„Wiederverwenden statt verschwenden“: Wie zwei Emmentaler die Entsorgungshöfe der Schweiz revolutionieren

Es ist ein vertrautes Bild nach den Festtagen: Auf den Entsorgungshöfen herrscht Hochbetrieb. Die Leute bringen kaputte oder ausgediente Möbel, Elektrogeräte und Haushaltsgegenstände vorbei – Bildschirme, Stühle, Haarföhne. Was die meisten nicht wissen: Vieles davon wäre noch zu retten. Plattenspieler, die nur eine neue Nadel brauchen. Bohrmaschinen mit einem defekten Kabel. Ein Freischwinger, der neu gepolstert werden muss. Und genau hier setzt Pretty Good an – ein Start-up, das aus der Not eine Tugend macht und aus Abfall wieder Wert schafft (Stadt Thun, 2024).

Jonas Beer und Jonas Morgenthaler, beide im Emmental aufgewachsen, teilen eine Überzeugung: „Wir lieben wertige, schöne Dinge“ (MoveTheDate Switzerland, 2025). In ihrer Heimat ist das Reparieren von Gegenständen tief verwurzelt. Diese Mentalität wollten sie in die Gegenwart retten – und gründeten 2023 Pretty Good (SENS, 2025). Ihr Ziel: Die Lebensdauer von Alltagsgegenständen verlängern und unser Konsumverhalten kreislauffähig machen (Migros, o.J.).

Das Konzept ist ebenso simpel wie genial: Auf Entsorgungshöfen in Bern und Thun können Bürgerinnen und Bürger funktionstüchtige oder leicht defekte Gegenstände spenden, statt sie zu entsorgen – Lampen, Spielzeuge, Musikinstrumente, Koffer, Haushaltgeräte (Stadt Bern, 2024). Das Personal prüft den Zustand, Pretty Good sammelt die Ware ein, bereitet sie auf und verkauft sie secondhand weiter – online auf Ricardo, in Brockenhäusern oder über Arbeitsintegrationsprojekte (Berner Zeitung, 2025). Rund 80 Prozent der gespendeten Gegenstände können so wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden (Migros, o.J.).

Wusstest du?
Würden wir unsere Alltagsgegenstände in der Schweiz nur ein Jahr länger nutzen, könnten wir jährlich 1,8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen – das entspricht etwa vier Prozent der gesamten Schweizer Emissionen (Migros, o.J.).

Reparieren leicht gemacht

Doch Pretty Good ist mehr als eine Secondhand-Sammelstelle. Wer seinen defekten Lieblingsgegenstand nicht hergeben möchte, kann einen Reparaturservice nutzen. Über die Website prettygood.repair lässt sich unverbindlich ein Kostenvoranschlag anfordern – innerhalb von 48 Stunden (Berner Zeitung, 2025). Wird dieser angenommen, kann der Gegenstand an einer Drop-Off-Station abgegeben oder per Post eingeschickt werden. Fachpartner reparieren ihn, und er kommt funktionstüchtig zurück (Alternative Bank Schweiz, o.J.).

Das Angebot boomt: Monatlich erhält Pretty Good zwischen 250 und 350 Produkte, Tendenz steigend (Berner Zeitung, 2025). Hauptfinanzierungspartner ist der Migros-Pionierfonds, zusätzlich unterstützen Stiftungen das Projekt (Migros, o.J.). Die Alternative Bank Schweiz gewährte ein Darlehen über 70.000 Franken (Alternative Bank Schweiz, o.J.).

Im September 2024 erhielt Pretty Good den mit 10.000 Franken dotierten Hauptpreis des Berner Nachhaltigkeitspreises. Gemeinderat Reto Nause würdigte das Projekt als Weg vom traditionellen „Kaufen-Brauchen-Wegwerfen“ hin zum Kreislaufdenken (Stadt Bern, 2024). „Das schont Ressourcen, vermeidet Abfall und verringert den ökologischen Fussabdruck“ (punkt4.info, 2024).

Wusstest du?
Laut einer Umfrage des gfs-zürich möchten über 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer vermehrt Gegenstände reparieren lassen. Die Hürden sind jedoch oft zu hoch – genau hier setzt Pretty Good an (Migros, o.J.).

Was bleibt

Nach der erfolgreichen Pilotphase in Bern und Thun sind weitere Projekte in Biel, Winterthur und Zürich in Planung (SENS, 2025). Das Ziel von Jonas Beer ist ambitioniert: „In fünf Jahren wollen wir einen suffizienten Konsum massentauglich machen und eine echte Alternative zum Neukauf bieten“ (MoveTheDate Switzerland, 2025).

Pretty Good ist Mitglied bei SENS, dem Netzwerk für Social Entrepreneurship Schweiz (SENS, 2025). Und die Gründer wissen: Der Weg ist steinig. „Unsere Gesellschaft hat über Jahrzehnte Strukturen aufgebaut, die auf dem Prinzip ‚take-make-waste‘ basieren. Eine solche Transformation verlangt nicht nur innovative Ansätze, sondern auch Ausdauer, Ressourcen und das Zusammenspiel vieler Akteure“ (MoveTheDate Switzerland, 2025).

Doch wer Jonas Beer an einem seiner chaotischen Tage im Lager trifft, wie er mit dem Palettrolli durch die Hallen fährt, spürt: Diese Begeisterung ist ansteckend. „Jeder Tag ist anders, spannend und auch ziemlich herausfordernd“ (Berner Zeitung, 2025). Genau diese Mischung braucht es, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Oder wie die Gründer selbst sagen: „Es dreht sich alles im Kreis – Pretty Good für dich und unseren Planeten“ (MoveTheDate Switzerland, 2025).


Quellen:

  • Stadt Thun. 2024. „Spenden statt entsorgen: Stadt Thun unterstützt Pilotprojekt“. [online]

  • Stadt Bern. 2024. „Pretty Good gewinnt den Berner Nachhaltigkeitspreis 2024“. [online]

  • Migros. o.J. „Pretty Good: Wiederverwenden statt verschwenden“. [online]

  • Alternative Bank Schweiz. o.J. „Pretty Good GmbH“. [online]

  • punkt4.info. 2024. „Pretty Good erhält Berner Nachhaltigkeitspreis“. [online]

  • SENS. 2025. „Neues Mitglied bei SENS: Pretty Good GmbH“. [online]

  • MoveTheDate Switzerland. 2025. „Es dreht sich alles im Kreis – Pretty Good für dich und unseren Planeten“. [online]

  • Berner Zeitung. 2025. „Flicken statt wegwerfen: Sie retten jeden Monat Hunderte Möbel, Elektrogeräte und Maschinen“. [online]


guteideenblog.org sollte ein interner Link sein. guteideenblog.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert