Ein 18-Jähriger aus Bruchsal zeigt: Jasmin-Duftstoffe lassen sich zu wirksamen Medikamenten gegen Pilzerkrankungen aufrüsten
Der Duft von Jasmin ist vielen als Inbegriff sinnlicher Blütenpracht vertraut. Doch die Pflanze kann mehr als nur betören: Ihre Inhaltsstoffe wirken nachweislich gegen krankheitserregende Pilze. Malte Willmann, 18 Jahre alt, Schüler am Justus-Knecht-Gymnasium in Bruchsal, fragte sich, ob sich diese natürliche Waffe nicht noch verstärken ließe. Über Monate tüftelte er im Labor des Jugendforschungszentrums Schwarzwald-Schönbuch in Nagold, synthetisierte sechs verschiedene Jasmon-Derivate und testete sie gegen Hefepilze. Das Ergebnis übertraf seine Erwartungen: Eine seiner künstlichen Varianten war bis zu dreißigmal wirksamer als der natürliche Jasmon-Duftstoff. Dafür wurde er beim 60. Bundeswettbewerb von Jugend forscht mit dem fünften Preis im Fachgebiet Chemie ausgezeichnet (Jugend-forscht.de 2025a).
Resistenzen gegen herkömmliche Medikamente erschweren zunehmend die Behandlung tödlicher Pilzerkrankungen. Um diesen und andere Krankheiten in Zukunft wirkungsvoller begegnen zu können, ist die Entwicklung neuer Medikamente auf Basis bekannter Naturstoffe unabdingbar (Jugend-forscht-BW 2025). Genau hier setzte Malte an. Jasmon und seine Verwandten, die Jasmonate, sind als pflanzliche Hormone bekannt, die eine Reihe von Entwicklungsprozessen steuern und an der Abwehr von Pathogenen beteiligt sind (Spektrum 2007). Sie kommen in Jasmin, Minze und vielen anderen Pflanzen vor. Dass sie auch direkt gegen Pilze wirken, ist wissenschaftlich belegt – doch Malte wollte wissen, ob sich diese Wirkung durch gezielte chemische Veränderungen steigern lässt.
Wusstest du? Jasmonate sind Phytohormone, die bei der systemischen Pathogenabwehr von Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. Bei mechanischer Beschädigung durch Schädlingsfraß steigt ihr Spiegel an und signalisiert der Pflanze, Abwehrsubstanzen wie Proteinase-Inhibitoren zu synthetisieren (Spektrum 2007).
Sechs Varianten, ein Ziel: den Pilz besiegen
Maltes Vorgehen war ebenso systematisch wie anspruchsvoll. Im Labor synthetisierte er sechs verschiedene Varianten des Jasmon-Moleküls, wobei er auf unterschiedliche chemische Methoden zurückgriff. Das Spektrum seiner Reaktionen war breit: von klassischen Verfahren wie der Hantzschen Dihydropyridin-Synthese oder Grignard-Additionen bis hin zu exotischeren Umsetzungen wie einer Stork-Danheiser-Transposition und einer modernen Olefinierungs- und Hydrogenierungskaskade (Jugend-forscht-BW 2025). Jede dieser Methoden veränderte das Ausgangsmolekül auf andere Weise – und jede Veränderung konnte die biologische Aktivität beeinflussen.
Um die Wirksamkeit seiner Kreationen zu testen, wich Malte auf ein bewährtes Modellsystem aus: Hefezellen. Sie sind mit dem Erreger der Candidose verwandt, einer gefürchteten Pilzerkrankung der Schleimhäute, die vor allem bei immungeschwächten Menschen auftritt. Der Jungforscher ließ Hefe auf Petrischalen wachsen und behandelte die Zellen mit Lösungen seiner Jasmon-Derivate. Das Ergebnis war eindeutig: Einige Derivate hemmten das Hefewachstum deutlich, eines – Dihydrojasmon – zeigte eine ähnlich starke Wirkung wie das natürliche Jasmon selbst. Besonders faszinierend: Jasmon konnte die Pilzzellen bereits durch seine bloßen Dämpfe abtöten (Jugend-forscht.de 2025b).
Die genauere Auswertung brachte eine echte Überraschung ans Licht. Die Wirksamkeit mancher künstlicher Analoge übertraf die des Naturstoffs um das Dreißigfache (Jugend-forscht-BW 2025). Ein Wert, der in der medizinischen Forschung allein schon wegen der Größenordnung Aufsehen erregt. Die von Malte entwickelten Derivate sind damit vielversprechende Kandidaten für die Entwicklung neuer Antimykotika.
