Wie du Wildpferde in Europa beobachten kannst – ohne sie zu stören

Was du über Wildpferde wissen solltest

Wildpferde sind keine verwilderten Hauspferde. Sie sind eine eigene Kategorie – Tiere, die seit Generationen ohne menschlichen Einfluss leben, die natürliche Instinkte entwickelt haben, die ihre eigenen sozialen Strukturen besitzen. Ein Wildpferd hat Angst vor Menschen, läuft weg, wenn du zu nah kommst. Das ist kein Zeichen von Scheu, sondern von Gesundheit.

In Europa gibt es verschiedene Projekte, die Wildpferde wiederansiedeln. Die Garranos in Portugal, die Koniks in den Niederlanden, die Exmoor-Ponys in England. Sie alle haben gemeinsam: Sie leben in freier Wildbahn, werden nicht gefüttert, nicht gepflegt, nicht gezähmt. Sie zu beobachten ist ein Privileg – und eine Verantwortung.

[Wusstest du? Wildpferde erkennen Menschen als potenzielle Gefahr. Wenn du zu nah kommst, rennen sie weg. Aber sie beobachten dich aus der Ferne – stundenlang, manchmal tagelang. Sie lernen deine Bewegungen, deine Gewohnheiten, deine Absichten.]

Schritt-für-Schritt: Wildpferde beobachten – die Regeln

Du musst nicht nach Portugal reisen, um Wildpferde zu sehen. Es gibt Projekte in vielen europäischen Ländern. Aber überall gelten die gleichen Regeln.

Materialien:

  • Gute Wanderschuhe

  • Fernglas (mindestens 8×30)

  • Fotoapparat mit Teleobjektiv (kein Selfie-Stick!)

  • Geduld und Respekt

Los geht’s:

  1. Den richtigen Ort finden: Informiere dich vorab, wo Wildpferde leben. In Portugal ist es der Peneda-Gerês-Nationalpark. In den Niederlanden die Oostvaardersplassen. In England das Exmoor. Viele Schutzgebiete haben Besucherzentren mit Karten und Hinweisen.

  2. Abstand halten: Bleib mindestens 50 Meter von den Tieren entfernt. Bei Fohlen noch mehr. Wenn ein Pferd den Kopf hebt und dich anstarrt, bist du zu nah. Geh langsam zurück.

  3. Lautlos sein: Sprich flüsternd, wenn überhaupt. Keine lauten Geräusche, keine Rufe, kein Hupen. Die Pferde sind wild – sie reagieren auf jede ungewohnte Störung mit Flucht.

  4. Hunde anleinen: Hunde sind für Wildpferde wie Wölfe. Ein freilaufender Hund jagt die Herde auseinander, stresst die Tiere, gefährdet sich selbst. In den meisten Schutzgebieten sind Hunde verboten.

  5. Nicht füttern: Das gilt immer und überall. Wildpferde finden ihr eigenes Futter. Was du ihnen gibst, macht sie krank und zerstört ihre natürliche Scheu vor Menschen.

  6. Geduldig sein: Manchmal siehst du stundenlang nichts. Manchmal tauchen sie plötzlich auf, bleiben eine Weile und verschwinden wieder. Genieß die Landschaft, die Stille, die Erwartung.

Was du beobachten wirst:

Wenn du Glück hast, siehst du eine Herde in Bewegung. Die Hengste, die ihre Familien zusammenhalten. Die Stuten, die ihre Fohlen bewachen. Die jungen Tiere, die miteinander spielen. Die Rangordnung, die ständig neu ausgehandelt wird. Du verstehst, warum diese Tiere so faszinierend sind – und warum sie ihren Raum brauchen.

[Wusstest du? Im Peneda-Gerês-Nationalpark werden geführte Touren angeboten, bei denen erfahrene Ranger die besten Beobachtungspunkte zeigen. Die Teilnahme ist nicht nur sicherer für dich, sondern auch für die Pferde – die Ranger kennen die Herden und wissen, wo man sie sehen kann, ohne sie zu stören.]

Warum das mehr ist als nur Ausflug:

Die Wildpferde in Europa sind keine Touristenattraktion. Sie sind Teil eines empfindlichen Ökosystems, das Jahrhunderte gebraucht hat, um sich zu entwickeln. Jeder, der sie besucht, hinterlässt Spuren – gute oder schlechte. Mit den richtigen Regeln sorgst du dafür, dass die Pferde bleiben, dass die Herden wachsen, dass die Wildnis weiter wild bleibt.

Vielleicht siehst du eines Tages einen Hengst, der dich aus der Ferne beobachtet, dann den Kopf wendet und mit seiner Herde davonzieht. Dieser Moment ist mehr wert als jedes Selfie.


Quellen (DIY):

ICNF (2025): Regras para Observação de Fauna Selvagem no Parque Nacional Peneda-Gerês. Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas. Verfügbar unter: https://www.icnf.pt/visitar/regras

Rewilding Europe (2025): Wildlife Watching Guidelines. Verfügbar unter: https://rewildingeurope.com/wildlife-watching/

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