Eine 15-Jährige aus der Pfalz entwickelt eine Methode, die Mikroplastik im Trinkwasser mit einfachen Haushaltsmitteln um 94 Prozent reduziert
Als Lina Gradolph mit ihrer Familie von Rohrbach nach Offenbach zog, ließen die Eltern das neue Trinkwasser im Labor untersuchen – auf Keime, auf Schwermetalle, auf alles, was bedenklich sein könnte. Nur eines testete das Labor nicht: Mikroplastik. Lina, damals 14, wunderte sich. Wenn Mikroplastik überall ist, in der Luft, im Meer, in Lebensmitteln – warum nicht auch im Leitungswasser? Und wenn es darin ist, wie bekommt man es wieder raus? Aus dieser Frage wurde ein Jugend-forscht-Projekt, das die 15-Jährige bis zum Bundesfinale in Hamburg führte. Ihre Erkenntnis: Mit einem einfachen Küchentrick lassen sich die Plastikpartikel um 94 Prozent reduzieren (rheinpfalz.de 2025; jugend-forscht.de 2025a).
Mikroplastik ist zu einem der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit geworden. Winzige Partikel, oft kleiner als fünf Millimeter, finden sich inzwischen überall: in der Arktis, in der Tiefsee, in der Luft, die wir atmen, und in den Lebensmitteln, die wir essen. Auch im menschlichen Körper wurden die Partikel bereits nachgewiesen – in Lunge, Darm, Plazenta und sogar im Gehirn (fr.de 2025; hna.de 2025). Die gesundheitlichen Folgen sind noch nicht abschließend erforscht, doch es gibt Hinweise auf entzündliche, toxische und möglicherweise sogar DNA-schädigende Wirkungen (hna.de 2025). Umso wichtiger ist es, die Aufnahme von Mikroplastik so gering wie möglich zu halten.
Wusstest du? Eine Studie der Universität von New Mexico aus dem Jahr 2025 zeigt, dass die Mikroplastikbelastung im menschlichen Gehirn in den letzten acht Jahren um das bis zu 30-fache gestiegen ist – stärker als in Leber oder Niere (fr.de 2025; hna.de 2025).
26 bis 36 Partikel pro Liter – und eine Idee
Lina, die das Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau besucht, entwickelte zunächst ein Verfahren, um die Mikroplastikbelastung überhaupt sichtbar zu machen. Sie entwarf einen Filtrationsaufbau mit einem feinen Membransieb und einer Vakuumpumpe, filtrierte die Proben und färbte die Partikel mit einem speziellen Farbstoff an. Unter dem Fluoreszenzmikroskop leuchteten die sonst unsichtbaren Teilchen auf. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen an mehreren Orten in der Umgebung: Pro Liter Leitungswasser fanden sich zwischen 26 und 36 Mikroplastikpartikel (jugend-forscht.de 2025a; jugend-forscht.de 2025b).
Doch Lina wollte nicht nur analysieren, sondern auch eine Lösung finden. Die Idee dazu kam ihr aus der Chemie des Wassers selbst. Trinkwasser enthält je nach Region unterschiedliche Mengen an gelöstem Kalk. Wird das Wasser erhitzt, fallen diese Kalkkristalle aus und bilden eine feste Struktur – bekannt als Kesselstein. Lina vermutete, dass diese Kristalle an ihrer großen Oberfläche Mikroplastik binden könnten. Sie experimentierte mit verschiedenen Temperaturen, unterschiedlichen Wasserhärten und mehreren Filtermaterialien. Das Ergebnis war eindeutig: Bei einer Erhitzung auf 80 Grad Celsius und mittlerer Wasserhärte ließen sich die Plastikpartikel fast vollständig entfernen (jugend-forscht.de 2025a; jugend-forscht.de 2025b).
Wusstest du? Auch eine chinesische Studie der Jinan University bestätigt diesen Effekt: Durch Abkochen und anschließendes Filtern lassen sich bis zu 90 Prozent der Mikroplastikpartikel aus hartem Wasser entfernen. Bei weichem Wasser ist der Effekt geringer (chip.de 2026).
94 Prozent Reduktion – ein überzeugendes Ergebnis
Die von Lina entwickelte Methode ist verblüffend einfach und für jeden Haushalt durchführbar. Das Wasser wird aufgekocht oder auf 80 Grad erhitzt, wodurch sich Kalkkristalle bilden. Diese Kristalle umschließen die Mikroplastikpartikel und sinken zu Boden oder bleiben in der Schwebe. Anschließend wird das Wasser durch einen handelsüblichen Kaffeefilter gegeben – und schon ist es nahezu plastikfrei. In ihren Experimenten erreichte Lina eine Reduktionsrate von 94 Prozent (jugend-forscht.de 2025b; esg-landau.de 2025). Die beste Wirkung erzielte sie bei mittlerer Wasserhärte, wie sie in vielen Regionen Deutschlands vorkommt.
