Spider-Man hilft – Wie ein Schauspieler aus London eine Bewegung für lokale Hilfsprojekte startete
(London/Großbritannien) 2017. Tom Holland ist 21 Jahre alt und gerade der bekannteste Spider-Man der Welt. Marvel, Sony, weltweite Pressetourneen. Sein Gesicht ist auf Kinoplakaten von Tokio bis São Paulo. Was macht man mit diesem Rückenwind? Holland und seine Familie gründen eine Wohltätigkeitsorganisation. Nicht für glamouröse Großprojekte. Sondern für kleine Organisationen, die niemand kennt – und die genau deshalb Hilfe brauchen.
The Brothers Trust ist 2017 von der Familie Holland gegründet worden – von Toms Eltern Nikki und Dominic und seinen drei Brüdern Sam, Harry und Paddy. Die Idee dahinter ist einfach und klug: Toms globale Reichweite als Spider-Man nutzen, um Spenden für kleine, effiziente Hilfsorganisationen zu sammeln, die im Lärm des gemeinnützigen Sektors nicht gehört werden. Von Nairobi bis Detroit, von Kingston upon Thames bis Hyderabad.
Warum gerade die kleinen Organisationen
Die grossen Hilfsorganisationen haben ein Problem. Sie sind bekannt – und deshalb teuer zu betreiben. Grosse Marketingbudgets, aufwendige Strukturen, viele Verwaltungsstellen. Jede Spende verdunnstet auf dem Weg zum eigentlichen Zweck.
The Brothers Trust arbeitet nach einem anderen Prinzip. Die bevorzugten Partner sind kleine, schlanke, oft gründergeführte Organisationen, die nachweislich effizient arbeiten. „Wir suchen Organisationen, die den effektivsten Einsatz unserer Mittel für die Menschen in der grössten Not demonstrieren können“, schreibt die Organisation auf ihrer Website (TBT 2025). LunchBowl Network in Kenia etwa gibt 97 Pence von jedem gespendeten Pfund direkt vor Ort aus – und wird ausschliesslich von Freiwilligen geführt (TBT / LunchBowl 2025).
Das ist das Modell: Wer bekannt ist, macht laut. Wer effizient ist, bekommt das Geld. Wer beides kann, verändert Leben.
Die Anfänge: Ein Krankenhaus und eine Mutter mit Krebs
The Brothers Trust beginnt lokal. Sehr lokal.
Gegründet 2017, richtet sich der erste Fokus auf Momentum – eine Kinderkrebshilfe aus Kingston upon Thames, dem Londoner Stadtteil, in dem Tom und seine Brüder geboren wurden. Die Organisation unterstützt Familien, deren Kinder an lebensbedrohlichen Krankheiten – meist Krebs – erkrankt sind. The Brothers Trust überweist zunächst 6.000 Pfund, um eine Familienbetreuerin für ein Jahr zu finanzieren – eine lokale Mutter, deren eigenes Kind selbst an Krebs erkrankt ist (TBT / Charities 2025).
Es ist ein bewusstes Signal: Wir fangen in unserer eigenen Gemeinde an. Dort, wo wir aufgewachsen sind. Dort, wo wir wissen, was gebraucht wird.
Toms Vater Dominic Holland, Komödiant und Buchautor, formuliert die Philosophie des Trusts so: The Brothers Trust bevorzuge Organisationen, die klein und schlank sind und herausragende und greifbare Ergebnisse vorweisen können (TBT / Blog 2025).
Von Kibera bis Hyderabad
Was als lokales Hilfsprojekt beginnt, weitet sich schnell aus – weil Toms Fanbasis global ist.
The Brothers Trust unterstützt das Lunchbowl Network in Kibera, Nairobi – einer informellen Siedlung mit schätzungsweise einer bis 1,5 Millionen Einwohnern auf 2,8 Quadratkilometern, einer der ärmsten Gegenden der Welt (TBT / LunchBowl 2025). Bis 2019 fliessen Gelder für zwei Schulbusse, Lehrergehälter, ein Kunstrasenprojekt am Kindergarten, Solarenergie für Klassenräume und das Saturday Dinner Programme – ein wöchentliches Mittagessen für über 400 Waisenkinder und vulnerable Kinder (TBT / Charities 2025).
In Hyderabad, Indien, unterstützt der Trust seit 2018 The John Foundation – eine Organisation, die 2007 von Dr. Saji John und seiner Frau Cynthia gegründet wurde, nachdem sie zwei verlassene Mädchen aufgenommen hatten. Heute versorgt die Foundation 310 Kinder mit einem Zuhause und beschult 877 Kinder auf zwei Geländen. 64 Prozent der Betriebskosten werden durch eigene Einnahmeprojekte finanziert – die Organisation hat sich damit weitgehend aus der Abhängigkeit von Spenden befreit (TBT / Blog 2025).
