Vom LEGO-Prototyp zum preisgekrönten Roboter: Wie drei Schüler aus Thüringen den Schornsteinfeger-Handschlag digitalisieren

Es ist einer dieser Momente, die zeigen, wie nah Genie und Wahnsinn beieinanderliegen können. Constantin, Luca und Janek, drei Teenager aus Zella-Mehlis in Thüringen, sitzen in ihrem Physikraum und starren auf ein Gebilde aus LEGO-Steinen, Gummibändern und einer handelsüblichen Fensterbürste. Das Gefährt soll senkrecht einen Kamin hochklettern, ohne abzustürzen. Es soll Ruß abbürsten, ohne sich zu verkanten. Und es soll all das tun, wofür Schornsteinfeger bisher bei Wind und Wetter aufs Dach steigen müssen – mit all den Risiken, die das mit sich bringt. Der erste Test läuft. Der Roboter zuckt, ruckelt – und fällt um. Die drei schauen sich an, zucken mit den Schultern und fangen einfach noch mal an. Heute, ein Jahr später, steht ihr „CC-Bot 360°“ als Preisträger beim Bundesfinale von „Jugend forscht“ in Hamburg (Handwerkskammer Südthüringen 2025; insuedthueringen.de 2025).

Constantin Kupfer, Luca Buchwald und Janek Ritz, damals alle in der 10. Klasse des Heinrich-Ehrhardt-Gymnasiums, hatten eine Beobachtung gemacht, die sie nicht mehr losließ. Schornsteinfeger müssen für ihre Arbeit regelmäßig Dächer betreten – bei Eis und Schnee, Sturm und Regen. „Bei Wind und Wetter, auf stabilen Neubauten ebenso wie auf jahrzehntealten Dächern, kann es täglich mehrfach notwendig werden, für Kontrollen oder das gute alte Kehren Trittsicherheit zu beweisen“, beschreibt es die Handwerkskammer (Handwerkskammer Südthüringen 2025). Gleichzeitig atmen die Fachleute gesundheitsschädlichen Ruß ein. Die Schüler fragten sich: Muss das wirklich sein? (Jugend-forscht.de 2025)

Wusstest du? Schon früh suchten die Jungforscher den Kontakt zur Praxis. Sie traten mit Schornsteinfegermeister Tom Drust aus Ilmenau in Kontakt, der sie in eine Facebook-Gruppe mit 4.840 Mitgliedern aus ganz Europa einlud. Das Feedback der erfahrenen Handwerker war für die Entwicklung des Roboters Gold wert (Handwerkskammer Südthüringen 2025).

Vom Gummiband zum Gecko-Prinzip

Die Herausforderungen waren gewaltig. Der Roboter musste sich an unterschiedliche Kaminquerschnitte anpassen, senkrecht klettern, sich nicht verkanten und den gelösten Ruß gleich absaugen, sonst würde er sich selbst unter sich begraben (Handwerkskammer Südthüringen 2025). Die Lösung fanden die drei in der Natur: Die Fortbewegung des „CC-Bot 360°“ orientiert sich am Vorbild der Geckos, die mit ihren Haftlamellen selbst glatte senkrechte Flächen erklimmen können (Jugend-forscht.de 2025; DGUV 2025). Dank verstellbarer Räder passt sich das System den Abmessungen jedes Schornsteins an.

Besonders bemerkenswert: Die drei Tüftler arbeiteten nicht mit High-Tech-Materialien aus dem Labor, sondern mit dem, was sie zur Hand hatten. „Es ist ein Lichtblick, was mit wenig Technik möglich ist“, lobte Betreuungslehrer Tommy Roßmann den Einfallsreichtum seiner Schützlinge. Die ersten Prototypen entstanden aus LEGO-Steinen, Gummibändern und programmierbaren Elektronikbauteilen (Handwerkskammer Südthüringen 2025).

Die Schüler steckten über ein Jahr Entwicklung in ihr Projekt. Alleine mehr als zwei Monate dauerte es, bis der Roboter senkrecht die Kaminwand hochfahren konnte. Das Kehrsystem musste mehrfach modifiziert werden, bis es alle Ecken erreichte, ohne sich zu verkanten. Sensoren halfen dem Roboter zu erkennen, wann er das Ende des Schornsteins erreicht hatte, und gleichen Schieflagen aus. Und natürlich musste das Saugsystem eingebaut werden, damit der Roboter nicht unter Ruß begraben wird (Handwerkskammer Südthüringen 2025).

Wusstest du? Der Name „CC-Bot 360°“ steht für „Chimney Cleaner Bot 360°“ – ein Reinigungsroboter für Schornsteine, der sich rundum flexibel anpassen kann (zella-mehlis.de 2025).

Vom Klassenzimmer auf die große Bühne

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht Südwestthüringen“ im Februar 2025 an der Hochschule Schmalkalden sicherten sich die drei den ersten Platz im Fachgebiet Arbeitswelt (Hochschule Schmalkalden 2025; zella-mehlis.de 2025). Zusätzlich erhielten sie den Sonderpreis „Mit Sicherheit die Zukunft gestalten“ sowie den TZLR-Preis für herausragende Arbeiten im Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik, verbunden mit einer Einladung zum KI- und Robotik-Kongress nach Erfurt (zella-mehlis.de 2025).

Damit qualifizierten sie sich für das Landesfinale in Jena und schließlich für das 60. Bundesfinale von „Jugend forscht“ Ende Mai 2025 in Hamburg (DGUV 2025). In der Hansestadt präsentierten sie ihren Roboter vor einer hochkarätigen Jury und tausend Gästen, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (DGUV 2025). Für den Bundessieg reichte es zwar nicht – der ging an ein Zoo-Management-System aus Bayern – doch die Zella-Mehliser holten einen mit 1.000 Euro dotierten Sonderpreis der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für „Gute Prävention und Rehabilitation“ (insuedthueringen.de 2025; OTZ 2025). Die Jury würdigte den Beitrag des Roboters zur Arbeitssicherheit: „Der CC-Bot 360° erhöht die Arbeitssicherheit, da Schornsteinfeger das Gerät vom Boden aus bedienen können und somit das Dach nicht zwangsläufig betreten müssen“ (DGUV 2025).

Was bleibt

Constantin, Luca und Janek haben mit ihrem Projekt nicht nur einen Preis gewonnen, sondern gezeigt, wie junges Denken alte Handwerksberufe bereichern kann. „Gemeinsam wollen wir mit unserem CC-Bot 360° die Reinigung eines Schornsteins so einfach und effizient wie möglich machen“, formulierten sie ihr Ziel (Handwerkskammer Südthüringen 2025). Ihr Roboter kann einfach durch eine Revisionsluke eingesetzt werden und reinigt den Schornstein eigenständig, während der Schornsteinfeger sicher am Boden bleibt.

Die Perspektiven für die Weiterentwicklung sind vielversprechend. Die drei tüfteln bereits daran, den Roboter robuster zu machen und mit einem besseren Staubschutz zu versehen. Sie planen, den Auffangmechanismus für den abgekehrten Ruß zu perfektionieren. Und sie haben noch größere Visionen: „Dann könnte er künftig nicht nur reinigen, sondern auch andere Werkzeuge in Schächten jeder Art zum Einsatz bringen“ (Handwerkskammer Südthüringen 2025). Die Schornsteinfegerinnung drückt die Daumen – schließlich haben sie in den drei jungen Erfindern längst ihre ganz persönlichen Glücksbringer entdeckt.

Quellen:


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