In ihrer Familie wird die Methode inzwischen täglich angewendet. „Wir kochen jeden Morgen einige Liter Wasser ab“, erzählt Lina. Sie gibt Kaliumchlorid und Natriumhydrogencarbonat hinzu – eine zusätzliche Optimierung, die die Kristallbildung fördert. „So kommen wir zu mikrofreiem Trinkwasser, das wir ohne Bedenken trinken können“ (rheinpfalz.de 2025).
Vom Regionalwettbewerb zum Bundesfinale
Mit ihrer Arbeit überzeugte Lina nicht nur die Jury des Regionalwettbewerbs, sondern auch beim Landeswettbewerb Rheinland-Pfalz, der im April 2025 bei der BASF in Ludwigshafen stattfand. Sie wurde Landessiegerin im Fachgebiet Chemie und qualifizierte sich damit für das 60. Bundesfinale von Jugend forscht in Hamburg (jugend-forscht.de 2025c). Dort präsentierte sie ihr Projekt Ende Mai 2025 vor einer hochkarätigen Jury und tausenden Besuchern.
Die Konkurrenz war stark – 1.424 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich allein in Bayern für den Wettbewerb angemeldet (Bayerische Staatsregierung 2025). Doch Linas Arbeit stach durch ihre unmittelbare praktische Relevanz hervor. Die Jury würdigte ihre Leistung mit dem Sonderpreis für eine Arbeit mit Bezug zu Sicherheit in Chemie und Werkstofftechnik, gestiftet vom Adolf-Martens-Fonds e.V., verbunden mit einem Preisgeld von 500 Euro (esg-landau.de 2025; jugend-forscht.de 2025b). „Die Schulgemeinschaft des ESG gratuliert Lina Gradolph zu dieser herausragenden Leistung!“, hieß es auf der Website ihres Gymnasiums (esg-landau.de 2025).
Was bleibt
Lina Gradolph hat mit ihrer Forschung nicht nur einen Schulwettbewerb gewonnen. Sie hat gezeigt, dass junge Menschen mit Neugier und systematischem Vorgehen einen echten Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten können. Ihre Methode ist so einfach, dass jeder sie zu Hause anwenden kann – ein Gewinn für die Gesundheit und ein Beispiel dafür, dass Wissenschaft nicht immer kompliziert sein muss. Auf die Frage, ob sie Chemikerin werden möchte, kommt die Antwort schnell und klar: „Ja, ich möchte Biochemikerin werden“ (rheinpfalz.de 2025). Das Preisgeld investiert sie in einen neuen Laptop – für die nächsten Forschungsprojekte.
Quellen:
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jugend-forscht.de 2025a. „Mikroplastikentfernung aus Trinkwasser mit Haushaltsmitteln – einfach klar!“ [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/virtuelle-ausstellung/detailseite/Mikroplastikentfernung_aus_Trinkwasser_mit_Haushaltsmitteln_-_einfach_klar.html
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jugend-forscht.de 2025b. „Mikroplastikentfernung aus Trinkwasser mit Haushaltsmitteln – einfach klar!“ [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/projektdatenbank/mikroplastikentfernung-aus-trinkwasser-mit-haushaltsmitteln-einfach-klar.html
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jugend-forscht.de 2025c. „Erfolgreich mit Mikroplastik, Flussperlmuschel und Datenbrille“. [online] Verfügbar unter: https://www.hamburg.jugend-forscht.de/index.php?id=969&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5393
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esg-landau.de 2025. „Sonderpreis beim Bundeswettbewerb Jugend forscht“. [online] Verfügbar unter: https://esg-landau.de/alle-berichte-im-blick/sonderpreis-beim-bundeswettbewerb-jugend-forscht
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rheinpfalz.de 2025. „Jugend forscht: Preis für Lina, die kein Mikroplastik im Wasser mag“. [online] Verfügbar unter: https://red.rheinpfalz.de/lokal/landau_artikel,-jugend-forscht-preis-f%C3%BCr-lina-die-kein-mikroplastik-im-wasser-mag-_arid,5780499_puid,1.html
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fr.de 2025. „Mikroplastik aus dem Trinkwasser entfernen – einfaches Haushaltsgerät ist die Lösung“. [online] Verfügbar unter: http://www.fr.de/verbraucher/mikroplastik-aus-dem-trinkwasser-entfernen-einfaches-haushaltsgeraet-ist-die-loesung-zr-93565779.html
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hna.de 2025. „Mühelos Mikroplastik aus dem Trinkwasser entfernen: Ein einfaches Haushaltsgerät ist die Lösung“. [online] Verfügbar unter: http://www.hna.de/verbraucher/muehelos-mikroplastik-aus-dem-trinkwasser-entfernen-ein-einfaches-haushaltsgeraet-ist-die-loesung-93565576.html
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chip.de 2026. „Mikroplastik im Trinkwasser: Ein Küchen-Trick soll 90 % der Partikel entfernen“. [online] Verfügbar unter: https://www.chip.de/news/gesundheit-fitness/mikroplastik-im-trinkwasser-ein-kuechen-trick-soll-90-der-partikel-entfernen_44a262f0-6793-4a61-abda-4885e3ea5585.html
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