Zwei junge Forscher aus Oberfranken bestätigen den magnetischen Skin-Effekt und gewinnen damit zwei Sonderpreise beim Bundeswettbewerb
Niklas Brütting (19) und Konstantin Heinlein (18) haben in der Physik ein Phänomen untersucht, das selbst vielen Experten kaum bekannt ist: den magnetischen Skin-Effekt. Während der normale Skin-Effekt beschreibt, dass elektrischer Wechselstrom hauptsächlich an der Oberfläche eines Leiters fließt, zeigt ihr Forschungsprojekt, dass Gleiches auch für magnetische Wechselfelder gilt – sie dringen kaum in leitfähige Materialien ein, sondern bleiben an der Oberfläche. Für ihre akribische Arbeit, die Theorie und Experiment auf höchstem Niveau verbindet, wurden die beiden beim 60. Bundeswettbewerb von Jugend forscht mit zwei Sonderpreisen ausgezeichnet (Jugend-forscht.de 2025a).
Was auf den ersten Blick wie reine Grundlagenforschung wirkt, hat durchaus praktische Relevanz. Die Erkenntnisse über magnetische Wechselfelder spielen in vielen Bereichen der Physik und Technik eine Rolle – von der Konstruktion elektrischer Maschinen bis hin zur zerstörungsfreien Materialprüfung. Genau dafür erhielten die beiden Oberfranken den Sonderpreis „Qualitätssicherung durch Zerstörungsfreie Prüfung“ der Deutschen Gesellschaft für Zerstörungsfreie Prüfung (DGZfP). Zusätzlich wurden sie mit dem Preis für eine Arbeit auf den Gebieten der Naturwissenschaften und der Technik der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung geehrt (Jugend-forscht.de 2025a; DGZfP 2025).
Wusstest du? Der magnetische Skin-Effekt ist so wenig bekannt, dass er in vielen Physiklehrbüchern gar nicht erwähnt wird. Niklas und Konstantin mussten sich die theoretischen Grundlagen weitgehend selbst erarbeiten – ein Aufwand, der sich am Ende mehr als auszahlte (DGZfP 2025).
Von der Theorie zur Praxis – ein Forschungsprojekt auf Augenhöhe mit der Wissenschaft
Die beiden Jungforscher vom Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt gingen ihr Projekt mit einer beeindruckend systematischen Herangehensweise an. Zunächst erarbeiteten sie sich die theoretischen Grundlagen des Phänomens. Sie entwickelten mathematische Modelle, mit denen sich der magnetische Skin-Effekt präzise berechnen ließ. In einem zweiten Schritt konzipierten sie ausgeklügelte Versuchsaufbauten, um ihre theoretischen Vorhersagen experimentell zu überprüfen (Jugend-forscht.de 2025b).
Das Besondere an ihrer Arbeit: Sie blieben nicht bei der Theorie stehen, sondern stellten sich der Herausforderung, das Phänomen auch messbar zu machen. Die Experimente bestätigten ihre Berechnungen – ein Beweis dafür, dass ihre Modelle die Realität korrekt abbilden. „Anhand der Experimente konnten sie zeigen, dass sich auf Basis der Theorie sinnvolle Vorhersagen treffen lassen“, heißt es in der Projektbeschreibung (Jugend-forscht.de 2025b).
Wusstest du? Die Deutsche Gesellschaft für Zerstörungsfreie Prüfung vergibt ihren Sonderpreis seit 2005 auf Landes- und seit 2009 auf Bundesebene. Mit der Auszeichnung will sie junge Talente für die Bedeutung der zerstörungsfreien Prüfung sensibilisieren (DGZfP 2025).
Der lange Weg von Oberfranken nach Hamburg
Der Erfolg von Niklas und Konstantin begann nicht erst in Hamburg. Bereits beim Regionalwettbewerb in Kulmbach im Februar 2025 überzeugten sie die Jury und sicherten sich den Regionalsieg im Fachgebiet Physik (tvo.de 2025; Bayreuther Tagblatt 2025). Damit qualifizierten sie sich für den Landeswettbewerb Bayern, der Anfang April 2025 in Klingenberg am Main stattfand. Auch dort gehörten sie zu den Besten: Mit ihrem Projekt holten sie den ersten Platz und lösten das Ticket für das Bundesfinale (jugend-forscht-oberfranken.de 2025).
