Ein Jugendparlament gründen oder mitgestalten – so gelingt der Einstieg
Im Hauptartikel „Demokratie lernen, Demokratie gestalten: Wie Jugendparlamente jungen Menschen echte politische Stimme geben„ erfährst du, wie kommunale Jugendparlamente in Deutschland und Hessen funktionieren – von der rechtlichen Grundlage bis zum konkreten Projekterfolg in Wiesbaden. Hier erfährst du, wie du selbst ein Jugendparlament mitgründen, stärken oder als Erwachsener unterstützen kannst.
Was du brauchst
- Kontakt zur Gemeindeverwaltung oder zum Jugendamt deiner Kommune
- Zwei bis drei Mitstreiter mit Interesse an lokaler Politik
- Grundkenntnisse über kommunale Entscheidungswege in deiner Stadt
- Optional: Kontakt zum Hessischen Jugendring oder zum Deutschen Kinderhilfswerk für Beratung und Musterstrukturen
Was du lernen wirst
Welche rechtlichen Grundlagen ein Jugendparlament braucht, wie du es aufbaust, was es von einer Schülervertretung unterscheidet, und wie du als junger Mensch oder als unterstützender Erwachsener wirklich etwas bewegst.
Los geht’s
Schritt 1: Prüfen, was in deiner Kommune bereits existiert Bevor du etwas Neues gründest: Frage beim Jugendamt oder beim Stadtjugendring, ob es bereits eine Form der Jugendbeteiligung gibt – Jugendbeirat, Jugendparlament, Jugendforum. Viele Kommunen haben Strukturen, die schlafen oder unterbesetzt sind und dringend aktive Menschen brauchen. Mitgestalten ist oft wirksamer als neu gründen.
Schritt 2: Politischen Willen klären Ein Jugendparlament braucht die Unterstützung des Stadtrats oder der Gemeindevertretung – zumindest einer Mehrheit. Sprich Fraktionen an, bring das Thema in einen Ausschuss, formuliere eine kurze Anfrage. In Hessen hilft dabei Paragraph 4c HGO als Argument: Kommunen sind bei relevanten Vorhaben zur Beteiligung verpflichtet. Wer das weiß, argumentiert rechtlich fundiert.
Schritt 3: Struktur entscheiden Jugendparlament, Jugendbeirat oder offenes Jugendforum – die Modelle unterscheiden sich in Formalität, Wahlverfahren und Rechten. Ein Jugendparlament mit Wahlverfahren und formalem Antragsrecht ist aufwendiger aufzubauen, hat aber mehr Wirkung. Ein offenes Jugendforum ist niedrigschwelliger, aber weniger verbindlich. Lass dich von bestehenden Kommunen beraten – der Hessische Jugendring stellt Mustergeschäftsordnungen bereit.
Schritt 4: Wahlverfahren und Zusammensetzung planen Wer darf wählen, wer darf kandidieren, wie lange dauert eine Amtszeit? Typisch sind Altersgruppen von 12 bis 21 Jahren, Amtszeiten von ein bis zwei Jahren und Wahlen über Schulen oder offene Jugendeinrichtungen. Achte auf Diversität: Jugendliche ohne Schulanbindung, mit Migrationshintergrund oder aus einkommensschwachen Haushalten sind in klassischen Parlamentsmodellen oft unterrepräsentiert.
Schritt 5: Rechte und Budget sichern Das wichtigste Verhandlungsziel: Rederecht in den relevanten Ausschüssen und ein eigenes Verfügungsbudget. Auch kleine Beträge – 2.000 bis 5.000 Euro pro Jahr – verändern die Qualität der Arbeit fundamental. Wer selbst über Mittel entscheidet, übt echte Verantwortung. Ohne Budget bleibt ein Jugendparlament ein Debattierclub.

Schritt 6: Mentoring und digitale Beteiligung einbauen Plane von Anfang an Begleitung durch erfahrene Kommunalpolitikerinnen und -politiker. Und: Nicht alle Jugendlichen wollen in einem Gremium sitzen. Digitale Tools wie CONSUL oder Adhocracy+ ermöglichen Beteiligung per Smartphone – zu konkreten Fragen, ohne Mandat. Beides zusammen – klassisches Parlament plus digitale Partizipation – erreicht die breiteste Gruppe.
Wusstest du? Das Deutsche Kinderhilfswerk vergibt jährlich den Preis „Kinderfreundliche Kommune“ – auch an Kommunen mit vorbildlicher Jugendbeteiligung. Die Bewerbung dafür kann ein wirksamer Hebel sein, um intern politische Unterstützung für ein Jugendparlament zu gewinnen.
Weiter gedacht
Vernetz dich mit dem HOP!-Kongress des Hessischen Jugendrings – dort treffen sich Jugendliche aus verschiedenen Kommunen, tauschen Erfahrungen aus und formulieren gemeinsame Forderungen ans Land. Und schau dir die Förderlinien des Jugendaktionsprogramms 2026–2028 an: Projekte zur Stärkung von Beteiligungsstrukturen sind förderfähig. hessischer-jugendring.de, kinderpolitik.de.
Es gibt viele Wege, diese Idee umzusetzen. Die Anregungen oben sollen nur eine Inspiration sein – wichtig ist, dass du deinen persönlichen Weg findest. Oft verliert man sich, wenn man sich zu streng an den Anleitungen anderer orientiert. Folge deinem Herzen – es weiß immer, wo der richtige Weg ist.
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Quellen
Hessischer Jugendring 2025. „Partizipation und Jugendbeteiligung in Hessen – Strukturen und Projekte“. [online] Verfügbar unter: https://www.hessischer-jugendring.de
Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales 2026. „Jugendaktionsprogramm 2026–2028 – Förderrichtlinien“. [online] Verfügbar unter: https://www.hmsi.hessen.de
Deutsches Kinderhilfswerk 2025. „Kinder- und Jugendbeteiligung in Deutschland – Bestandsaufnahme 2025″. [online] Verfügbar unter: https://www.kinderpolitik.de
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