Wusstest du? Internationale Forschung bestätigt den Ansatz: Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass Derivate der Jasmonsäure vielversprechende Kandidaten für die nachhaltige Bekämpfung pflanzenpathogener Pilze sind. Besonders Thiosemicarbazon-Derivate erwiesen sich als wirksamer als die ursprünglichen Ketone (Orsoni et al. 2020).
Vom Jugendforschungszentrum auf die große Bühne
Maltes Weg zum Erfolg begann nicht erst beim Bundeswettbewerb. Er forschte am Jugendforschungszentrum Schwarzwald-Schönbuch in Nagold, einer von vielen außerschulischen Einrichtungen in Baden-Württemberg, die talentierte junge Wissenschaftler unterstützen. Sein Projektbetreuer war Prof. Dr. Uwe Klein (Jugend-forscht-BW 2025). Beim Regionalwettbewerb Pforzheim/Enz überzeugte Malte die Jury und holte den ersten Platz. Damit qualifizierte er sich für den Landeswettbewerb Baden-Württemberg, der Anfang April 2025 in Heilbronn stattfand.
Dort präsentierte er sein Projekt vor einer hochkarätigen Jury und setzte sich gegen starke Konkurrenz durch. Der Landessieg im Fachgebiet Chemie brachte ihm nicht nur ein Preisgeld von 250 Euro, gestiftet vom Fonds der Chemischen Industrie, sondern auch die Fahrkarte zum 60. Bundesfinale von Jugend forscht in Hamburg (Jugend-forscht-BW 2025). In der Hansestadt trafen sich Ende Mai die besten Jungforscher Deutschlands. Maltes Arbeit überzeugte auch dort und wurde mit dem fünften Preis im Fachgebiet Chemie ausgezeichnet (Jugend-forscht.de 2025a).
Doch die Ehrungen waren damit nicht zu Ende. Im Juli 2025 erhielt Malte eine besondere Einladung: Auf der 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung durfte er zusammen mit anderen Landessiegern aus Baden-Württemberg an der traditionellen Schifffahrt auf dem Bodensee teilnehmen. Organisiert von Baden-Württemberg International, präsentierten die Jungforscher ihre Projekte an Bord der MS Vorarlberg und beim Science Picnic auf der Insel Mainau – und kamen dabei in direkten Austausch mit Nobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt (Jugend-forscht-BW 2025b). Für einen jungen Forscher ist das eine Erfahrung, die Motivation für die nächsten Jahrzehnte liefert.
Was bleibt
Malte Willmann hat mit seiner Arbeit nicht nur einen Schulwettbewerb gewonnen. Er hat gezeigt, dass die Natur oft die besten Baupläne liefert – und dass man mit chemischem Geschick und Beharrlichkeit aus einem duftenden Jasminblüten-Extrakt eine Waffe gegen tödliche Pilzerkrankungen schmieden kann. Seine Forschung ist ein Mosaikstein in der dringend notwendigen Suche nach neuen Medikamenten gegen resistente Erreger. Und vielleicht wird aus dem 18-jährigen Chemie-Talent eines Tages ein Forscher, der die Medikamente von morgen entwickelt.
Quellen:
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Jugend-forscht.de 2025a. „Jasminduft gegen Pilzerkrankungen – Jasmone für den Kampf gegen Mykosen“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/virtuelle-ausstellung/detailseite/Jasminduft_gegen_Pilzerkrankungen_-_Jasmone_fuer_den_Kampf_gegen_Mykosen.html
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Jugend-forscht.de 2025b. „Jasminduft gegen Pilzerkrankungen – Jasmone für den Kampf gegen Mykosen“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/projektdatenbank/jasminduft-gegen-pilzerkrankungen-jasmone-fuer-den-kampf-gegen-mykosen.html
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Jugend-forscht-BW 2025. „Jasminduft gegen Pilzerkrankungen – Jasmone für den Kampf gegen Mykosen“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht-bw.de/projekt/jasminduft-gegen-pilzerkrankungen-jasmone-fuer-den-kampf-gegen-mykosen/
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Spektrum 2007. „Jasmonate“. Kompaktlexikon der Biologie. [online] Verfügbar unter: https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/jasmonate/6110
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Orsoni, Degola, Nerva, Bisceglie, Spadola, Chitarra, Terzi, Delbono, Ghizzoni, Morcia, Jamiołkowska, Mielniczuk, Restivo & Pelosi 2020. „Double Gamers—Can Modified Natural Regulators of Higher Plants Act as Antagonists against Phytopathogens? The Case of Jasmonic Acid Derivatives“. International Journal of Molecular Sciences. [online] Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33213072/
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Jugend-forscht-BW 2025b. „Jungforschende treffen Nobelpreisträger auf dem Bodensee“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht-bw.de/allgemein/jungforschende-treffen-nobelpreistraeger-auf-dem-bodensee/
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