Ende Mai war es dann so weit. Vom 29. Mai bis 1. Juni 2025 präsentierten die beiden ihre Forschung auf dem 60. Bundeswettbewerb von Jugend forscht in Hamburg. Die Konkurrenz war stark – 1.424 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich allein in Bayern für den Wettbewerb angemeldet (Bayerische Staatsregierung 2025). Doch Niklas und Konstantin konnten mit der Verbindung von theoretischer Tiefe und experimenteller Präzision überzeugen und kehrten mit zwei Sonderpreisen nach Oberfranken zurück.
Vom Schülerprojekt zum Studienbeginn
Inzwischen haben beide die Schulzeit hinter sich gelassen. Niklas Brütting (19) aus Kirchehrenbach und Konstantin Heinlein (18) aus Pretzfeld studieren inzwischen im zweiten Semester an der Universität Bayreuth. Die Erfahrungen aus ihrem Jugend-forscht-Projekt wirken nach: Niklas betreut inzwischen selbst Schüler bei Forschungsprojekten – am TAO-Schülerforschungszentrum und am GYPT-Zentrum Bayreuth (Universität Bayreuth 2025). Damit geben sie das weiter, was sie selbst erfahren haben: die Begeisterung für das „Abenteuer Forschung“, wie es der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Dr. Florian Herrmann, bei der Ehrung der Landessieger formulierte (Bayerische Staatsregierung 2025).
Was bleibt
Niklas Brütting und Konstantin Heinlein haben mit ihrer Arbeit nicht nur ein wenig bekanntes physikalisches Phänomen verständlich gemacht. Sie haben gezeigt, wie fruchtbar die Verbindung von theoretischer Durchdringung und experimenteller Praxis sein kann. Ihre Forschung ist ein Beispiel dafür, dass auch junge Menschen mit Neugier, Fleiß und systematischem Vorgehen einen echten Beitrag zur Wissenschaft leisten können. Und vielleicht werden aus den beiden eines Tages Forscher, die den magnetischen Skin-Effekt nicht nur erklären, sondern technisch nutzbar machen.
Quellen:
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Bayerische Staatsregierung 2025. „60 Jahre Jugend forscht: Empfang für die Landessieger 2025“. [online] Verfügbar unter: https://www.bayern.de/60-jahre-jugend-forscht-empfang-fuer-die-landessieger-2025-staatsminister-dr-herrmann-landessieger-wird-wer-das-abenteuer-forschung-wirklich-lebt/
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Universität Bayreuth 2025. „Two special prizes for ‚Magnetic Skin Effect‘ at the national youth research competition ‚Jugend Forscht'“. [online] Verfügbar unter: https://www.physik.uni-bayreuth.de/en/news/2025/250703-jugend-forscht/index.html
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Jugend-forscht.de 2025a. „Der magnetische Skin-Effekt“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/projektdatenbank/der-magnetische-skin-effekt.html
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Jugend-forscht.de 2025b. „Der magnetische Skin-Effekt – Projektbeschreibung“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht.de/virtuelle-ausstellung/detailseite/Der_magnetische_Skin-Effekt.html
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DGZfP 2025. „ZfP-Sonderpreis für Nachwuchsforscher“. [online] Verfügbar unter: https://www.dgzfp.de/zfp-sonderpreis-jugend-forscht-2025/
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jugend-forscht-oberfranken.de 2025. „Gewinner und Gewinnerinnen beim Landeswettbewerb Jugend forscht 2025“. [online] Verfügbar unter: https://www.jugend-forscht-oberfranken.de/news/news-detail/landeswettbewerb-jugend-forscht-2025
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tvo.de 2025. „Jugend forscht in Kulmbach: Die Sieger des oberfränkischen Regionalwettbewerbs stehen fest“. [online] Verfügbar unter: https://www.tvo.de/jugend-forscht-in-kulmbach-die-sieger-des-oberfraenkischen-regionalwettbewerbs-stehen-fest-746503/
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Bayreuther Tagblatt 2025. „Ergebnisse des oberfränkischen Regionalwettbewerbs ‚Jugend forscht'“. [online] Verfügbar unter: https://www.bayreuther-tagblatt.de/nachrichten-meldungen-news/ergebnisse-des-oberfraenkischen-regionalwettbewerbs-jugend-forscht/
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