Zwei 17-Jährige aus Obernburg entwickeln eine essbare Batterie – aus Aktivkohle, Stärke und Wursthaut

Die Vision klingt wie Science-Fiction: Winzige, essbare Sensoren könnten künftig im Körper nach Krankheiten suchen, Daten sammeln und sie nach außen funken. Doch solche Sensoren brauchen Strom – und der muss ebenfalls essbar sein. Elisabeth Fischermann und Tom Kreßbach, beide 17 und Schüler am Julius-Echter-Gymnasium in Elsenfeld, haben genau das möglich gemacht. Sie entwickelten eine wiederaufladbare Batterie, die ausschließlich aus lebensmittelrechtlich zugelassenen Stoffen besteht – und wurden dafür beim 60. Bundeswettbewerb von Jugend forscht mit dem ersten Preis im Fachgebiet Chemie ausgezeichnet .

Die medizinische Forschung arbeitet mit Hochdruck an Diagnoseverfahren, die ohne operative Eingriffe auskommen. Schluckbare Sensoren könnten künftig im Magen-Darm-Trakt nach Entzündungen suchen, den Heilungsverlauf überwachen oder Tumore aufspüren. Doch all diese Mini-Geräte brauchen Energie – und herkömmliche Batterien mit ihren giftigen Inhaltsstoffen scheiden aus .

Genau hier setzten Elisabeth und Tom an. Sie testeten zahlreiche natürliche Substanzen und bauten daraus verschiedene Batteriezellen. In aufwendigen Messreihen verglichen sie, welche Materialien sich am besten für Anode, Kathode und Elektrolyt eignen. Ein Ergebnis: Die Aminosäure Cystein erwies sich als deutlich überlegen gegenüber einem Extrakt aus Granatapfel – ein unerwarteter Fund, der zeigt, wie systematisch die beiden forschten .

Wusstest du? Die Entwicklung der essbaren Batterie begann im April 2024 mit ersten tastenden Versuchen. Bereits im Februar 2025 meldeten Elisabeth und Tom ihre Forschungsergebnisse beim Deutschen Patentamt an – ein enormes Tempo für ein so anspruchsvolles Projekt .

Wursthaut als Membran – ungewöhnlich, aber genial

Das Endresultat ihrer Arbeit ist eine wiederaufladbare Batterie, die auf den ersten Blick wie ein Stück Folie aussieht, aber höchst innovative Technik verbirgt. Als Membran dient eine Wursthaut – ein Material, das sich als ideal erwies, um die chemischen Reaktionen im Inneren zu ermöglichen, ohne giftige Stoffe freizusetzen. Dazu kommen Aktivkohle, Stärke und Zitronensäure, die in unterschiedlichen Schichten die benötigte Spannung erzeugen .

Die beiden Jungforscher bauten auf einem italienischen Prototyp auf und verfeinerten ihn entscheidend. Unter anderem verwendeten sie Kohlenstoff und Blattgold – beides essbar, wenn auch nicht unbedingt lecker, wie sie bei ihrer Präsentation schmunzelnd anmerkten . Wichtig war ihnen, dass alle verwendeten Stoffe den strengen lebensmittelrechtlichen Zulassungen entsprechen. Nur so kann die Batterie später tatsächlich im medizinischen Alltag eingesetzt werden.

Mit ihrer Arbeit trafen die beiden den Nerv der Zeit. Die Forschung an essbaren Batterien ist international ein hochaktuelles Feld, wie ein Übersichtsartikel in der renommierten Zeitschrift „Chemical Communications“ aus dem Juni 2025 zeigt. Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten an Lithium-, Natrium-, Magnesium- und Zink-basierten Systemen, die alle eines gemeinsam haben müssen: Biokompatibilität und Sicherheit beim Verzehr .

Wusstest du? Die Idee für das Projekt entstand am Julius-Echter-Gymnasium, das bereits zum zweiten Mal einen Bundessieg im Fach Chemie feiern konnte. Betreut wurden Elisabeth und Tom von Dr. Roland Full, der schon über 150 Projekte begleitet hat und selbst vom „Forschervirus“ infiziert ist .

Vom Schullabor zum Bundessieg

Der Weg zum Erfolg war lang und erfordert viel Geduld. Über Monate experimentierten Elisabeth und Tom, testeten unzählige Materialkombinationen und optimierten ihre Zellen. Unterstützt wurden sie nicht nur von ihrer Schule, sondern auch von Waldemar Büttner, einem ehemaligen Berufsschullehrer für Elektrotechnik, der sein Wissen einbrachte .

Beim Regionalwettbewerb überzeugten sie die Jury und qualifizierten sich für den Landeswettbewerb Bayern. Auch dort setzten sie sich durch und fuhren Ende Mai 2025 zum 60. Bundesfinale nach Hamburg. Gemeinsam mit 167 anderen Jungforschern präsentierten sie ihr Projekt auf dem Gelände der Helmut-Schmidt-Universität. Die Konkurrenz war stark, doch die Arbeit der beiden Obernburger stach heraus .

Am Ende gab es keinen Zweifel: Elisabeth Fischermann und Tom Kreßbach waren die verdienten Sieger im Fachgebiet Chemie. Der mit 2.500 Euro dotierte erste Preis wurde vom Fonds der Chemischen Industrie gestiftet, die Laudatio hielt Geschäftsführerin Ulrike Zimmer . Für die Region Mainfranken war es ein historischer Erfolg – bereits zum zweiten Mal ging ein Bundessieg in diesem Fachgebiet an den bayerischen Untermain .

Was bleibt

Im Juni 2025 ehrte die Schulfamilie ihre beiden Sieger mit einer Feierstunde, zu der auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft erschienen waren. Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und IHK-Vertreter würdigten die außergewöhnliche Leistung. Schulleiterin Petra Hein machte deutlich, wie stolz sie auf Elisabeth und Tom ist – und wie wichtig die MINT-Förderung am Julius-Echter-Gymnasium .

Ihre essbare Batterie ist mehr als ein Schulprojekt. Sie ist ein echter Beitrag zur medizinischen Forschung, der das Potenzial hat, Diagnoseverfahren grundlegend zu verändern. Wenn eines Tages Patienten schmerzhafte Untersuchungen erspart bleiben, weil ein schluckbarer Sensor sanft durch den Körper wandert und Daten liefert, dann haben Elisabeth und Tom daran einen entscheidenden Anteil. Aus einer Idee im Chemiesaal wurde eine kleine Revolution – mit Zutaten, die jeder aus der Küche kennt.

Quellen:


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