Die grüne Revolution auf Ecuadors Dächern: Wie Liliana Jaramillo Pazmiño Quito zurück in die Natur führt

Wenn Liliana Jaramillo Pazmiño heute durch Quito geht, blickt sie nach oben. Nicht zu den Wolken, sondern auf die Dächer. „Rooftops sind im Grunde genommen verschwendeter Raum – übrig gebliebenes Land“, sagt die Biologin. „Es wird Zeit, dass wir diese Flächen in grünere Räume für alle verwandeln“ (UNEP 2018). Was wie eine Vision klingt, ist in der ecuadorianischen Hauptstadt längst Realität geworden – dank einer jungen Frau, die schon als Kind auf dem Bauernhof ihrer Großmutter lernte, dass Natur und Stadt keine Gegensätze sein müssen (La Hora 2019).

Liliana wuchs in Quito auf, aber ihre Kindheit war geprägt von Besuchen bei der Großmutter in Puembo, einem ländlichen Vorort. „Diese Nähe zur Natur hat mich sensibel gemacht für alles Lebendige“, erinnert sie sich (La Hora 2019). Später studierte sie Biologie, absolvierte einen Master in Umweltwissenschaften an der University of Melbourne und kehrte mit einer klaren Mission zurück: Sie wollte die Biodiversität ihrer Heimat zurück in die Stadt holen (UN Decade on Restoration 2023).

Ihr Werkzeug: Gründächer. Aber nicht irgendwelche. Liliana experimentiert mit einheimischen Pflanzenarten, die an das wechselhafte Klima Quitos angepasst sind – eine Stadt mit zwei Jahreszeiten, deren Extreme durch den Klimawandel immer stärker werden. In der Regenzeit drohen Überschwemmungen, in der Trockenzeit wächst der Durst der Stadt (Yale Climate Connections 2018).

Wusstest du? In ihrer Masterarbeit identifizierte Liliana 26 einheimische Pflanzenarten, die sich für Gründächer in Quito eignen – von dürreresistenten Gräsern bis zu Sukkulenten aus den ecuadorianischen Hochlandwäldern (ORKG Ask 2016). Diese Liste ist heute die Grundlage ihrer Arbeit.

Nativus: Eine Gärtnerei für die Artenvielfalt

2017 gründete Liliana Nativus, eine Gärtnerei für einheimische Pflanzen mit Sitz in Puembo – nur wenige Kilometer von dem Bauernhof ihrer Großmutter entfernt (UNEP 2017). Hier vermehrt sie seltene und gefährdete Arten, die in der Stadt längst verschwunden sind. Ihr Ziel ist es, Pflanzen nicht nur für Gründächer, sondern für alle grünen Räume der Stadt verfügbar zu machen – für Parks, Gärten und Fassaden (La Hora 2019).

Der erste Test fand auf einem Gebäude im Norden Quitos statt. 300 einheimische Pflanzen wurden dort gesetzt, das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: 90 Prozent der Arten überlebten und gediehen (La Hora 2019). Ein Durchbruch, der zeigt: Die heimische Flora ist nicht nur ökologisch wertvoller, sondern auch widerstandsfähiger als exotische Arten.

Wusstest du? Neben Nativus ist Liliana Mitbegründerin der Great Leaf Foundation, einer lokalen NGO, und leitet das Projekt Reconectar, das ein grünes, biodiverses Netzwerk in Quito aufbauen will (UNEP 2017). Die Liste der von ihr vermehrten Arten ist lang – vom Algarrobo über den Quishuar bis zu immergrünen Sedum-Arten (La Hora 2019).

Warum einheimische Pflanzen?

Für Liliana ist die Antwort klar: „Die Menschen glauben oft, dass eingeführte Pflanzen besser sind. Aber einheimische Arten sind nicht nur widerstandsfähiger, sie schaffen auch Lebensraum und Nahrung für viele Tiere“ (La Hora 2019). Vögel, Insekten und Bestäuber wie Kolibris kehren zurück, wenn die richtigen Pflanzen da sind.

Gleichzeitig leistet die Begrünung einen Beitrag zum Klimaschutz. Gründächer senken die Temperatur in der Stadt, filtern Schadstoffe aus der Luft und können bei Starkregen Wasser speichern – ein immer wichtigerer Schutz in Zeiten des Klimawandels (Yale Climate Connections 2018).

Die Regierung Ecuadors hat das Potenzial erkannt und fördert nachhaltige Bauprojekte mit einheimischer Bepflanzung. Doch bis die Pflanzen in den Geschäften und auf den Dächern Quitos alltäglich sind, ist es noch ein weiter Weg (Greenroofs.com 2018).

Was bleibt

2017 wurde Liliana Jaramillo Pazmiño von den Vereinten Nationen als eine von sechs „Young Champions of the Earth“ ausgezeichnet – ein Preis, der mit 15.000 Dollar Startkapital, intensivem Training und Mentoring verbunden war (UNEP 2017). Seitdem ist sie nicht mehr nur Forscherin, sondern auch Aktivistin, Unternehmerin und Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Gemeinschaft.

Ihre Botschaft: „Jeder von uns hat diesen grünen Funken in sich, etwas zu verändern“ (UNEP 2017). In Quito hat dieser Funke bereits viele Dächer zum Blühen gebracht.

Quellen:

  • UNEP 2018. „How rooftop trees can make cities more resilient“. [online]

  • La Hora 2019. „Una quiteña abre caminos para el uso de plantas nativas“. [online]

  • UN Decade on Restoration 2023. „Who Wants to Live in Greener Cities?“ [online]

  • Yale Climate Connections 2018. „Biologist says green roofs could protect her city“. [online]

  • UNEP 2017. „Liliana Jaramillo Pazmiño – Young Champion of the Earth 2017“. [online]

  • ORKG Ask 2016. „Plant selection for green roofs in Quito, Ecuador“. [online]

  • Greenroofs.com 2018. „Biologist Wants to Use Green Roofs to Help Quito, Ecuador“. [online]

  • UNEP 2017. „Rencontre avec Liliana Jaramillo Pazmiño“. [online]


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