Dein eigenes Pilzmaterial – ein Experiment für zuhause

Du kannst kein Pilzleder im Labor züchten wie die Forscher in Madagaskar. Aber du kannst ein kleines Experiment machen, das dir zeigt, wie aus Pilzen ein festes Material werden kann. Es ist einfach, es ist spannend, und du brauchst nur ein paar Dinge aus der Küche.

Dauer Kosten Alter Ort
2–3 Stunden (plus Trocknungszeit) 5–10 Euro Ab 10 Jahren (mit Hilfe) Küche

Warum ein Pilz-Experiment?

  • Du lernst, wie Pilze aufgebaut sind

  • Du verstehst, warum sie sich für Materialien eignen

  • Du siehst, wie aus „Abfall“ etwas Neues entstehen kann

  • Es ist ein echtes kleines Forschungsprojekt

  • Du kannst deinen Freunden zeigen, was du gemacht hast


Schritt 1: Was du brauchst – Materialliste

Grundausstattung

Material Beschreibung Preis Bezugsquelle
Pilze Austernpilze, Champignons oder andere große Pilze 2–4 Euro Supermarkt
Kochtopf Für das Kochen der Pilze hast du zuhause
Küchenblender oder Pürierstab Zum Zerkleinern hast du zuhause
Feinmaschiges Sieb Zum Abgießen hast du zuhause
Backpapier Zum Trocknen 1–2 Euro Backpapier bei Amazon* (Affiliate-Link)
Nudelholz Zum Ausrollen hast du zuhause

Für Fortgeschrittene

Material Wofür? Bezugsquelle
Natron Zum Aufschließen der Zellstruktur Natron bei Amazon* (Affiliate-Link)
Essig Zum Neutralisieren Supermarkt
Kleine Formen Zum Gießen Silikonformen bei eBay* (Affiliate-Link)

Schritt 2: Die Theorie verstehen – Was steckt in Pilzen?

Pilze bestehen aus langen Fäden, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann – dem Myzel. Dieses Myzel enthält zwei wichtige Stoffe:

  • Chitin – das gleiche Material, aus dem auch die Panzer von Insekten und Krebsen bestehen. Es macht das Pilzgewebe fest und stabil.

  • Glucan – ein Kohlenhydrat, das wie eine Art Kleber wirkt und die Chitin-Fäden zusammenhält (FALTER 2022).

Wenn du diese Stoffe aus den Pilzen herauslöst und wieder zusammensetzt, entsteht ein neues Material – fest, zäh, und ein bisschen wie Leder.


Schritt 3: Schritt-für-Schritt-Anleitung

3.1 Pilze vorbereiten

  1. Kauf dir ein paar frische Pilze. Austernpilze eignen sich besonders gut, weil sie groß und fleischig sind.

  2. Wasch die Pilze gründlich mit kaltem Wasser. Entferne alle schlechten Stellen.

  3. Schneide sie in kleine Stücke (ca. 1–2 cm groß).

3.2 Pilze kochen

  1. Gib die Pilzstücke in einen Topf und bedecke sie mit Wasser.

  2. Wenn du Natron hast, gib einen Teelöffel dazu. Das hilft, die Zellstruktur aufzulösen (FALTER 2022).

  3. Koche die Pilze für etwa 30–45 Minuten, bis sie ganz weich sind.

3.3 Pilze pürieren

  1. Gieß die gekochten Pilze ab (das Kochwasser kannst du weggießen).

  2. Gib die weichen Pilze in einen Blender oder ein hohes Gefäß.

  3. Püriere sie zu einer glatten Paste. Wenn es zu dick ist, kannst du etwas Wasser dazu geben.

Was passiert hier? Durch das Kochen und Pürieren werden die Zellwände aufgebrochen. Das Chitin und Glucan werden freigesetzt (FALTER 2022).

3.4 Die Paste formen

  1. Leg ein Stück Backpapier auf eine glatte Fläche.

  2. Streich die Pilzpaste gleichmäßig auf das Backpapier. Je dünner, desto schneller trocknet es.

  3. Wenn du eine Form verwenden willst (z.B. eine kleine Schale), drück die Paste hinein.

  4. Mit einem Nudelholz kannst du die Paste glatt rollen.

3.5 Trocknen lassen

  1. Stell das Backpapier mit der Paste an einen warmen, trockenen Ort. Nicht in die pralle Sonne – da könnte es reißen.

  2. Auf der Heizung, im Backofen bei niedrigster Stufe (Tür einen Spalt offen lassen) oder einfach bei Zimmertemperatur.

  3. Das Trocknen dauert 1–3 Tage, je nach Dicke.

3.6 Fertig!

Wenn die Paste ganz trocken ist, hast du ein festes, lederähnliches Material. Du kannst es vorsichtig vom Backpapier abziehen.


