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Grüner wird’s nicht: Wie ein junger Mann aus Kiribati mit Hydrokultur seine Heimat rettet

Stell dir vor, dein Land versinkt buchstäblich im Meer. Die Inseln, auf denen deine Vorfahren seit Generationen lebten, werden jedes Jahr kleiner. Die Fluten spülen die Gärten weg, das Salzwasser verdirbt den Boden, und frisches Gemüse wird zur Mangelware. Für die Menschen in Kiribati, einem Inselstaat mitten im Pazifik, ist das keine düstere Fantasie, sondern tägliche Realität. Und genau hier setzte ein junger Mann namens Eritai Kateibwi an – mit einer Idee so einfach wie genial: Pflanzen ohne Erde, direkt vor der Haustür (UNEP 2019).

Als Eritai Kateibwi 2017 den Young Champion of the Earth Award der Vereinten Nationen für die Region Asien-Pazifik gewann, war er überglücklich – nicht so sehr wegen der persönlichen Ehre, sondern weil er endlich Aufmerksamkeit auf das Schicksal seiner Heimat lenken konnte. Die 32 Inseln Kiribatis gehören zu den am stärksten vom Klimawandel bedrohten Regionen der Welt. Einige Prognosen sagen voraus, dass sie in den nächsten 50 Jahren vollständig im Meer versinken könnten (UNEP 2019). Das Salzwasser dringt in die Böden ein, macht Ackerbau unmöglich und zwingt die Menschen, immer teurere importierte Nahrungsmittel zu kaufen – wenn sie sie denn bezahlen können.

Kateibwi, auf der Insel Marakei geboren, hatte während seines Studiums an der Brigham Young University in Hawaii die Möglichkeit, sich mit nachhaltigen Anbaumethoden zu beschäftigen. Er sah die Hydrokultur-Systeme, die in den USA bereits im Einsatz waren, und fragte sich: Warum soll das nicht auch bei uns funktionieren? (UNEP 2017).

Wusstest du? Mangelernährung ist auf Kiribati die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren. Frisches Obst und Gemüse sind für viele Familien unerschwinglich geworden, da sie importiert werden müssen (UNEP 2019).

Pflanzen ohne Erde – die Lösung heißt Hydrokultur

Das Prinzip der Hydrokultur ist bestechend einfach: Die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern in einem neutralen Substrat wie Kies oder Blähton. Ihre Nährstoffe erhalten sie aus einer Wasserlösung, die regelmäßig durch die Wurzeln gepumpt wird. Kateibwi entwickelte daraus das „Te Maeu Project“ – ein modulares, solarbetriebenes Hydrokultur-System, das speziell auf die Bedürfnisse der Menschen in Kiribati zugeschnitten ist (Energy Globe Award 2024).

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Systeme benötigen nur zehn Prozent des Wassers, das für herkömmliche Anbaumethoden nötig wäre. Sie arbeiten mit Solarenergie, sind also unabhängig von einem oft instabilen Stromnetz. Und sie kommen ohne Erde aus – perfekt für ein Land, dessen Böden zunehmend versalzen (Energy Globe Award 2024). Die ersten Pilotprojekte liefen erfolgreich: 107 Hydrokultur-Einheiten wurden an Familien mit mittlerem Einkommen verteilt und versorgten etwa 770 Menschen regelmäßig mit frischem Gemüse. Insgesamt wurden bereits über 1.500 Systeme an einkommensschwache Haushalte ausgegeben (Energy Globe Award 2024).

Die Liste der angebauten Pflanzen ist beeindruckend: Kohl, Paprika, Melonen, Zucchini – alles, was vorher teuer importiert werden musste, wächst jetzt vor Ort. Und weil die Systeme klein und modular sind, passen sie selbst in die engsten Wohnverhältnisse der dicht besiedelten Hauptinsel Tarawa (UNEP 2019).

Wusstest du? Das System verwendet lokal hergestellten Dünger aus verfügbaren Materialien, was die Produktionskette nachhaltiger macht und Arbeitsplätze schafft. Fünf Menschen sind bereits fest angestellt, fünf weitere Stellen sollen folgen (Energy Globe Award 2024).

Von der Vision zur Bewegung

Der Erfolg des Te Maeu Project blieb nicht unbemerkt. 2018 wurde Kateibwi als einer von 22 „Climate Pioneers“ zur Global Climate Action Summit in San Francisco eingeladen – eine Ehre, die nur drei Young Champions zuteilwurde (UNEP 2018). Sein Engagement zeigte Wirkung: Rotary International stellte Fördermittel in Aussicht, um weitere 500 Einheiten in den am stärksten gefährdeten Gemeinden zu verteilen – darunter auch Familien, deren Häuser zeitweise komplett im Wasser stehen (UNEP 2019).

„Die Welt sieht uns immer noch als versinkende Inseln“, sagt Kateibwi. „Aber wir müssen das Beste aus unserer Situation machen, solange wir noch über Wasser sind. Ich werde alles tun, damit meine Leute Zugang zu gesunder Nahrung haben“ (UNEP 2019).

Sein Projekt ist mehr als nur ein technisches Hilfsprogramm. Es ist ein Zeichen der Hoffnung für eine Bevölkerung, die täglich mit den Folgen des Klimawandels kämpft. Es zeigt, dass es nicht immer die großen, teuren Lösungen sein müssen – manchmal reicht ein kluger Kopf, ein bisschen Technik und der feste Wille, etwas zu bewegen.

Quellen:

  • UNEP 2017. „Eritai Kateibwi – Young Champion of the Earth 2017“. [online]

  • UNEP 2019. „Working on saving a sinking island“. [online]

  • UNEP 2018. „Jóvenes Campeones, abanderados de la acción climática“. [online]

  • Energy Globe Award 2024. „Te Maeu Hydroponics – National Winner Kiribati“. [online]

  • The Church of Jesus Christ 2024. „One Man Making Life Better for the People of Kiribati“. [online]


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