In Detroit und im amerikanischen Süden arbeitet der Trust mit Kares 4 Kids zusammen – einer Organisation, die von Marci gegründet wurde und lokale Hilfsprojekte für benachteiligte Kinder organisiert. Der erste Kontakt kam per E-Mail von Nikki Holland. Marci hielt sie zunächst für Spam (TBT / Blog 2025).
Wusstest du? The Brothers Trust ist sowohl in Grossbritannien als auch in den USA als gemeinnützige Organisation registriert – unter der britischen Charity-Nummer 1172675. Die Doppelregistrierung ermöglicht es Spendern in beiden Ländern, ihre Beiträge steuerlich abzusetzen (TBT 2025).
EB: Die unsichtbare Krankheit und Myra
Eine der persönlichsten Kampagnen des Trusts gilt Epidermolysis Bullosa – kurz EB. Eine seltene, genetische Erkrankung, bei der die Haut so fragil ist wie Schmetterlingsflügel. Kleinste Berührungen reichen, um sie aufzureissen. Es gibt keine Heilung.
Durch ihre Arbeit für DEBRA UK lernt die Familie Holland Myra Ali kennen – eine junge Frau mit EB. Sie stirbt. Danach macht Tom Holland ihre Geschichte öffentlich und ruft zu Spenden für EB-Forschung auf. 2021 organisiert er einen Livestream, in dem er allein Hunderttausende Dollar für EB-Forschung sammelt (Borgen Project 2024). Das EB Research Partnership hat seit seiner Gründung über 60 Millionen Dollar eingeworben und mehr als 140 Forschungsprojekte gefördert – massgeblich mit unterstützt durch The Brothers Trust (EBRP 2025).
Das Modell: Ruhm als Hebel für das Unsichtbare
Das eigentliche Produkt von The Brothers Trust ist keine Dienstleistung. Es ist Aufmerksamkeit.
Tom Holland hat Millionen von Fans weltweit. Wenn er auf Instagram über eine Organisation in Kibera postet, sehen es Menschen in Australien, Brasilien und Japan. Wenn er ein Quiz in Claridges Hotel in London veranstaltet, kommen Menschen und zahlen Top-Preise für einen Abend – und ein einziges Event bringt über 400.000 Pfund ein (TBT / Events 2025).
Das Geld fliesst komplett an die unterstützten Organisationen. The Brothers Trust selbst wird von Nikki Holland und einer weiteren Vollzeitmitarbeiterin geführt – bewusst klein gehalten, damit der Overhead minimal bleibt (TBT / Events 2025).
Die Lektion dahinter ist übertragbar. Man muss kein Spider-Man sein. Aber man kann denselben Hebel nutzen: Reichweite – egal in welchem Massstab – für Organisationen einsetzen, die niemand kennt, aber die grösste Wirkung erzielen.
Wusstest du? Tom Holland machte seinen ersten Schritt als Schauspieler 2008 als Billy in „Billy Elliot the Musical“ im West End – mit zwölf Jahren. Das Londoner Krankenhaus, in dem er und seine Brüder geboren wurden, ist dasselbe, aus dem die erste vom Trust unterstützte Wohltätigkeitsorganisation Momentum hervorging (Heavy 2017).
Quellen
Borgen Project 2024. „The Brothers Trust and Tom Holland Fight Poverty.“ [online] Verfügbar unter: https://borgenproject.org/the-brothers-trust/
EBRP 2025. „Tom Holland – EB Research Partnership.“ [online] Verfügbar unter: https://www.ebresearch.org/tom-holland.html
Heavy 2017. „Tom Holland’s Family: 5 Fast Facts You Need to Know.“ [online] Verfügbar unter: https://heavy.com/entertainment/2017/07/tom-holland-family-brothers-names-tree-age/
Smiley Movement 2025. „Tom Holland’s Charitable Efforts Shine with The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://smileymovement.org/news/tom-holland
TBT 2025. „About – The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://www.thebrotherstrust.org/about-1
TBT / Blog 2025. „Blogs/Vlogs – The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://www.thebrotherstrust.org/blog
TBT / Charities 2025. „Charitable Donations – The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://www.thebrotherstrust.org/charities-donations
TBT / Events 2025. „Events – The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://www.thebrotherstrust.org/projects
TBT / LunchBowl 2025. „Lunchbowl Network – The Brothers Trust.“ [online] Verfügbar unter: https://www.thebrotherstrust.org/lunchbowl-network
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