Schritt 4: Was kannst du damit machen?

Idee 1: Kleines Kunstwerk

Schneide dein Pilzleder in Form und bemale es mit Acrylfarben. Ein schönes Geschenk für Freunde.

Idee 2: Lesezeichen

Schneide schmale Streifen aus. Mit einem Locher ein Loch machen, ein Band durchziehen – fertig ist ein Lesezeichen.

Idee 3: Kleine Schale

Wenn du die Paste in eine Form gedrückt hast, hast du jetzt eine kleine Schale. Perfekt für Büroklammern oder Schmuck.

Idee 4: Experimentier-Notizen

Mach Fotos von deinem Experiment und schreib auf, was du gelernt hast. Vielleicht wird daraus ein Schulprojekt.


Schritt 5: Probleme lösen – Was tun, wenn…

Problem Mögliche Lösung
Die Paste wird nicht fest Länger trocknen lassen, vielleicht war sie zu dick
Das Material reißt Nächstes Mal etwas dünner auftragen
Es riecht komisch Die Pilze waren vielleicht nicht mehr frisch
Es schimmelt Nicht gut genug getrocknet – leider wegwerfen und neu versuchen

Schritt 6: Für Fortgeschrittene – Mit verschiedenen Pilzen experimentieren

Nicht alle Pilze sind gleich. Probier verschiedene Sorten aus und vergleiche:

Pilzart Eigenschaft
Champignons Weich, hell, eher brüchig
Austernpilze Fest, zäh, dunkler
Shiitake Sehr fest, aromatisch
Kräuterseitlinge Fleischig, gut geeignet

Dokumentiere deine Ergebnisse:

  • Welcher Pilz hat am besten funktioniert?

  • Welches Material war am festesten?

  • Welches am schönsten?


Schritt 7: Das Lernprojekt – Mit der Klasse oder Gruppe

7.1 Material sammeln

Jeder bringt eine Pilzsorte mit (oder ihr kauft gemeinsam ein).

7.2 Arbeitsteilung

  • Team 1: Pilze vorbereiten und kochen

  • Team 2: Pürieren und Formen

  • Team 3: Dokumentieren (Fotos machen, Notizen schreiben)

7.3 Auswertung

Nach dem Trocknen vergleicht ihr die Ergebnisse:

  • Welche Gruppe hat das beste Material hergestellt?

  • Was war anders?

  • Was würdet ihr nächstes Mal anders machen?


Schritt 8: Vom Experiment zur Idee

Wenn euer Experiment geklappt hat, könnt ihr weiterdenken:

8.1 Was könnte man daraus machen?

  • Eine kleine Tasche

  • Knöpfe für Kleidung

  • Eine Geldbörse

  • Ein Notizbuch mit Pilzleder-Einband

8.2 Wie könnte man es verbessern?

  • Mit natürlichen Ölen imprägnieren (damit es wasserfest wird)

  • Mit Pflanzenfarbe färben

  • Verschiedene Pilze mischen

8.3 Was haben wir gelernt?

  • Pilze sind nicht nur zum Essen da

  • Aus „einfachen“ Dingen kann man Neues machen

  • Materialforschung ist spannend

  • Man braucht Geduld und Experimentierfreude


Was du lernst

  • Dass Pilze viel mehr können, als wir denken

  • Wie man mit einfachen Mitteln forschen kann

  • Dass Scheitern zum Experiment dazugehört

  • Wie man geduldig bleibt und weitermacht

  • Dass aus einer kleinen Idee etwas Großes werden kann

Genau wie die Forscher in Madagaskar: Sie haben angefangen, mit Pilzen zu experimentieren. Heute entstehen daraus Taschen und Schuhe. Vielleicht kommt deine Idee als nächstes.


Quellen

FALTER (2022): Wie stellen Sie Leder und Papier aus Pilzen her, Herr Bismarck? URL: https://www.falter.at/zeitung/20220622/wie-stellen-sie-leder-und-papier-aus-pilzen-her-herr-bismarck

Mycology Studio (2026): DIY Mushroom Paper – A Beginner’s Guide. URL: https://www.mycology.studio/diy-mushroom-paper


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