von Herkunftsländern

Für Salem El-Mogaddedi ist die Arbeit auch eine persönliche Mission. Sein Vater stammt aus dem Jemen, auch dort herrscht Krieg. „Ich wollte schon immer etwas tun, um das Bild dieser Länder zu verändern“, sagt er. „Nicht nur das Elend zeigen, sondern auch die Schönheit, die Kultur, die Menschen“ (Deutschlandfunk 2021).

Genau das gelingt Conflictfood. In den Medienberichten über das Unternehmen geht es nicht um Flüchtlingszahlen oder Anschläge, sondern um Safran, um Tee, um uralte Erntetraditionen. Die Produkte werden in Sterneküchen verwendet, von Feinschmeckern geschätzt, auf Gourmetmessen präsentiert. Das verändert die Perspektive – und schafft Wertschätzung (Tagesspiegel 2017).

Das Geschäftsmodell ist bewusst nachhaltig angelegt: Die Bäuerinnen und Bauern erhalten faire Preise, langfristige Abnahmegarantien und Unterstützung beim Aufbau ihrer Betriebe. Gleichzeitig klärt Conflictfood in Deutschland über die Hintergründe auf – in Vorträgen, Workshops, Verkostungen. „Wir wollen Bewusstsein schaffen für globale Zusammenhänge und politisch motivierten Konsum“ (Conflictfood o.J.).

Was bleibt

Heute, zehn Jahre nach der Gründung, ist Conflictfood eine feste Größe in der Berliner Start-up-Szene. Die Produkte sind in Feinkostläden, auf Märkten und im Online-Shop erhältlich. Aber die Mission ist dieselbe geblieben: „Wir möchten eine langfristige, wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Menschen in Konfliktregionen aufbauen und gemeinsam mit ihnen eine friedliche Perspektive schaffen. Es liegt uns am Herzen, eine andere Geschichte von Ländern und Menschen zu erzählen und einen Beitrag zur Bekämpfung von globalen Fluchtursachen zu leisten“ (Conflictfood o.J.).

In einer Zeit, in der die Welt immer mehr auseinanderzudriften scheint, ist das ein radikales Gegenprogramm. Eines, das zeigt: Konsum kann mehr sein als Konsum. Er kann Frieden schmecken.


Quellen:


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